Über die Autorin

Lea Hajner ist Reisejournalistin und Bloggerin. Auf ihrem Blog escape-town.com schreibt sie über Outdoor, Abenteuer und Lifestyle. Manchmal von weit weg und dann wieder von ganz nah. Auf ihren Reisen liebt sie die Ecken abseits der Touristenströme und wenn es ihr gelingt sich als Einheimische zu tarnen. Besonders wohl fühlt sie sich in den Bergen, beim Wandern oder Skifahren, deswegen wohnt sie seit einigen Jahren in Innsbruck, Tirol.

Chamonix-Mont-Blanc ist das Tor zu den französischen Alpen. Wer durch die Gassen des Orts schlendert, trifft auf eine bunte Mischung von Menschen: Einheimische, Bergsteiger, Backpacker und Urlauber auf Sommerfrische. An der Ecke vorm Bahnhof sitzen junge Leute auf Bänken vor einer Bar. "Elevation 1904" heißt der Laden und die Burger scheinen beliebt zu sein, also geselle ich mich dazu und bestelle auch einen. Neben mir sitzt eine amerikanische Familie mit drei Kindern und einer Nanny. Auf der anderen Seite unterhalten sich zwei junge Männer in Kletterhosen und blicken dabei immer in Richtung Mont Blanc. Offenbar wollen sie den höchsten Berg Europas (4810m) in den nächsten Tagen besteigen. Und ich? Ich genieße es einfach nur hier zu sein und freue mich auf die nächsten Tage.

In Chamonix gibt es viel zu erleben. Während im Winter der Skitourismus das Tal dominiert, kann man im Sommer die Berge ringsum erkunden - und muss dafür kein Bergsteiger sein. Zwei gesunde Beine und ein Paar Wanderschuhe und los geht's.

Meine Highlights:

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Aiguille du Midi

Die wohl berühmteste Attraktion in Chamonix ist eine Fahrt mit der Seilbahn auf die markante Felsspitze "Aiguille du Midi". Für die knapp 2800 Meter Höhenunterschied braucht die Gondel aus dem Tal bis zum Gipfel knapp 20 Minuten. Besonders spektakulär: zwischen Mittelstation und Bergstation gibt es keine einzige Stütze. Oben angekommen befindet man sich bereits auf 3777m Höhe. Von hier starten viele Alpinisten ins nächste Bergabenteuer. Als normaler Besucher kann man die Aussicht genießen, grandiose Bergfotos machen oder auch einen mutigen "Schritt ins Leere" (überhängender Glaskasten) wagen. Eine Verlängerung des Ausflugs bietet eine Fahrt mit der Kleinkabinenbahn Vallée Blanche zum 5km entferntem Pointe Helbronner.

Wer auf der anderen Seite wieder ins Tal fährt landet in Courmayeur in Italien und hat eine Alpenüberquerung per Seilbahn hinter sich. Wer hätte gedacht, dass das so einfach gehen kann?

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Foto Credit: Patrick Rasenberg via Flickr

Auf eine Apfeltarte im Refuge du Plan

Wer sich schon die Seilbahnfahrt auf den Aiguille du Midi gönnt, sollte am Weg bei der Mittelstation eine Pause einlegen. Rund 15 Minuten am Wanderweg entfernt von der Bahn befindet sich die "Refuge du Plan d'Aiguille" Hütte an bester Lage. Mit Blick auf Chamonix im Tal und den Mont Blanc vor der Nase, zaubert der Hüttenwirt Claude hier selbstgebackene Tartes, zB mit Himbeeren, Äpfeln oder Erdbeeren. Alle die nicht mit der Seilbahn "anreisen" können in rund 2-3 Stunden die Hütte auch zu Fuß vom Tal aus erreichen (mehrere Aufstiegsoptionen, circa 1000 Höhenmeter, Wanderausrüstung mit festen Schuhen notwendig).

