Knochenkirche in Kutna HoraWenn Du in Prag schon alles gesehen hast und etwas wirklich Außergewöhnliches erleben willst, dann habe ich einen sehr skurrilen Tipp für Dich. Mit dem Zug erreichst Du von Prag aus das kleine Städtchen Kutna Hora. Und das hat es in sich. Hier findest Du die sogenannte Knochenkirche in deren Keller die Gebeine mehrerer zehntausend Menschen kunstvoll zu Kronleuchtern, Wappen und Pyramiden drapiert wurden.

Der Tagesausflug startet am Prager Hauptbahnhof von wo fast stündlich Züge nach Kutna Hora abfahren. Die Hin- und Rückfahrt kostet etwa acht Euro und bereits nach nur einer Stunde erreichst Du Kutna Hora.

Knochenkirche in Kutna HoraTotenköpfe auf dem Dach weisen den Weg zur Kirche

Vom Hauptbahnhof führt Dich der etwa 1,5 Kilometer lange Weg direkt zur Kirche in dem Stadtteil Sedlec. Rechts von der Straße geht es dann die Straße hoch und Du kannst die Knochenkirche nicht übersehen. Auf den Turmspitzen thronen neben den üblichen Heiligen auch zwei überdimensionale Totenköpfe aus Blech. Solche wie man sie von Piratenflaggen kennt.

Darunter versteckt sich aber kein Piratenschiff, sondern einer der skurrilsten Orte an denen ich bisher war: Die Knochenkirche trägt den offiziellen Namen Sedletz-Ossarium. An der Stelle der Kirche gab es früher nur den Friedhof, der bis heute das Gebäude umgibt. Im 13. Jahrhundert brachte eine Pilgergruppe aus Jerusalem eine Handvoll Lehm mit und verteilte sie auf dem kleinen Friedhof von Sedlec.

Heilige Erde sorgte für die vielen Leichen

Dadurch bekam der Friedhof das Prädikat "Heilige Erde" und wurde fast über Nacht über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Viele Menschen aus dem ganzen Land und sogar aus dem Ausland wollten hier begraben werden. Der besondere Ruf dieses Ortes, eine große Pestepedemie und die Gefallenen mehrerer Kriege sorgten dafür, dass der kleine Friedhof rasch zu einer riesigen Ruhestätte für mehr als 50.000 Menschen wurde.

Mit dem Bau des Sedletz-Ossariums im 15. Jahrhundert auf dem Friedhof wurde das Gelände verkleinert und die Gebeine exhumiert. Aus Respekt vor den Toten wurden sie zunächst wahllos im Keller der Kirche aufgebahrt.

angefangen hat ein blinder Mönch, vollendet hat es ein Schreiner

Erst ein blinder Mönch begann damit, die Knochen in großen Pyramiden aufzuschichten und so für eine erste Ordnung im Keller zu sorgen.

Ende des 19. Jahrhunderts kaufte eine reiche Fürstenfamilie die Kirche und beauftragte einen Schreiner mit der Innenausstattung des Gebeinhauses.

Aus den Knochen schuf er makabre Kunstwerke wie Kronleuchter, Kerzenständer und sogar das Wappen der Auftraggeber. Der Kronleuchter ist ein wahres Highlight, denn hier wurden alle Knochen des menschlichen Körpers verarbeitet. Makaber, aber absolut sehenswert.

Die einzelnen Kunstwerke sind wirklich faszinierend und wurden mit solch einer handwerklichen Präzision zusammengestellt, dass man schnell die Knochen vergisst, die als Baumaterial dienen.

Die Knochen sind in diesem Keller überall.

Knochenkronleuchter in Kutna HoraKnochenformationen, die nicht mal in den wildesten Träumen vorkommen

Da gibt es die großen Gebeinpyramiden in denen sich die Knochen vieler hundert Menschen türmen. Schädel an den Wänden, Inschriften aus Knochen über den Treppen und historische Motive aus Knochen. An der Decke sind die Gebeine wie Stuck angebracht und dann thront über allem in der Mitte des Kellers dieser riesige Kronleuchter. Es ist nur schwer zu verstehen, dass es sich hierbei komplett um menschliche Überreste handelt.

Als Besucher ist man im ersten Moment komplett überwältigt. Die Bilder die man im Voraus von diesem Ort sieht, können nicht darauf vorbereiten, was Dich hier wirklich erwartet.

Diese Ungläubigkeit ist allen Besuchern anzumerken. Es herrscht eine ehrfurchtsvolle Stille, die nur gelegentlich von einem schrillen Piepsen unterbrochen wird. Dann hat sich ein neugieriger Besucher den Knochenhaufen wieder zu sehr genähert oder wollte mit den Händen schauen und hat den Alarm ausgelöst.

Knochenwappen in Kutna Hora

Kutna Hora Bietet viele weitere Sehenswürdigkeiten

Heute ist die Knochenkirche eine der großen Sehenswürdigkeiten des kleinen Städtchens. Viele Touristen besuchen nur die Knochenkirche und die direkt gegenüberliegende Kathedrale von Kutna Hora.

Die Kathedrale ist ein riesiger beeindruckender gotischer Bau, der nicht umsonst auf der Liste der UNESCO-Weltkulturerbe-Stätten gelistet ist.

Am anderen Ende der Stadt erwartet aber ein weiteres Highlight die Besucher. Der Dom der Heiligen Barbara ist sogar noch weitaus beeindruckender als die Kathedrale bei der Knochenkirche.

Der ebenfalls gotische Bau mit seiner ausufernden Dachkonstruktion und dem wunderbaren Altar wurde seit seiner Fertigstellung bereits mehrmals umgebaut und erweitert. Heute gilt er als eines der bedeutendsten Meisterwerke gotischer Baukunst in Europa. Im Inneren des Doms sorgen die riesigen Buntglasfenster für eine wunderbare Stimmung.

Eine so kleine Stadt, die über eine Kathedrale und einen Dom verfügt, muss früher sehr reich gewesen sein. Und Kutna Hora verfügte früher in der Tat über mehrere Silber-Bergminen, die für großen Reichtum sorgten.

Um einen Eindruck zu bekommen, wie das Leben im Mittelalter wohl gewesen sein mag, findet in jedem Sommer ein historisches Festival statt. Für das leibliche Wohl sorgen deftige Speisen, Ritter bieten sich auf dem Turnierkampf schwere Kämpfe zu Fuß und zu Pferd und junge Prinzessinnen beobachten das Ganze belustigt von der Bühne.

Abgerundet wird das Spektakel von Falkner-Vorführungen und mittelalterlichen Theaterstücken, die rund um das Ritterlager stattfinden. So muss es damals auf den Festen im Mittelalter zugegangen sein.

Der Dom der Heiligen Barbara

Der Dom der Heiligen Barbara