EXPEDIA sprach mit dem Meteorologen Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst.

Der Winter steht vor der Tür und jedes Jahr wird gemutmaßt - wird es ein zu kalter, ein zu warmer oder ein ganz normaler Winter. Aber was ist denn bitte ein ganz ,normaler' Winter?

Andreas Friedrich: Es gibt immer so genannte langjährige Mittelwerte, die werden einfach festgelegt aus langen Zeitreihen, man betrachtet da mindestens 30 Jahre. Ein typischer Ort in den Niederungen in Deutschland hat demnach im Winter, dass heißt Dezember, Januar und Februar Mitteltemperaturen, die nur knapp über null Grad liegen, nämlich bei plus ein bis zwei Grad. Am Tag können dabei in Großstädten wie Frankfurt oder Hamburg Tageshöchsttemperaturen von fünf bis sechs Grad über Null erreicht werden, in den Nächten liegt die Temperatur meist bei knapp unter null Grad. Also das wäre so ein normaler Wintertag in den Niederungen von Deutschland.

Fünf bis sechs Grad im Winter sind ja noch ok. Aber wann wird es so kalt, dass man lieber im Haus bleiben sollte?

Andreas Friedrich: Der Umkehrpunkt der Temperaturkurve ist meist so Mitte Januar. Das heißt, statistisch gesehen haben wir die kältesten Temperaturen in der zweiten Januarhälfte in Deutschland zu erwarten. Das Wetter hängt da der Sonne immer etwas hinterher: Am 21. Dezember haben wir den kürzesten Tag und auch die Sonne steht am niedrigsten über dem Horizont hier auf der Nordhemisphäre. Die Abkühlung von Wassergebieten wie Ozeanen hängt dem Sonnenstand etwas hinterher und das bedeutet, dass wir die kältesten Temperaturen eben nicht im Dezember, sondern Ende Januar haben.

Also Mitte/ Ende Januar ab in den Urlaub, raus aus der Kälte. Bleibt nur die Frage: wohin?

Andreas Friedrich: Also wer jetzt Sonne will, dem kann man einmal Australien empfehlen, dort hat man rund um die inneren Wüstengebiete Temperaturen von 40 bis 45 Grad. Man hat aber natürlich auch im Süden von Afrika und Südamerika Gebiete in denen jetzt Hochsommer ist mit 30 bis 35 Grad. Wenn man jetzt nicht ganz so weit reisen will, also nicht auf die Südhalbkugel, dann bietet sich noch die Karibik an, dort hat man im Winter angenehme Temperaturen mit bis zu 30 Grad. Für die Deutschen ein nahes Reiseziel um Weihnachten unter Palmen zu verbringen sind die Kanarischen Inseln. Die liegen in den subtropischen Regionen wo es auch im Winter noch so um die 20 bis 24 Grad hat.

Gibt's für alle Hiergebliebenen auch Hoffnung auf ein bisschen mildere Tage im Winter?

Andreas Friedrich: Am wärmsten im Mittel ist es im Februar, weil da die Sonne doch schon etwas kräftiger scheinen kann, etwas höher am Horizont ist. Aber ich sage mal, wir haben im Winter immer mal Monate, in denen die Wetterlagen extrem sind, so, dass bis um die 20 Grad erreicht werden können. Das passiert ganz vereinzelt sogar im Dezember und auch im Februar, wenn nämlich alles zusammenkommt: eine milde südliche Luftströmung und Föhn in den Alpen.

Und wenn ich schon in Deutschland bleibe: wo ist es im Winter am schönsten und welche Landstriche besucht man lieber zu einer anderen Jahreszeit?

Andreas Friedrich: Am trockensten ist es meistens im Nordosten Deutschlands, also so von Mecklenburg-Vorpommern bis Sachsen, Sachsen-Anhalt. Die sonnenscheinreichsten Orte in Deutschland sind die Gipfel der Berge - die Hochlagen des Südschwarzwaldes oder der Alpen. Am wenigsten Sonne bekommen typische Flussniederungen ab, denn dort wo oft Nebel ist, kommt die Sonne kaum durch.

Der Gipfel der Zugspitze. © Benedikt Lechner
Der Gipfel der Zugspitze - der schneesicherste Ort Deutschlands. © Benedikt Lechner

Sonnenhungrige also ab in die Berge, Schneehungrige nehme ich an auch?

Andreas Friedrich: Ja, die zum Beispiel auf die Zugspitze, da liegt den ganzen Winter ganz sicher Schnee. Vom Flachland her, ist es im Südosten Deutschlands von der Lausitz, Oberlausitz bis zum südöstlichen Alpenvorland in den Niederungen noch am schneereichsten, weil dort noch die milde Luft vom Atlantik nicht so schnell und so stark hinströmt wie zum Beispiel in den Westen und Norden Deutschlands.

Und wenn ich nicht nur in den Schnee sondern auch auf eine besonders schneesichere Piste will, wo sollte ich dann meinen Urlaub verbringen?

Andreas Friedrich: Innerhalb Deutschlands sicher auf der Zugspitze. Außerhalb von Deutschland würde ich dann auf jeden Fall die ganzen Alpenregionen Schweiz, Österreich, Italien empfehlen. Aber auch im östlichen und mittleren Europa gibt es schöne und schneesichere Gebiete wie die Karpaten, das Erzgebirge oder die Schneekoppe. Wer es trocken und vor allem kalt mag, dem sei Skandinavien empfohlen. Dort ist es natürlich auch im Winter, je weiter man nach Nordskandinavien geht, schneesicher und dort gibt es ja auch einige alpine Skigebiete.

Gletscherbahn © Oliver Farys
Gletscherbahn © Oliver Farys

Als Kind wollte ich immer im Skiurlaub einschneien - wo habe ich die besten Möglichkeiten, wenn ich möchte, dass mein Urlaub nie endet?

Andreas Friedrich: Da gibt es ein paar Schneelöcher, vor allem, wenn man in unsere Nachbarländer guckt. Das passiert am Arlberg in Tirol. Dort hat man den Effekt, dass sich Schneewolken sehr oft stauen und innerhalb von zwei Tagen ein, zwei Meter oder mehr Neuschnee fallen können und dann sind immer wieder Orte wie Lech am Arlberg und Zürs am Arlberg von der Außenwelt abgeschnitten

Und zum Abschluss hoffen wir noch auf Ihre hellseherischen Fähigkeiten: Wie wird denn unser Winter hier in Deutschland?

Andreas Friedrich: Diese Frage kriegen wir Meteorologen natürlich oft gestellt und müssen da leider sagen: Es gibt keinerlei Möglichkeiten, jetzt genau vorher zu sagen, wie der Winter in Mitteleuropa wird. Das chaotische System Wetter lässt sich da einfach nicht genau in die Karten schauen.