Das 21. Jahrhundert steht für die Erschließung neuer Transportsysteme. Ob in der Luft, an Land oder auf dem Wasser, wir haben ein beispielloses Niveau erreicht, an dem wir den Transport voll und ganz steuern können.

Ein Artikel von Anh Phan

Das Reisen wird zunehmend sicherer und im Zeitalter der Ultra-Kommunikation kann alles oder fast alles kontrolliert werden. Obwohl Fliegen zweifellos die sicherste Reisemöglichkeit ist, haben viele Menschen Angst davor und würden lieber am Boden mit dem Auto oder Zug reisen. Wir verfügen heute zwar über Hochgeschwindigkeitszüge, doch erreichen wir langsam die Grenzen der auf Schienen möglichen Geschwindigkeit. So wurde das Projekt Hyperloop von Elon Musk ins Leben gerufen - dem Mann, der hinter Tesla und SpaceX steht und immer für eine Überraschung gut ist.

Dank Hyperloop könnte es möglich werden, die Strecke von Paris nach Marseilles in nur 45 Minuten zu bewältigen. Das wäre ein absoluter Wendepunkt im Personennahverkehr. Doch was ist Hyperloop und wie funktioniert es?

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Elon Musk beschreibt das Konzept als eine Mischung aus einer Concorde, einer Railgun und einem Air-Hockey-Tisch. Einfach ausgedrückt bedeutet dies, dass Hyperloop auf einer Technologie aus dem Jahr 1972 gründet: VHST oder Very High Speed Transit, also ein Hochgeschwindigkeitsbeförderungssystem. Die VHST-Technologie basiert auf einem Zug, der in einem elektromagnetischen Niederdrucktunnel frei schwebt. Natürlich ist es schon etwas komplizierter, doch das ist das im Grunde das Prinzip, das dahinter steckt. 2018 sollen erste Tests in einem acht Kilometer langen Tunnel in den USA in Kalifornien durchgeführt werden.

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Das größte Hindernis dürfte bei den gegenwärtigen Transportmöglichkeiten die Reibung darstellen. Ob in der Luft oder auf Schienen, Reibung bedeutet, dass die Kraft eines Zuges nicht voll und ganz ausgeschöpft werden kann. Folglich wird bei Hyperloop mit seinem elektromagnetischen Schwebebahnsystem die Reibung am Boden eliminiert. Zudem wird der Zug durch einen Niederdrucktunnel geführt, in dessen Röhre die Luft weniger Widerstand bietet, wodurch der Zug höhere Geschwindigkeiten erreichen kann. Um zu gewährleisten, dass weniger Luft im Tunnel vorhanden ist, wurden die Systeme so konzipiert, dass überschüssige Luft abgeleitet wird. Durch die Kombination des leichten Luftkissens in der Röhre und der elektromagnetischen Schwebetechnik kann der Zug schließlich frei im Tunnel schweben.

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Dies ist natürlich alles noch Theorie, doch die Forschung macht schnelle Fortschritte. In einigen Jahren wird Hyperloop eine realistische Alternative zu Inlandsflügen sein, die viel Energie verbrauchen und eine große Umweltbelastung darstellen. Extrem schnelle Geschwindigkeiten sind also theoretisch vorstellbar. Unklar ist jedoch, ob der Mensch eine derartige Beschleunigung aushalten kann.

Ein Faktor, durch den die Reisegeschwindigkeit auch in Zukunft zwangsläufig beschränkt sein wird. Shervin Pishevar, Mitbegründer von Hyperloop One, rechnet jedoch schon ab 2020 mit einer kommerziellen Nutzung und es werden bereits Projekte in Europa ins Auge gefasst, im Rahmen derer die Slowakei, Österreich und Ungarn von der Technologie profitieren sollen. Nicht ganz so optimistische Technikbegeisterte halten auch vor dem Hintergrund der hohen Kosten für die erforderliche Infrastruktur eher 2025 für realistisch.

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Da Elon Musk sich auch noch für andere Projekte engagiert, wurde das Hyperloop-Konzept als Open Source bereitgestellt, mit dem Ergebnis, dass zahlreiche private Unternehmen und Universitäten daran arbeiten. Sollte die Forschung gut vorankommen, werden Kurzstreckenflüge in Zukunft wohl bald von Hyperloop abgelöst. Wie viel eine solche Reise von Paris nach Marseilles dann kosten wird, bleibt noch abzuwarten.

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