Street-Art ist aus dem Londoner Stadtbild ebenso wenig wegzudenken wie die roten Doppeldeckerbusse. Wohl kaum eine andere europäische Metropole hat derart bekannte Künstler hervorgebracht bzw. aus aller Welt angelockt. Was es so über die florierende Szene Londons zu wissen gibt, fassen wir in diesen Reisetipps für London zusammen.

Klar sind das erste, was einem zu Street-Art in London einfällt, Banksy und seine charakteristischen Schablonengraffiti. Doch die britische Hauptstadt hat in den Häuserwänden ihrer quirligen Straßen noch sehr viel mehr Kunstwerke zu bieten. Insbesondere im Londoner East End und vor allem im Stadtteil Shoreditch gibt es kaum eine Hausfassade oder Mauer, die nicht in irgendeiner Form durch Street-Art aufgewertet wird.

Die Hochburg der Street-Art in London: Shoreditch

Das im nordöstlichen London gelegene Shoreditch war historisch gesehen eines der ärmeren Arbeiterviertel der Stadt, das sich im späten 20. Jahrhundert jedoch zu einem angesagten Szenequartier entwickelt hat. Hier kann man locker auf eigene Faust zu einer Street-Art-Tour aufbrechen, denn man stößt unweigerlich alle paar Schritte auf ein Kunstwerk. Allerdings wäre es schade, wenn man sich dabei nur auf die nicht zu übersehenden Graffiti beschränkt - auch in den Seitenstraßen, Sackgassen und Hinterhöfen gibt es echte Juwelen zu entdecken. Und man sollte den Blick unbedingt auch mal nach oben und unten schweifen lassen, denn dann entdeckt man vielleicht auch die bunten Fliesenmosaike des französischen Künstlers Space Invader, die häufig eher unauffällig über Kopfhöhe und damit außer Reichweite prangen. Oder die gerade mal 10 bis 20 Zentimeter großen Papierfiguren von Pablo Delgado, die meist ganz unten an Häuserwänden angebracht sind. Oder Ben Wilsons Kaugummigemälde (ja, dieser Künstler malt ernsthaft auf dem Boden plattgetretene Kaugummis an - und das ziemlich kunstfertig). Um auch keines dieser versteckten Highlights der Londoner Street Art zu verpassen, kann man sich einer geführten Street-Art-Tour anschließen, bei der man außerdem interessante Anekdoten und Hintergründe zu Künstlern und Werken erfährt.

Die kunterbunte Vielfalt der Street-Art in London

Street-Art kommt in der britischen Hauptstadt in ziemlich unterschiedlichen Formen daher. Von schwarz-weiß, wie die riesigen Tierbilder des Belgiers ROA, bis hin zu knallig bunt, wie das berühmte Credit Crunch Monster von Ronzo. Von den einfachen Strichmännchen von Stik bis hin zu den fotorealistischen Figuren von El Mac. Von den klassischen Sprühbildern, die den legendären Lake Street Tunnel bei Waterloo überziehen, über die Stencils von Banksy und Paste-ups von Swoon bis hin zu den plastischen Skulpturen von Citizen Kane. Einen hohen Wiedererkennungswert haben auch die Werke des Portugiesen Vhils, die er aus Wänden herausmeißelt. Ein solcher Wiedererkennungswert ist für die Street Artists besonders wichtig, denn häufig fußt der Erfolg eines Künstlers genau darauf - einem charakteristischen, innovativen und unverwechselbaren Stil, der das Werk sofort zuordnen lässt. Und Erfolg ist in der Street Art-Szene längst nicht mehr nur als Street Credibility, sondern auch in kommerzieller Hinsicht zu bewerten. Namhafte Street-Art-Künstler können Ausstellungen veranstalten, Workshops abhalten und tatsächlich Drucke oder andere Werke verkaufen. Die Top-Adresse in London für solche Street Art-Ausstellungen ist übrigens die Howard Griffin Gallery in der Shoreditch High Street, die eine Plattform für Street Artists bildet. Solche Retrospektiven sind mitunter auch deshalb eine feine Sache, weil die Street-Art in den Straßen vergänglich ist: Die Werke werden entfernt, von anderen Künstlern verändert oder gar übermalt. Doch genau das macht auch einen Reiz der Street Art in London aus - die Szene hier ist lebendig und dynamisch wie keine zweite, und der beständige Wandel inspiriert immer wieder aufs Neue.