Entdeckt den Zauber des Goldenen Zeitalters mit unserer Tour durch die Kunst und Architektur der Altstadt von Venedig.

Es gibt wohl kaum ein bezeichnenderes Bild als das Fresko "Mondo novo" (1791) von Giandomenico Tiepolo, dem Sohn des berühmten Giambattista, um in die Stimmung der Lagunenstadt zum Ausgang des 18. Jahrhunderts einzutauchen. Das Gemälde ist heute im Museo del Settecento Veneziano ausgestellt, das in dem prächtigen Palazzo [Ca' Rezzonico](https://www.expedia.de/Ca-Rezzonico-Venice.d503189.POI) direkt am Canal Grande (Dorsoduro 3136, Tel. +39 041 2410100) untergebracht ist. Es zeigt eine überschaubare Gruppe neugieriger Bürger und Aristokraten, die auf die wunderbaren Projektionen einer "Laterna magica" warten, jener fantastischen, kurzlebigen Attraktion der modernen Zivilisation. Das Gemälde drückt die Vorahnung um das unmittelbar bevorstehende Ende einer Welt und die Neugierde über eine ungewisse Zukunft aus. Eine bittere Metapher für die damalige Zeit unter den missbilligenden Blicken der zwei Maler, Vater und Sohn, die rechts im Bild im Profil dargestellt sind.

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Bildmaterial © Fondazione Musei Civici di Venezia

Das goldene Zeitalter der Republik Venedig, der "Serenissima", ging tatsächlich dem Untergang entgegen. Der politische Verfall war bereits sichtbar: Die einstige Seemacht war nur noch eine Erinnerung und Venedigs Rolle auf dem europäischen Schachbrett wurde immer unbedeutender. Für den Gnadenstoß sorgte 1797 Napoleon mit der Übergabe Venedigs an Österreich. Doch selbst dieser konnte der Faszination der Stadt nicht widerstehen, und so nannte Bonaparte den Markusplatz verzückt "das schönste Wohnzimmer Europas".

Während des gesamten 18. Jahrhunderts herrschte in der Stadt eine Phase des extremen Prunks und der Weltlichkeit. Als Hauptstadt des Vergnügens und der Kultur mit einer Gedankenfreiheit, die durch die lokalen Behörden gegen die Einmischung der Kirche geschützt war, zog Venedig große Besucherzahlen an. Die Stadt war ein beliebtes Ziel der "Grand Tour" europäischer Schriftsteller und Literaten wie Johann Wolfgang von Goethe und Théophile Gautier. Karneval, Feste, prachtvolle Kleidung, Cicisbeos und Persönlichkeiten wie Canaletto, Guardi und Tiepolo aus der Malerei, Canova aus der Bildhauerei, Vivaldi aus der Musik und Goldoni aus dem Theater haben zur Bildung des venezianischen Mythos beigetragen, der auch heute noch seinen Reiz auf die Besucher aus aller Welt ausübt.

Private und öffentliche Aufträge sorgten dafür, dass Wohnhäuser, Kirchen und andere Gebäude mit Kunstwerken ausgeschmückt wurden. Aus Angst, dass dieses Vermögen ins Ausland geraten könnte, legten die Behörden sogar ein Inventar an. Einen wunderbaren Eindruck der Selbstwahrnehmung der Stadt zu jener Zeit erhalten wir in "Neptun bietet der Stadt Venedig Opfergaben" (1745-50), einem Werk von Giovanni Battista Tiepolo für den [Dogenpalast](https://www.expedia.de/things-to-do/bevorzugter-einlass-dogenpalast-mit-fuhrung.a167920.aktivitatsabersicht) (Piazza San Marco 1, Tel. +39 041 2715911), das im Saal "Sala delle Quattro Porte" ausgestellt ist. Aus dem Füllhorn des Gottes fallen Perlen, Korallen und Goldmünzen zu Füßen der Adeligen, welche die Serenissima verkörpern.

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Bildmaterial © Fondazione Musei Civici di Venezia

Kurz darauf traf ein junger Steinmetz vom Festland in Venedig ein, um hier in die Lehre zu gehen. Canova lernte das Zeichnen an der Accademia und arbeitete in der Werkstatt von Torretti. 1779 erhielt er einen Auftrag des Prokurators Pietro Vettor Pisani für eine Skulpturengruppe und erschuf das herausragende Werk Dädalus und Ikarus, das der Stadt Venedig 1875 von einem Erben der Familie gespendet wurde und heute im Museo Correr (Piazza San Marco 52, Tel. +39 041 2405211) bewundert werden kann. Es heißt, dass sich der Künstler mit dem Verkauf dieses Werks seine Reise nach Rom finanzierte.

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Bildmaterial © Fondazione Musei Civici di Venezia

Das weltliche Leben des 18. Jahrhunderts spielte sich ab in avantgardistischen Lokalitäten wie dem historischen Caffè Florian (Piazza San Marco 57), das 1720 eröffnet wurde und auch heute noch für die Öffentlichkeit zugänglich ist, den damals 18 Theaterhäusern der Stadt mit seinen Darbietungen und in den Piani nobili der Wohnhäuser, wo Konzerte und Feste stattfanden. So etwa im Palazzo Malipiero (Campo San Samuele, San Marco), dem reizenden Gebäude am Canal Grande, wo der Senator Alvise regelmäßig illustre Gäste wie Giacomo Casanova und Carlo Goldoni empfing.

"Ich bin im Jahre 1707 zu Venedig geboren, in einem großen und schönen Haus, das zwischen den Brücken Ponte dei Nomboli und Ponte della Donna onesta an der Ecke der Straße Ca' Centanni gelegen war und zur Pfarrei San Tomà gehörte", so sinngemäß Carlo Goldoni in seinen Memoiren. Die Wohnung des Vaters des modernen Theaters kann heute besichtigt werden. Sie beherbergt eine umfassende Bibliothek mit Theaterbeständen (Casa di Carlo Goldoni, San Polo 2794).

Der produktive Schriftsteller (er schrieb in einer einzigen Spielzeit rekordverdächtige 16 Komödien und im Laufe seines Lebens ganze 137) war auch Leiter des Theaters San Giovanni Grisostomo (heute Teatro Malibran, Calle Maggioni 5873, Cannaregio), das an der Stelle des Hauses von Marco Polo errichtet und während des Karnevals 1678 eingeweiht wurde. Das im Laufe des 19. Jahrhunderts restaurierte Theater ist ein herausragendes Beispiel für die Architektur der Epoche. Die Türen des Theaters werden der Öffentlichkeit jedoch nur für Vorstellungen geöffnet.

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Bildmaterial © Fondazione Musei Civici di Venezia

Titelbild: Caffè Florian vom Markusplatz aus gesehen - von S.A.C.R.A. srl - S.A.C.R.A. srl, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=41897263