Herr Benz, "Alaaf you" wird eine Liebeserklärung an den Kölner Karneval und ein Aufklärungsfilm für alle, die diesen Wahnsinn nicht verstehen. Wie wird man mit dem "jecken Lebensgefühl" infiziert?

Eric Benz: Mir wurde es in die Wiege gelegt, Karneval gehört für mich zum Leben wie Ostern und Weihnachten. Mein Kollege Bariş Aladağ ist Wahlkölner, ein sogenannter "Imi". Er war stark geprägt von den Karnevalsbildern aus den Medien. Zum Glück konnte ich ihn davon überzeugen, dass Karneval mehr ist als Prunksitzungen und nicht so piefig, wie manche denken. Einmal im Straßenkarneval ausgelassen gefeiert, war er sofort infiziert.

Bariş Aladağ und Eric Benz sind Jecken durch und durch © Alaaf you
Bariş Aladağ und Eric Benz sind Jecken durch und durch © Alaaf you

Warum haben Sie sich für einen user-generated Movie entschieden?

Eric Benz: Seit Jahren sprechen alle von der "Verschmelzung der Medien", aber keiner traut sich wirklich daran. An der Internationalen Filmschule Köln habe ich mich intensiv mit Online und Mobile Media beschäftigt. So entstand die Idee, einen Film zusammen mit Usern zu machen. Der Kölner Karneval ist ein ideales Thema dafür. Es ist an der Zeit, ihn multiperspektivisch in all seinen Facetten zu zeigen.

Wie werden die User Teil von "Alaaf you"?

Eric Benz: Jeder, der ein Smartphone oder einen Fotoapparat mit Videofunktion besitzt, kann sofort losfilmen und seine Clips über die kostenlose iPhone-App oder unsere Website hochladen. Die Leute sollen ihren ganz persönlichen Karneval dokumentieren. Vom ersten Bier am Morgen über das Schneidern des Kostüms bis zur Privatparty ist alles denkbar.

Mach mit und werde Teil eines Kinofilms!
Mach mit und werde Teil eines Kinofilms!

Welche Herausforderungen birgt user-generated content?

Eric Benz: Wir legen unsere Arbeit in die Hände der User, das ist für uns neu und aufregend, aber auch riskant. Der erste user-generated Movie "Life in a day" hat 2011 bewiesen, dass diese besondere Art des Erzählens funktioniert. Dieses neue Kinoerlebnis war Auslöser für unser Filmprojekt. Die rechtlichen Aspekte sind hochkomplex. Die User müssen den Nutzungsbedingungen zustimmen, kritische Videos können gemeldet werden, im Zweifelsfall treten wir mit den Usern in Kontakt. "Alaaf you" ist unser erster user-generated Movie. Wir haben Blut geleckt und eine Firma gegründet, die sich auf crossmediale Projekte spezialisiert.

Wer kein Video drehen möchte, kann "Alaaf you" trotzdem unterstützen - als "Produzent" per Crowdfunding. War das von Anfang an so geplant?

Eric Benz: Ja. "Alaaf you" ist ein Gemeinschaftsprojekt, das wollen wir in jeder Faser ausnutzen. Es stecken bereits Filmfördermittel und eigene Investitionen in dem Projekt, aber das reicht nicht. Deshalb kann uns jeder noch bis zum 6. März auf Startnext finanziell unterstützen. Abhängig von der finalen Summe produzieren wir Kinobilder, die als Intro und thematische Trenner in den Film geschnitten werden. Eine weitere Idee ist, mit den vielen Künstlern, die uns unterstützen, einen Soundtrack zu produzieren. Zudem arbeitet unser Team bisher so gut wie unentgeltlich, das würden wir gerne ändern. Wenn die Fundingschwelle von 55.000 Euro nicht geknackt wird, geht das bis dahin gespendete Geld zurück. "Alaaf you" wird aber auf jeden Fall umgesetzt.

Rosenmontagszug in Köln © J. Rieger, Köln/Festkomitee Kölner Karneval
Rosenmontagszug in Köln © J. Rieger, Köln/Festkomitee Kölner Karneval

Wo lässt sich der Kölner Karneval am besten feiern?

Eric Benz: Der Rosenmontagszug mit 1,5 Millionen Besuchern ist ein Riesenerlebnis. Aber auch die kleinen Züge, die sogenannten Schull- und Veedelszöge, und der alternative Geisterzug sind sehenswert. Ansonsten gilt: Lass dich einfach durch die Stadt treiben, Karneval steckt hier in jeder Pore.

Was darf bei einem Köln-Besuch nicht fehlen?

Eric Benz: Der Dom. Zur Kölschen Kultur gehören außerdem die traditionellen Brauhäuser. Ich liebe es, an der Theke zu sitzen und bei einem Kölsch mit Fremden ins Gespräch zu kommen. Das kenne ich in diesem Maße aus keiner anderen deutschen Stadt. Für Außenstehende wirkt die Kölner Herzlichkeit manchmal oberflächlich. Das sehen wir anders. Wir bieten an der Theke nicht unsere Freundschaft an, sondern einfach einen guten Moment. Wer das von vornherein weiß, hat eine fantastische Zeit in Köln.

Ihr wollt bei "Alaaf you" mitmachen? Na dann los! Dokumentiert noch bis Aschermittwoch (6. März) eure ganz persönlichen Karnevalsmomente und ladet die Videos online oder per App hoch. Oder unterstützt Alaaf you per Crowdfunding. Ob als Kameramann, Darsteller oder Produzent - werdet Teil eines ganz besonderen Kinoprojekts und lest euren Namen im Abspann. Alaaf!