dsc07335Fragt man mich nach Dingen wie Organisation und Planungsdetails für meine Reise, dann könnte sich das so zugetragen haben:

Los, her mit den Visa!

Für jedes Land gibt es verschiedene Visa-Bestimmungen. Manche Visa haben einen Gültigkeitszeitraum in dem man einreisen muss, sonst verfällt das Visa. Manche Länder setzen ein festes Datum voraus, ab dessen Zeitpunkt das Visa dann für die erteilte Zeitdauer gültig ist.Innerhalb der EU brauch man als Europäer kein Visa. Schengen sei Dank! Russland, Kasachstan, Usbekistan und Tadjikistan setzen feste Zeitfenster voraus mit standardmäßig 30 Tage Touristen-Daseinsberechtigung in jedem Land. Dann gibt es Länder wie China z.B., das eine Gültigkeitsdauer von drei Monaten ab Visa-Erteilung vergibt.

visa_nepal

Man merkt schon, Schach spielen ist einfacher. Ich wollte in Deutschland bereits so viele Visa wie möglich in der Tasche haben, um nicht unterwegs wertvolle Zeit zu verlieren, in einem fremden Land, ohne Erfolgsgarantie Folge-Visa beantragen zu müssen. Die grobe Route stand ja bereits und so hatte ich auch ein ungefähres Gefühl wie viele Kilometer pro Transit ich für die ersten Länder benötigen würde. Alles im Bereich der 30 Tage Zeitfenster. So beantragte ich in überlappenden Datumsangaben die ersten vier Visa. Wer das nicht alles selber machen will, kann eine Visa-Agentur beauftragen dies für einen zu erledigen. Die Visa-Anträge muss man aber schon selbst ausfüllen :)

Das Problem waren dann eher die Folgeländer China, Pakistan und Indien. Alle drei Länder besitzen eine Gültigkeitsdauer ab Visumerteilung. China in drei Monaten zu erreichen war illusorisch und das China-Visum unterwegs zu beantragen galt als sehr wacklig, was die Erfolgsquote anging. Für Pakistan muss man das Visum im eigenen Land beantragen, was blöd ist, wenn man bereits unterwegs ist und Indien ist halt Indien. Dennoch musste ich grob überlegen, wie man an diese Visa kommt. Es ergaben sich aus meiner Sicht zwei Möglichkeiten. Seinen Reisepass nach Deutschland zurück zu senden und dann wieder über eine Agentur die Visa zu beantragen. Oder einfach einen zweiten Reisepass zu beantragen! Dafür muss man bei der Beantragung jedoch berechtigte Gründe vorweisen, um Anspruch auf einen zweiten Reisepass zu erhalten. Und los. So hatte ich kurze Zeit später einen zweiten Reisepass in der Hinterhand, der mir schon irgendwie die anderen Visa einbringen würde :)

Am Anfang war das Rad

Die Reise steht und fällt mit dem Fahrrad. Ohne, wäre der Beitrag hier zu Ende :) Ich habe so ziemlich jede Art von Fahrrad zu Hause rum stehen. Vom Rennrad bis zum Mountainbike, vom Singlespeed bis zum Fixie und natürlich auch ein paar klapprige Stadträder, für die bierreichen Abende. Aber ein Reiserad kam bei mir noch nicht vor und so musste ich selbst einige Stunden an Recherche investieren. Das Internet ist heutzutage, wie immer, die beste Quelle, um sich mit dieser Thematik zu befassen. Jedoch wird es einem dadurch nicht gerade einfacher gemacht. Denn wie bei keinem anderen Typ von Fahrrad scheiden sich bei einem Reiserad die Geister.

ausruestung_2

Los gehts schon mit der Größe: 26 oder 28 Zoll Laufräder. Stahl- oder Aluminium-Rahmen. Kettenschaltung oder Nabenschaltung. Scheibenbremsen oder Felgenbremsen. Alles hat Vor- und Nachteile und schließlich muss jeder für sich selbst entscheiden, welchen Mix an Komponenten und Ausführungen am besten für die eigene Reise geeignet sind. Ich habe mich dabei letztendlich für die klassische Variante eines typischen Reiserads entschieden. Konkret heißt das: 26 Zoll, Stahl, Kettenschaltung und Felgenbremsen. Grund solide. 26 Zoll Laufräder haben den Vorteil, dass sie gegenüber 28 Zoll Rädern stabiler sind, gerade was Speichenbelastbarkeit angeht. Laufräder sind weltweit verfügbar auch was Ersatzeile, sei es Schläuche oder Mäntel, angeht. Das Zusammenspiel mit Rahmen und Laufrädern machen 26 Zoller vielseitiger und belastbarer als 28 Zoller.

