Dass das chinesische Essen daheim in Österreich oder Deutschland nie so gut schmeckt wie jenes, das in den Garküchen auf der Straße oder in wenig vertrauenserweckenden Spelunken von Peking "à la minute" gebrutzelt wird, hat wohl jeder Asien-Reisende schon erfahren. Daheim im China-Restaurant schmeckt es einfach nicht so authent wie in Peking selbst. Wir haben kurzerhand nicht nur eine Tuk-Tuk Tour durch die wenigen noch verbliebenen Hutongs von Peking gemacht, sondern auch gleich einen Kochkurs ebenda gebucht. Flugs war per Email mit der Hutong Cuisine Cooking Class ein Treffpunkt irgendwo in Peking nahe einer Metro Station vereinbart und dort warteten wir dann eines schönen, geschäftigen Morgens darauf, abgeholt zu werden.Markt in ChinaAlles klappte wie am Schnürchen. Wir starteten, nachdem wir an der Pekinger Straßenecke von der Chef-Köchin aufgelesen worden waren, mit einer "local market tour" gleich um die Ecke. In einem farbenfrohen, lautstark belebten Markt wurde alles eingekauft, was wir mittags verkochen wollten: Und zwar so richtig chinesisch ohne europäischen Firlefanz.Besonders bunt und verlockend kam das Gemüse daher und noch nie im Leben hatte ich Land-Ei soviele Eier verschiedener Farbe auf einem Haufen gesehen: Nicht alle dürften von normalen chinesischen Haushühnern gestammt haben.Eier auf Markt in Peking

Gemüse auf Markt in Peking

getrocknete Zitronenscheiben Paprika und ChiliNach der Shopping-Tour wurden wir - ein kleines Grüppchen von fünf Kochbegeisterten aus aller Welt - dann über verschlungene Pfade in die hintersten Winkel eines uralten, verfallenen Hutongs geleitet. Überraschenderweise entpuppte sich die Kochschule als peinlich saubere Küche mit mehreren Kochplätzen, vorbildlich präparierten Werkzeugen und sämtlichen nötigen Ingredienzien. Da gab es Sojasaucen, Fischöle und riesige Schneidebretter sowie reichlich Porzellan und gusseiserne Pfannen, die so schwer waren wie ein Handgepäck im Flugzeug.Kochstätte in PekingWir wurden allesamt als Chef-Köche verkleidet und lernten erst mal die Basics - wie in einer Wiener Kochschule: Richtig und schnell Schneiden will eben gelernt sein. Die Messer waren aber in Peking deutlich größerer und eindrucksvollerer Machart als ihre europäischen Kollegen, da hieß es schon: Aufpassen beim Knoblauch Schneiden. Und Knoblauch brauchten wir wahrlich genug, oh ja.Gemüse auf Markt in PekingAuf dem Speiseplan standen an diesem Tage die Fabrikation von Garnelen mit Knoblauch (das war sogar der Hauskatze zuviel), Gebratener Salat ("Stir Fried Lettuce" - köstlich und natürlich mit Knoblauch mariniert), selbst gemachtes Chili-Öl, "Spicy Chicken with ginger", ein scharfer Tofu-Salat sowie "Baked Bananas". Außer bei den Bananen wurden wir überall streng angehalten, mit reichlich Knoblauch zu arbeiten. Meiner Schätzung nach verbrauchten wir pro Person beim Kochkurs soviel Knoblauch wie eine durchschnittliche mitteleuropäische Familie im ganzen Jahr. Dafür wurde es auch ein höchst authentes chinesisches Essen.Chinesische Hauptspeise

Kochen mit dem WokWas soll ich sagen: Unter den gestrengen Augen unserer Kochlehrer wurde jeder Gang wirklich ein Erfolg - nur bei den Garnelchen hätte ich auf den Knoblauch verzichten können. Wir bekamen alle Rezepte mit nach Hause zum Nachkochen. Wir kochten ganz ohne Gabeln, dafür mit riesigen Hackmessern sowie Stäbchen. Salz wurde überhaupt nicht verwendet. Die gusseisernen Pfannen brachen mir fast das Handgelenk und alles musste immer ganz schnell gehen. Dafür war es auch typisch chinesisch - eine tolle Erfahrung in den Hutongs von Peking.

Verköstigung von chinesischem Essen
Beim abschließenden Verkosten unserer chinesischen Köstlichkeiten.