Der SpaceLiner soll Passagiere durch's Weltall ans Ziel bringen

Autor: Guido Meyer

Wem Australien, Neuseeland und die angrenzenden Länder down under nicht weit genug weit sind, der kann sich womöglich bald nach oben orientieren: Das All ist die Grenze, sagt sich das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Der Weltraumtourismus könnte einer der Trends in der Reisebranche des 21. Jahrhunderts werden. Das DLR will dieses Marktsegment nicht Privatfirmen überlassen und hat deswegen ein eigenes Weltraumflugzeug konzipiert, den SpaceLiner. Er ist eine Mischung aus Rakete und Linienjet, komplett wiederverwendbar und könnte Privatpassagiere in 90 Minuten von Frankfurt nach Sydney bringen oder in nur einer Stunde in die andere Richtung, beispielsweise von Deutschland nach Kalifornien.

SpaceLiner des deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt
SpaceLiner, Bild: DLR

Hat die senkrecht startende Rakete zwölffache Schallgeschwindigkeit erreicht, wird ihre erste Stufe abgetrennt und kehrt zurück zum Startplatz. Die zweite Stufe beschleunigt weiter, bis das Weltraumflugzeug seine maximale Geschwindigkeit von 7 km/s erreicht hat und die Motoren abgestellt werden. "Dann werden die Auftriebskräfte des Fahrzeugs und die Anziehungskraft der Erde dafür sorgen, dass das Gefährt wie ein Flugzeug zurück zur Erde gleitet", so Martin Sippel vom DLR-Institut für Raumfahrtsysteme in Bremen.

Der Lärm einer senkrecht abhebenden Rakete ist jedoch ein Problem, denn sie würde zur Belastung für die Anwohner werden.

Eine weitere Schwachstelle des Systems: Die hochexplosiven Treibstoffe Wasserstoff und Sauerstoff für den Raketenantrieb müssen in flüssiger Form mitgeführt werden. Das bringt eine größere Ausdehnung mit sich, weil insbesondere Wasserstoff in flüssigem Zustand mehr Volumen beansprucht. Das macht die Tanks wiederum größer. Also schlägt das DLR vor, Flughäfen zu vergessen und für den Start ins Niemandsland auszuweichen. Für Europa kämen Startplattformen auf hoher See oder zumindest vor den Küsten in Frage.

Ein weiteres Projekt des DLR: der Zug der Zukunft

SpaceLiner des deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt
SpaceLiner, Bild: DLR

Das Einsteigen dürfte sich beim SpaceLiner als Hürde erweisen: Weil der Flieger senkrecht startet, liegen die Passagiere zunächst nach hinten gelehnt in ihren Sitzen. Für etwa 50 Reisende soll das Raketenflugzeug made in Germany Platz bieten.

Wem die zurückgelehnte Position bis zum vertikalen Start unheimlich ist, der kann auf eine Alternative bei Bau und Boarding des SpaceLiners hoffen, wie Martin Sippel erläutert: "Wir könnten die Passagierkabine horizontal aufstellen, so dass die Passagiere ganz normal einsteigen könnten und sich anschnallen." Dann würde die Kapsel mit Hilfe eines Krans in die Ladebucht des senkrecht stehenden Raumschiffs gehievt, so dass der Start vertikal erfolgen könne.

Ließe sich die Passagierkabine seperat in den Rumpf des Weltraumflugzeugs betten, böte dies auch die Möglichkeit, sie im Notfall als Rettungskapsel zu nutzen, die sich bei einem Unglück von der Fähre trennt und die Menschen an Bord in Sicherheit bringt. Die Kabine würde dann isoliert in die Erdatmosphäre eintreten und von Fallschirmen gebremst landen.

So ändert sich das Flugbuchungssystem

SpaceLiner des deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt
SpaceLiner, Bild: DLR

Derzeit hofft das DLR auf die Industrie oder eine Fluggesellschaft, die bereit ist, dieses Projekt zu finanzieren. Doch dies ist ein extrem ehrgeizig Weltraumprojekt. Außerdem haben bislang weder Deutschland noch Europa Erfahrungen mit dem Bau solch bemannter Raumfahrtsysteme.

Doch das anspruchsvolle Know-How und die hohen Investitionskosten dürften sich bezahlt machen: Mit Ticketpreisen jenseits heute üblicher Erster-Klasse-Flugscheine sind die Gewinnaussichten beträchtlich. Dafür werde die Reisezeit um etwa 80 % reduziert, hofft Martin Sippel. "Wir könnten innerhalb eines Tages nach Australien und zurückfliegen."