Beim Material gewinnt Stahl, weil gefühlt unzerstörbar und zur Not schweissbar, Aluminium nicht! Kettenschaltungen sind zwar pflegeintensiver, aber von der Wartung für jedermann zumutbar. Nabenschaltungen kennt außerhalb Europa kaum jemand und falls damit mal was ist steht man blöd da. Des Weiteren steht bei den Nabenschaltungen keine so große Schaltgranularität zur Verfügung wie bei Kettenschaltungen, besonders spürbar in bergigen Terrain. Ersatzteile wie Ketten und Kassetten gibt es meist in jeder ganz großen Stadt. Auch Felgenbremsen lassen sich quasi von jedem wechseln im Vergleich zur Wartung von Scheibenbremsen. Für Asien braucht man jedoch den 26/28 Zoll Vergleich nicht unbedingt auf die Goldwaage zu legen. Da wird mittlerweile jedes Modell bedient.

ausruestungIch packe meine Koffer und nehme mit ...

  • Zelt, Isomatte, Schlafsack, Kocher (Benzin) und Koch-Zubehör (Geschirr, Gewürze)
  • Werkzeug und Fahrrad-Ersatzteile (Ketten, Mantel, Schläuche, Bremsbeläge, Flickzeug)
  • Medizinisches Notfallset (Schmerztabletten, Durchfalltabletten, Antibiotika, Verbandszeug/Pflaster)
  • Technikzeugs (Notebook, Kamera, Akkus, Navigationsgerät, PowerBank)
  • Kleidung - Für Warm bis Kalt, Regen bis Sauna - Das muss jeder individuell für sich entscheiden
  • Dokumente (Reisepass, Passbilder, Kopien davon auf Papier oder in der Cloud, Versicherungsschein)
  • Ein paar Wechsel-Dollars - Immer noch die Weltwährung Nummer Eins

That's it - Turn the page on the day - walk away

Für den letzten Feinschliff an Organisation galt es jetzt noch das eigene Leben zu klären. Nur in den seltensten Fällen hat man das Glück sich für eine so lange Zeit mit seinem Arbeitgeber zu einigen, dass man nach der Rückkehr wieder in seinen Beruf einsteigen kann. Die meisten kündigen oder werden gekündigt. Im Falle der daraus resultierenden Arbeitslosigkeit sollte man sich vom Arbeitsmarkt abmelden. Der Anspruch auf Arbeitslosengeld verfällt dadurch nicht! Er ruht. Wenn man dann wieder kommt, meldet man sich wieder arbeitslos und es erfolgt dann umgehend die Anspruchsleistung, sofern man welche hat. Da man sich vom Arbeitsmarkt abgemeldet hat, zahlt die Arbeitsagentur auch die Krankenversicherung nicht mehr und man muss sich gesetzlich freiwillig versichern und die Kosten selber tragen. Man sollte sich daher auf jeden Fall eine Auslandskrankenversicherung zulegen. Diese sind recht günstig. Eine Auslandskrankenversicherung gilt als vergleichbare Versicherung. Diesen Versicherungsschein legt man seiner Krankenkasse vor und wird somit von der verpflichtenden Zahlung befreit. Am besten vorher noch einen Blick in seinen Impfpass werfen lassen und sich evtl. noch benötigte Impfungen holen. Die entstehenden Kosten werden meist von den Krankenkassen getragen.

oskarunddaniel

Meine Post-Anschrift habe ich noch umleiten lassen. Man selbst kann sie ja nicht mehr entgegen nehmen. Vollmachten noch schreiben. Damit jemand für den Fall der Fälle dies, das und noch mehr Dinge übernehmen kann :) Reise-Blog anlegen, für die die es interessiert, und eine Abschiedsparty schmeißen.

SHOW TIME!

Daniels ersten Beitrag 'Mit dem Fahrrad von Dresden nach Asien' findest Du hier.