Blog.Expedia: Fangen wir ganz vorne an Elli. Was kann man sich unter Slacklining vorstellen?

Elli Schulte: Eine Slackline ist eine Art Spanngurt, der fünf Zentimeter breit ist und zwischen zwei Bäumen oder Masten gespannt wird, um darauf zu balancieren. Es gibt dabei auf professioneller Ebene verschiedene Disziplinen des Slacklinings: das Longlinen, Highlinen und Tricklinen. Beim Longlinen wird eine besonders lange Line gespannt, hier liegt der Weltrekord in bei 310 Metern. Beim Highlinen wird diese Line zwischen Gebirgen, also in hoher Höhe gespannt. Und letztendlich gibt es noch das Tricklinen, was ich mache. Hier benutzt man die Slackline wie ein Trampolin, das heißt man zeigt ähnliche Sprünge wie auf dem Trampolin, man setzt sich auf den Hintern, kann auf dem Bauch landen, der Trick nennt sich Chestbounce und kombiniert das Ganze mit Drehungen um die eigenen Achsen. Sogar Saltos sind möglich - der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Elli Schulte
Blog.Expedia: Saltos und Sprünge, dass klingt abenteuerlich. Damit fängt man aber doch nicht an oder?

Elli Schulte: Nein, ich habe 2008 mit einfachem Balancieren angefangen und mich dann weiterentwickelt. Bei Anfängern kommt es immer auf die Ansprüche an - balancieren kann erst mal jeder. Alle beginnen mit den gleichen Basics, egal ob man sportlich oder unsportlich ist. Für jeden ist es erst mal ein neues Gefühl, auf so etwas Wackeligem zu stehen, aber keine Angst, der Körper gewöhnt sich schnell daran. Das Gute ist, man stellt schnell Fortschritte fest und je nachdem wie groß der Ehrgeiz ist, kann man in relativ kurzer Zeit auch mehr auf der Slackline machen.

Blog.Expedia: Du slackst jetzt mittlerweile fünf Jahre und machst das Ganze professionell. Wo trifft man sich unter den Profis?

Elli Schulte: Es gibt im Jahr verschiedene Contests, an denen man zusammenkommt. Da gibt es die Worldcup-Tour, mit vier bis fünf Contests im Jahr, internationale Slackline Open wie die in Wien oder nationale Meisterschaften. Dazu kommen dann noch verschiedene Showacts oder Sport-Fachmessen auf denen man zusammentrifft. Die Vernetzung läuft dabei meistens über Gibbon Slacklines, das ist die größte Community im Netz und die haben den Sport auch aufgebaut. Gibbon Slacklines hat dabei verschiedene nationale Teams und ein internationales Pro-Team mit 14 Athleten. Gibbon Slacklines sponsort mich dabei, ein anderer großer Player ist dann noch KIKU Apples.

Blog.Expedia: Beim Highlinen geht es beim Contest darum, die Line in einer bestimmten Höhe zu überwinden, beim Longlinen darum, eine bestimmte Distanz zurückzulegen, aber beim Tricklinen?

Elli Schulte: Beim Tricklinen wird eine 15 Meter lange Line in ca. einem Meter Höhe gespannt. Der Contest läuft dann in etwa wie ein Hip-Hop-Battle ab. Es geht eins gegen eins. Der Erste fängt an und zeigt seine Tricks bis er runterfällt oder sein Programm beendet hat. Dann "antwortet" der Zweite. Man hat dabei vorher schon eine Idee im Kopf, welche Tricks man zeigt, aber man versucht auch immer den anderen zu überbieten. Alles was man im Kopf hatte, kann man aber meistens nicht zeigen - das Meiste passiert einfach spontan.
Blog.Expedia: Sieben bis acht Contests im Jahr und das über den ganzen Globus verteilt. Wo slacklined es sich da am besten?

Elli Schulte: Spontan fallen mir da Salt Lake City, Moab und Montpellier ein. In Salt Lake City war ich auf einem Contest, der total positiv für mich gelaufen ist - ich wurde Dritte trotz männlicher internationaler Konkurrenz. Gleichzeitig war diese amerikanische Stimmung total locker und man konnte sich mit den amerikanischen Slacklinern gut austauschen. Von Salt Lake City bin ich dann auch direkt weiter nach Moab in Utah gereist - ein Hotspot für Trendsportarten und der totale Kontrast zu Salt Lake City. Dort ist man mitten in der Wüste in der krassesten Natur. Im dortigen Canyon bin ich dann meine erste Highline in 100 Metern Höhe gelaufen, das war eine Wahnsinns-Erfahrung. Wahnsinn sind auch die Leute dort, die total freakig sind und einfach keine Grenzen kennen. Da ist es schon abenteuerlich einfach nur dabei zu sein. Montpellier wiederum war eine ganz andere aber auch sehr beeindruckende Umgebung. Die Natur an der französischen Mittelmeerküste bietet eine superschöne Kulisse. Außerdem fand dort ein Trendsportfestival namens FISE statt, auf dem man neben Slacklinen auch zahlreiche andere Trend- und Extremsportarten ausprobieren konnte. Da hat alles gepasst: das Event, die Natur, die Leute.

Blog.Expedia: Eine Highline in 100 Meter, ein Salto auf einem fünf Zentimeter langen Seil - irgendwann mal in brenzlige Situationen geraten?

Elli Schulte: Nein, eigentlich nicht. Beim Tricklinen überlege ich mir immer genau, welches Risiko ich bei meinen Tricks eingehen will. Ich taste mich langsam heran und sicher im Zweifel alles mit Matten ab. Und bei den Highline-Geschichten, achte ich darauf, dass alles sehr gut abgesichert ist. Ich gehe nur auf eine Highline, wenn ich weiß, wie das Ganze aufgebaut wurde und wie safe es ist. Natürlich bleibt da gerade beim Highlinen ein Restrisiko, deswegen sollte immer genug Respekt dabei sein.

Blog.Expedia: Also ein Sport für Adrenalinjunkies und Seiltänzer. Aber kurz gesagt, warum sollte man sich eine Slackline kaufen und seine Leine spannen?

Elli Schulte: Das Coole am Slacklinen ist, dass es einfach jeder machen kann. Der Aufbau ist total leicht und was die Orte angeht ist man total flexibel - im Park beim Grillen, im Urlaub zwischen Palmen, es geht einfach überall. Außerdem lernt man viele Leute kennen, die auf einen zukommen und es auch einfach mal ausprobieren wollen. Und wenn man erst mal dabei ist, dann gibt es immer Steigerungsmöglichkeiten. Es sind einem keine Grenzen gesetzt und das macht diese Sportart für mich so besonders.