Ein ganz besonderer Tipp ist eine Übernachtung im gemütlichen Matratzenlager oder einem der urigen Unterkünfte nahe Aiguille du Midi . So kann man auch als Nicht-Alpinist den Sonnenaufgang und Sonnenuntergang in luftigen Höhen erleben! Und bekommt abends vorm Schlafengehen von einigen Bergsteigern vielleicht noch eine spannende Gute-Nacht-Geschichte erzählt.

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Chamonix

Der Ort Chamonix selbst hat natürlich auch einiges zu bieten. In der Fußgängerzone reihen sich die Shops von namhaften Outdoor Marken aneinander, wie zB Patagonia, Marmot, RipCurl, usw. - ideal um sich für das nächste Abenteuer zu rüsten. Dazwischen findet man kleine französische Cafes, Bäckereibetriebe und Restaurants.

Das "Musée Alpin" bietet einen guten Einblick in die Alpingeschichte der Region rund um Chamonix. Die Ausstellungsstücke erzählen von der Erstbesteigung des Mont Blanc 1786, vom Alltagsleben im 19. Jh. und auch von den Anfängen des Skitourismus. Auch die Geschichte der ersten Olympischen Winterspiele, die 1924 in Chamonix stattfanden, wird im Museum aufgearbeitet. Am eindrucksvollsten für mich ist immer wieder der Moment an dem ich hinter einer Hausecke nach oben blicke und den Mont Blanc erspähe. Was für ein gewaltiger Anblick!

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Mer de Glace - das ewige Eis

Vom kleinen Montenvers Bahnhof in Chamonix geht es mit der alten Zahnradbahn nach oben. Montenvers ist ein Felssporn auf dem seit 1880 auch ein Hotel befindet. Das "Terminal Neige" wurde 2016 komplett saniert und umgebaut. Jetzt spielt es im Foyer Jazzmusik, an kühlen Tagen flackert das Feuer im Kamin und am Tisch liegen Bücher zum Stöbern. Dazu bestellt man sich am besten einen Kaffee und ein Stück vom saftigen Schokoladenkuchen. Die umgebauten Zimmer im Haus wurden nach den berühmten Gästen benannt, die einst hier wohnten. So zB auch Mary Shelly, die Autorin des "Frankenstein" Romans.

Das eigentliche Highlight von Montenvers ist allerdings das Mer de Glace - der längste Gletscher Frankreichs. Der leider drastisch zurück geht. In den 1960 Jahren wurde eine kleine Seilbahn zum Gletscher gebaut, nachdem das Eis aber immer weiter abschmilzt geht man mittlerweile ein gutes Stück weiter nach unten auf Treppen, die jedes Jahr verlängert werden müssen. Unten angekommen gibt es eine kleine Eishöhle und die Möglichkeit den Gletscher hautnah zu erleben.

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Wanderung zum Lac Blanc

Der Bergsee inmitten des Naturschutzgebietes ist von den Gipfeln des Aiguilles-Rouges-Massivs umgeben. Hier stehen die Chancen besonders gut Steinböcke oder Gämsen (auf Französisch "chamois") zu sichten. Vom Pass "Col des Montets" sind es rund vier Stunden bergauf zum See. Um 1,5 Stunden abkürzen kann man die Wanderung mit der Seilbahn von Chamonix nach "La Flégère". Mit dem Sessellift von "L'Index" verkürzt sich die Wanderung auf eine gute Stunde Gehzeit. Direkt am See gibt es eine bewirtschaftete Hütte, oder aber man nimmt sich ein Picknick selbst mit. Dieses könnte man zum Beispiel an den unweit entfernten Lacs de Chéserys genießen - mit grandiosem Ausblick auf die andere Talseite.

Ganz gleich wo es einen in Chamonix im Sommer hin verschlägt, die Sehnsucht nach frischer Bergluft lässt sich hier garantiert stillen.