Der Name "Schweiz" wird nicht nur für das bekannte Land in Europa verwendet. Es gab eine Zeit, da wurde er fast inflationär verbreitet. Gerade in der Romantik zogen Entdecker und Abenteurer, aber auch Dichter und Poeten durch die Lande und verliehen jeder Landschaft, deren Menschen und deren Wohlstand sie halbwegs an das Land in den Alpen erinnerte, den Namen "Schweiz". Von der Fränkischen oder Sächsischen Schweiz hat sicher jeder von uns schon einmal gehört. Aber es gibt noch mehr. Hier stelle ich Euch fünf Schweizen vor, die ich bisher nicht als solche kannte.

Die Mecklenburgische Schweiz

Dass es eine Mecklenburgische Schweiz gibt, hatte ich nicht erwartet. Schlicht und einfach deswegen, weil die Landschaften in Mecklenburg keine Berge aufweisen, wie ich sie mit dem Namen "Schweiz" in Verbindung bringe. Trotzdem spricht man bei der Landschaft im Zentrum Mecklenburg Vorpommerns nördlich der Mecklenburgischen Seenplatte und unmittelbar nordwestlich des Malchiner und Kummerower Sees von der Mecklenburgischen Schweiz. Es gibt sogar einen Nationalpark Mecklenburgische Schweiz. Die Landschaft besteht aus sanften Hügeln, zahlreichen Seen, ursprünglich erhaltenen Dörfern und Schlössern und Herrenhäusern, die in diesen Landstrichen liegen.Schloss in Mecklenburg-Vorpommern

Die Luxemburgische Schweiz

Mit ihren engen Schluchten, dem rauschenden Fluss Sauer, der durch dunkle und kühle Wälder fließt, und den steilen Sandsteinfelsen, die bei Kletterern und Wanderern gleichermaßen beliebt sind, erinnert die Luxemburgische Schweiz schon ein wenig mehr an ihr Namensvorbild, obwohl auch hier hohe Berge fehlen. Sie liegt im Nordosten des Großherzogtums Luxemburg in der Region der Orte Echternach, Berdorf, Grundhof, Consdorf, Befort und dem Müllerthal unweit der deutsch-luxemburgischen Grenze.

Schweizer Wandererfahrung einen Steinwurf von Madrid entferntBrücke im Müllerthal

Die Schweiz Japans

Es überraschte mich, dass man in Japan verschiedene Regionen als "Schweiz" bezeichnet. Eine davon liegt in der Region um den Biwa See. Er ist Japans größter See und befindet sich in der Präfektur Shiga. Während im Süden des Sees mehrere Orte liegen und im Osten eine Ebene an den See grenzt, reichen im Norden die Bergwände teils bis ins Wasser. Auch im Westteil des Sees fallen die Ufer vor allem in der Mitte steiler ab. Schon im 15. Jahrhundert bannten japanische Maler die landschaftlichen Schönheiten dieser Region auf Leinwand.

japanische Schweiz

Die Mongolische Schweiz

Sogar die Mongolei rühmt sich einer Schweiz. Der Gorchi-Tereldsch Nationalpark wird häufig als Mongolische Schweiz bezeichnet. Kein Wunder bei der rauen Bergwelt mit ihren spitz aufragenden Berggipfeln, an deren Berghänge sich die Jurtendörfer der Mongolen schmiegen. Den Nationalpark gibt es erst seit 1993. Sein größter Ort ist das Dorf Terenj, das man über eine Teerstraße von der Hauptstadt Ulan Bator aus erreicht. Während diese Region des Nationalparks touristisch gut erschlossen ist und zahlreiche Unterkünfte bietet, ist der Norden des Parks kaum besiedelt und schwer zugänglich.Gorkhi-Terelj National Park at Ulaanbaatar

Die Sibirische Schweiz

Dass Sibirien Landschaften mit hohen Bergen aufweist, wusste ich. Aber dass man auch dort eine Schweiz kennt, war mir neu. Die Region um den Telezker See im Altaigebirge trägt diesen Namen. Mit geschätzten 325 Metern Tiefe gehört er zu den tiefsten Seen Russlands, vielleicht sogar der Welt. Es gibt zahlreiche Wasserfälle an seinen Ufern. Bergketten mit Höhen um die 2500 Meter umgeben den See. Die wichtigsten Orte sind die Dörfer Artybasch und Iogatsch, die über eine befestigte Straße und per Bus von Gorno-Altaisk, der Hauptstadt der Region Altai, erreichbar sind.Telezker See