Herr Schuhbeck, wie lange halten Sie es aus, ohne den Kochlöffel zu schwingen?

Alfons Schuhbeck: Kochen ist mein Leben - ich habe meine Leidenschaft zum Beruf gemacht, deshalb gibt's bei mir keine Trennung zwischen Beruf und Privatleben. Ich stehe jeden Tag am Herd. Und wenn ich beruflich auf Reisen bin, um die Kochkunst anderer Länder kennen zu lernen, dann stehe ich sogar dort in der Küche und schaue in die Töpfe.

Was gehört immer in Ihr Reisegepäck, ohne das Sie nicht losfahren würden?

Alfons Schuhbeck: Etwas Praktisches: meine Ingwer-Tropfen. Sie sind mein Leib-und-Seelen-Elixier. Sie halten mich fit, geben mir Power, gerade, wenn ich auf Reisen bin. Und etwas Kreatives: meine Gedanken. Im Flugzeug kommen mir immer die besten Ideen für neue Rezepte und Gewürzkreationen.

Alfons Schuhbeck arbeitet ständig an neuen Kreationen
Alfons Schuhbeck arbeitet ständig an neuen Kreationen

Wohin reisen Sie am häufigsten, um sich für Ihre Küche inspirieren zu lassen?

Alfons Schuhbeck: Da bin ich nicht auf ein bestimmtes Land oder einen Kulturkreis festgelegt. Mich interessiert jede Kultur, in der Essen und Gastfreundschaft eine wichtige Rolle spielen - also eigentlich alle! Sehr inspirierend sind auch meine Reisen zu den Ursprungsländern von Gewürzen. Der Besuch von Gewürzplantagen weltweit - das ist eine besondere Kreativquelle für mich.

Wo wird in Europa am leidenschaftlichsten gekocht?

Alfons Schuhbeck: Überall dort, wo Frauen und Männer am Herd stehen, die mit Leib und Seele zu Werke gehen. Die, die die Kunst zu kochen und Menschen mit ihrer Kochkunst zusammenzubringen, einfach im Blut haben! Das kann auf einer Almhütte in den Alpen genauso sein wie in einem ambitionierten Trendlokal in einem angesagten Stadtteil.

Was können wir in Deutschland von anderen Ländern lernen?

Alfons Schuhbeck: In Deutschland hat sich viel getan in Sachen Esskultur und Qualität. Die Gäste sind informierter denn je. Einerseits durch den internationalen Tourismus, andererseits durch eine wachsende Sensibilität für frische, handwerklich perfekt gemachte Lebensmittel. Aber man lernt nie aus! Was mir in anderen Ländern, vor allem in Asien, auffällt: Dort hat Frische absolute Priorität! Es wird jeden Tag frisch gekocht, mit den ernte- oder fangfrischesten Zutaten vom Markt. Dieser Sinn für Frische trägt dazu bei, dass dort selbst die einfachsten, günstigsten Gerichte von einer außerordentlichen Qualität sind.

Wohin sollten Naschkatzen in Europa am besten fliegen?

Alfons Schuhbeck: Ich würde jede Destination empfehlen, die sich die Esskultur auf die Fahne geschrieben hat. Also Orte, die eine oder vielleicht sogar mehrere traditionelle Markthallen haben und die auf eine lange Tradition der Gastlichkeit zurückblicken können. Barcelona zum Beispiel, oder Straßburg. Sehr im Kommen sind auch Maastricht, Brügge, Antwerpen. Aber ich möchte keine Stadt bevorzugen: Gerade die europäischen Städte haben durch ihre kulturelle Vielfalt kulinarisch eine Menge zu bieten.

Alfons Schuhbeck schwärmt für Süßspeisen aus Istanbul
Alfons Schuhbeck schwärmt für Süßspeisen aus Istanbul

Welche Top Five Restaurants können Sie in Europa empfehlen?

Alfons Schuhbeck: Darf ich statt der Restaurants ein paar spannende Städte empfehlen? Das wären Istanbul, wegen seiner orientalischen Küche zwischen Tradition und Moderne. Kopenhagen, Stockholm, weil hier eine neue Generation von Köchen unorthodoxe Wege geht. Das Baskenland, weil es ein Mekka für Feinschmecker ist. Berlin, weil es sich zu einer der spannendsten kulinarischen Metropolen Europas entwickelt. Und last but not least, London, weil es der derzeit trendigste Schmelztiegel in Europa für indische und asiatische Einflüsse ist.