German-ness > So tanzt du dich in Trance auf einem Goa-Rave in Hamburg
11.11.2014

So tanzt du dich in Trance auf einem Goa-Rave in Hamburg

Von Kaninchen und Schabernack - Party der etwas anderen Art

"Als Kaninchen bezeichnet man mehrere Gattungen und Arten aus der Familie der Hasen, sie gehören zu den Säugetieren." Das sagt das Lexikon. Aber was haben Kaninchen mit meinem Ausflug in die Hamburger Partyszene zu tun? Sehr viel sogar! Wenn man die Gelegenheit bekommt, einen Nachmittag mit dem Hamburger Künstlerkollektiv HGich.T zu verbringen, kommt einem eh nur noch sehr wenig Spanisch vor. Auf einer illegalen Party mitten in einer Waldlichtung auf Löwenzahn herum zu kauen und sich währenddessen den Oberarm mit fluoreszierender Farbe bemalen zu lassen: das normalste der Welt!

Meine Recherche über HGich.T hinterließ ein großes Fragezeichen auf meiner Stirn. Im Netz gibt es ausschließlich verstörende Videos von dem Kollektiv, allen voran ihr YouTube Hit „Tutenchamun“, der schon über 2,5 Millionen Klicks eingefahren hat. Es muss also eine gewisse Faszination von HGich.T ausgehen, welcher ich auf den Grund gehen möchte.

„Kaninchen sind von Natur aus Rudeltiere und aufeinander angewiesen.“

Der Gemeinschaftssinn ist das Erste, was mir bei meinem Zusammentreffen mit HGich.T auffällt. Das Kollektiv hat mich dazu eingeladen, mit ihnen im Schatten des HSV Stadions auf eine Goa Open Air Party zu gehen und das an einem Sonntag Nachmittag! Vom ersten Moment an werde ich ganz selbstverständlich in die Gruppe integriert. Es vergehen keine 5 Minuten, da teile ich mir das erste Mischgetränk aus einer Dose und eine Picknickdecke hat auch jemand für mich eingepackt. Sehr putzig, die HGich.T-ler. So putzig wie Kaninchen eben!

Bei Albert Just zuhause

Bei Albert Just zuhause

Hasen verlassen vorzugsweise in der Dämmerung ihren Bau, bei mir ist es in diesem Fall andersherum: Am Abend begebe ich mich nach St. Georg, in die gemütliche -wenn auch sehr verrückte- Wohnung von Albert Just. Es ist nicht einfach, Alberts Berufung in einem Wort oder einem Satz auszudrücken. Albert besteht darauf, dass man ihn nicht als Zauberer bezeichnet. Obwohl es genau das ist, was er tut: er bezaubert seine Mitmenschen und so auch mich in den Stunden, die wir gemeinsam durch das Hamburger Nachtleben ziehen. Immer wieder wird er vom „Schabernack heimgesucht“ wie er es nennt, dann wird kurz ein Lottoschein zum Schweben gebracht und wir ziehen weiter. Zwischendurch müssen wir kurz Halt machen, wenn Albert einen Aufkleber von einer Straßenlaterne abknibbeln will. Diese sammelt er nämlich leidenschaftlich.

Während Albert Just mir das Gängeviertel, den Zauberwald, das Künstlerhaus Frappant und seinen Lieblings Open Air Club Moloch zeigt, lässt er ab und an in sein Leben vor dem Fahrradunfall blicken. Albert fiel damals ins Koma, als er aufwachte war ihm klar: er musste etwas verändern. Er hatte sein Leben nur der Arbeit gewidmet und seine Familie deswegen verloren. Er ließ sich fortan vom Schabernack treiben und ist heute die wohl schönste Bereicherung für die Hamburger Party- und Kunstszene!

Man mag es kaum glauben, aber Albert ist mit seinen Mitte 60 so ausdauernd, dass ich kaum mithalten kann. „Der Schabernack hält jung“ denke ich, als ich mich im Morgengrauen auf den Weg zurück ins Hotel mache.

Meinen Partysonntag in Hamburg in Bewegtbild seht ihr hier.

CLAIRE OELKERS Verfasst vonCLAIRE OELKERS

Weitere interessante Artikel

Kommentare

Noch keine Kommentare vorhanden

Schreibe Deine Meinung