Bei den Suri in Äthiopien © Richard Gress
Bei den Suri in Äthiopien © Richard Gress

1. Was ist die größte Gefahr, wenn man zu Fuß durch die Wildnis von Afrika unterwegs ist?

Richard Gress: Die größte Gefahr bergen alltägliche Beschäftigungen bei denen man nicht konzentriert ist. Man greift zum Beispiel beim Holzsammeln einen Stamm unter dem eine Schlange liegt, oder überrascht hinter einer Böschung ein gefährliches Tier. Wenn man völlig alleine in abgelegenen Wildnisgebieten ist, kann ein gebrochenes Bein bereits ein Todesurteil sein.

2. Was tut man am besten bei einem Schlangenbiss?

Richard Gress: Zunächst sollte man Ruhe bewahren, es gibt über 3400 Schlangenarten und nur etwa 250 sind ernsthaft gefährlich. Außerdem wenden Giftschlangen oft zur Verteidigung einen trockenen Biss an. Das bedeutet, sie injizieren kein Gift. Wichtig ist im Extremfall bei der ersten Hilfe genau zu wissen, um welche Schlange es sich handelte. Vipern haben eine andere Art des Giftes als zum Beispiel Kobras oder Mambas. Antiserum ist in der Wildnis nicht zu bekommen. Wenn mich in einem abgelegenen Gebiet eine Schwarze Mamba beißen würde (die giftigste Schlange Afrikas) wüsste ich, dass die Reise an diesem Ort zu Ende ist.

3. Was war bisher das ungewöhnlichste Stammesritual, dass Sie mitgemacht haben?

Richard Gress: Für mich ist das außergewöhnlichste Stammesritual mit Sicherheit das Sagine der Suri im Südwesten Äthiopiens. Jedes Jahr nach Ende der Regenzeit treffen sich die jungen Männer des Stammes zu blutigen Stockkampfduellen. Wenn man solche Zeremonien beobachtet, fühlt man sich wie auf einem Schlachtfeld der Antike. Absolut beeindruckend.

4. Wie nähert man sich einem Elefanten?

Richard Gress: Elefanten töten jedes Jahr durchschnittlich mehr als 500 Menschen, man sollte zu diesen Tieren immer Abstand halten. Sie sind extrem intelligent und friedfertig, aber ihre Stimmung kann sich in Sekunden ändern. Es kommt vor, dass Elefanten in Schutzgebieten auf Campingplätze kommen um zu fressen. Die "Dickhäuter" sind absolut entspannt und nähern sich Menschen auf wenige Meter. Wenn dagegen ein Tourist auf sie zu kommt, z. B. um ein Foto zu machen, fühlen sie sich manchmal bedroht und greifen an. Ein Elefant ist weitaus schneller als ein Mensch und die Attacken enden oft tragisch.

Die örtliche Minibar © Richard Gress
Die örtliche Minibar © Richard Gress

5. Gibt es afrikanische Stämme mit Kannibalen?

Richard Gress: Ich hörte immer wieder Geschichten über Kannibalismus unter verschiedensten Stämmen und sprach sogar mit Augenzeugen. Selbst habe ich jedoch nie stichhaltige Beweise finden können, die dafür sprachen.

6. Können Sie uns eine Lektion fürs Leben mitgeben, die Sie auf Ihren Afrika-Reisen gelernt haben?

Richard Gress: Ja, die entscheidende ist: "Geld alleine macht nicht glücklich!"

7. In welcher Situation hatten Sie bisher die größte Angst?

Richard Gress: Ich habe Angst, dass Menschen die mir nahe stehen zwischenzeitlich gestorben sein könnten, vor allem wenn ich nach langer Zeit zurück zu meinen afrikanischen Freunden komme. Mit der Trauer kann ich sehr schlecht umgehen. Um mich selbst habe ich dagegen nie Angst.

8. Wie schmecken eigentlich Heuschrecken?

Richard Gress: Heuschrecken werden zum Beispiel in Südostasien frittiert, diese Zubereitungsart verändert allerdings den Geschmack extrem. Roh und ungekocht schmecken Heuschrecken nicht, wie man annehmen würde, nach Fleisch sondern erinnern eher an Obst. Das ist zumindest mein Eindruck.

9. Was ist Ihr Lieblingsessen?

Richard Gress: Pizza........ belegt mit Heuschrecken, Kaulquappen und hart gekochten Mistkäfern.

Abendessen mit Freunden, der beste Weg zur Integration. © Richard Gress
Abendessen mit Freunden, der beste Weg zur Integration. © Richard Gress

10. Saßen Sie eigentlich schon mal in einem Büro?

Richard Gress: Ja, ich bin schon den verschiedensten Tätigkeiten nachgegangen. Wenn ich nach zwei Jahren Afrikaaufenthalt nach Deutschland zurück komme bin ich in der Regel pleite. Dann muss ich jede Arbeit annehmen, die mir angeboten wird - auch Jobs im Büro.

11. Können Sie uns einen Überlebenstipp geben, wenn man in der Wüste ist?

Richard Gress: In der Wüste ist es entscheidend ausreichend Wasservorräte bei sich zu haben. Es gibt kaum etwas schlimmeres als langsam zu verdursten. Alle Gedanken drehen sich nur noch um Flüssigkeit und man resigniert sehr schnell. Ich war einmal so dehydriert, dass meine Zunge angeschwollen ist, es hat Tage gedauert bis ich wieder richtig sprechen konnte. Tagelang zu hungern ist dagegen ein klacks.

12. Wo sind Sie nervöser - im Großstadtstraßenverkehr oder in der Steppe in der Nähe von Löwen?

Richard Gress: Ich komme im Großstadtdschungel ziemlich gut klar. Wer bereits im Straßenverkehr nervös wird, sollte niemals alleine in die Wildnis wandern. Die Gefahren sind um ein Vielfaches höher und die Löwen wären mit Sicherheit nicht das größte Problem.

13. Könnten Sie sich eigentlich vorstellen, auch mal in einem Robinson-Club Urlaub zu machen?

Richard Gress: Habe ich zwar bisher noch nicht, aber ich probiere gerne mal etwas Neues aus, warum nicht.

14. Wie begrüßt man sich in Äthiopien?

Richard Gress: In Äthiopien gibt es ungefähr 80 verschiedene Sprachen und Dialekte, deshalb ist die Antwort nicht einfach. Bei dem Volk der Suri zum Beispiel begrüßt man sich mit: "Chelli", das bedeutet "gut". In der offiziellen Amtssprache des Landes würde man: "Teanastelein" sagen.

15. Wie kam eigentlich ein KFZ-Lackierer aus Dingolshausen plötzlich darauf, sein bürgerliches Leben aufzugeben und monatelang durch die Wildnis Afrikas zu ziehen?

Richard Gress: Ich war Ende der 90er, Anfang 2000 immer wieder für mehrere Monate im Jahr unterwegs. Damals beantragte ich regelmäßig unbezahlten Urlaub bei meinem langjährigen Arbeitgeber. Aus meinen Reisen wurden im Laufe der Zeit Expeditionen. Irgendwann eröffnete mir jedoch die Geschäftsführung, dass ich keine längeren Urlaubszeiträume mehr genehmigt bekäme. Ein halbes Jahr später kündigte ich meinen Arbeitsplatz, verschrottete mein Auto, räumte die Wohnung und brach nach Afrika auf.