Eine mögliche Verbindung zwischen Kreativität und Reisen: Assoziationen mit Fernweh

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Acryl auf Foto. Küste am Meer.

Reisen kann ebenso etwas mit einer Entdeckungslust zu tun haben, wie nach Möglichkeiten zu suchen, bestimmte Gedanken oder Erlebnisse künstlerisch zum Ausdruck zu bringen. Auf die Frage wo Emilieeine Verbindung zwischen Kunst und Reisen sieht, antwortet sie "für mich hat beides mit einer gewissen Sehnsucht zu tun. Wann immer wir neue Orte entdecken, saugen unsere Sinne die neue Umgebung und damit verbundene Eindrücke sehr bewusst auf." Eine mögliche Erklärung also, warum uns Urlaubserlebnisse oft viel präziser in Erinnerung bleiben, als Alltagssituationen. An anderen Orten zu sein macht es Emilie auch leichter, neue Ideen für ihre Kunst zu sammeln. "Fernweh ist ein wesentlicher Aspekt, den ich in unterschiedlichen Formen immer wieder thematisiere".

Erstmal muss man weg, um sich selber zu finden

Emilie hat italienische und schwedische Wurzeln. Ihre Großeltern sind künstlerisch begabt. Dort sieht Emilie auch die Verbindung. Schon allein ihrer internationalen Herkunft wegen fühlte sie sich schon immer ein wenig hin- und her gerissen zwischen zwei Kulturen. Das hat es ihr nicht gerade erleichtert in London heimisch zu werden, weil sie dadurch schon von Natur aus, mindestens die andere Heimat vermisst.

Fotografie einer älteren Dame am Strand
Fotografie einer älteren Dame am Strand

Da drängt sich doch die Frage auf, zu welchem Land sie sich mehr hingezogen fühlt, Italien oder Schweden? "Ehrlich gesagt fühle ich mich immer zwischen zwei Stühlen. Manchmal der einen Heimat zugehörig, manchmal der anderen und oft keiner von beiden. Dann fühlt man sich irgendwie identitätslos und verloren. Wenn ich für meine Kunst arbeite, fühle ich eine Identität". Auf die Frage inwiefern Reisen ihre Arbeit beeinflusst, erwidert sie "Reisen ist für mich ein Privileg, für das eigene Wohlbefinden, für Begegnungen und um dem Gefühl des Rastlosen in mir auf den Grund zu gehen".

Ganges, der heilige Fluss der Hindus
Ganges, der heilige Fluss der Hindus

Ruhepol am Rande von Haridwar in Indien

Anfang Januar diesen Jahres reiste Emilie nach Indien. Sie plante nicht viel, außer dass sie dort ein paar Wochen verbringen will, um das Land zu sehen. Sie ergänzt "ich mache im Moment eine eigenwillige, eher unkonventionelle Reise. Meine Reise war nicht so geplant aber sie hat sich genauso entwickelt wie einige meiner Freunde es vorausgesagt haben "Indien kannst du nicht planen". Sie reiste von Delhi in den Norden Indiens, zum Fuße des Himalaya-Gebirges. "Schließlich" fügt sie hinzu "ist es das erste Mal, dass ich hier bin. Ich lebe eine totale Entschleunigung. Da ich einfach nur an einem Ort bleibe".

Zwei Monate in einem Ashram: Einfach mal an einem Ort bleiben

Emilie lebt in einem Ashram, einer klosterähnlichen Einrichtung,am Rande der circa 220.00 Einwohner Stadt Haridwar. Auf die Frage, wie sie ihre Tage dort verbringt, antwortet sie ruhig " ich meditiere viel, mache Yoga und erkunde die Umgebung. Ich laufe viel umher, habe im Ganges gebadet." Sie erklärt "An einem Ort zu bleiben, ermöglicht mir in einer ganz anderen, viel intensiveren Form Neues zu entdecken und Menschen kennen zu lernen". Am liebsten würde sie dort noch länger als zwei Monate bleiben und vorerst gar nicht nach London zurückkehren. Da drängt sich die Frage auf, woher sie dieses Gefühl hat. Sie antwortet "ich weiß es nicht. Ich kann aber definitiv sagen, dass mein Fernweh für Indien schon angefangen hat, bevor ich überhaupt abgereist bin".

Der Ashram Sri Santosh Puri, an dem Yoga und Indische Philosophie angeboten werden
Der Ashram Sri Santosh Puri, an dem Yoga und Indische Philosophie angeboten werden