Wenn von der traditionellen Wiener Genusskultur die Rede ist, sind damit fast immer die gemütlichen und stets sehr stilvoll eingerichteten Kaffeehäuser in Wien gemeint. Diese gehören bei Eurer Städtereise nach Wien unbedingt dazu.

Seit 2011 gehören sie sogar zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO. Sie gelten als Oasen der Behaglichkeit, in denen kalte und warme Getränke, köstliche Kuchen und Torten, also Mehlspeisen, und handfeste Klassiker der Wiener Küche gereicht werden.

Polsterbänke oder die typischen Thonet-Stühle an Marmortischen laden ein, sich zu treffen und zu schwatzen, einfach nur die Zeitung in Ruhe zu lesen, in der anregenden Atmosphäre zu arbeiten und bei alldem natürlich zu genießen, was Konditor, Patissier und Koch in ihrer Küche zaubern.

Die Kaffeehausbesitzer gründeten übrigens bereits 1683 ihren eigenen Klub, der bis heute existiert und jedes Jahr den beliebten Kaffeesiederball ausrichtet.

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Kafeekultur in Wien - Pixabay

Die Kaffeespezialitäten

Ehe wir Euch in einige der schönsten Kaffeehäuser entführen, fassen wir kurz für die Nichteingeweihten zusammen, was sich hinter den gängigsten Wiener Kaffeespezialitäten verbirgt. Das erleichtert Euch die Entscheidung vor Ort.

Aber eigentlich ist es auch egal, was Ihr Euch bestellt. Denn erstens schmeckt sowieso alles und zweitens geht es im Wiener Kaffeehaus vielmehr um das Lebensgefühl als um den Kaffee an sich.

Mokka oder Kleiner Schwarzer: ein starker schwarzer Kaffee

Verlängerter Schwarzer: mit heißem Wasser verdünnter Mokka

Großer Schwarzer: doppelter Kleiner Schwarzer

Kleiner Brauner: mit Schlagsahne verfeinerter Mokka

Franziskaner: ein verlängerter Mokka mit Milch und Schlagsahne, in Österreich Schlagobers genannt

Wiener Melange: ähnlich wie ein Franziskaner, allerdings mit Milchschaum statt Schlagsahne

Kleines Schalerl Gold: mit heißer Milch aufgegossener Mokka mit Milchschaumhaube

Verkehrter Kaffee: mehr Milch als Kaffee

Kapuziner: kleiner Mokka mit wenig Schlagsahne

Fiaker: großer Mokka mit Zucker und einem Schuss Sliwowitz oder Rum, gekrönt von einer Kirsche auf dem Sahnehäubchen

Einspänner: Mokka mit Schlagsahne und Puderzucker in einem Henkelglas

Kosakenkaffee: kleiner Mokka mit flüssigem Zucker, Rotwein und Wodka

Zarenkaffee: starker Espresso mit einer Haube aus gezuckertem und verquirltem Eigelb

Und nun lasst es Euch in einem der folgenden Kaffeehäuser in Wien schmecken!

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Wiener Melange - Pixabay

Das "Central"

Das Traditionscafé Café Central im Palais Ferstel in der Herrengasse existiert schon seit 1876. Zu allen Zeiten nutzten nicht nur die Flaneure, sondern auch Schriftsteller die einzigartig anregende Atmosphäre.

Wem der Sinn nicht nach den Köstlichkeiten der Patisserie steht, wird bestimmt mit Wiener Schnitzel oder Tafelspitz glücklich. Der prunkvolle Innenhof im venezianischen Stil und diskrete Klaviermusik komplettieren das Wohlbefinden.

Café Hawelka

Dem unermüdlichen Wirken des Ehepaars Hawelka ist diese Café-Legende in der Nähe des Stephansplatzes zu verdanken. Wo sich einst Hans Moser, Udo Jürgens und Andy Warhol wohlfühlten und sich mit Hingabe den berühmten Buchteln widmeten, werdet garantiert auch Ihr unvergessliche Schlemmerstunden verleben.

Café Landtmann

Besonders elegant geht's im 1873 eröffneten Café Landtmann am Universitätsring zu. Das einladend vielversprechende Motto: "Wo Wien zu Hause ist und die Welt willkommen". Es ist ein erhebendes Gefühl, in dem denkmalgeschützten Kaffeehaus auf Thonet-Sesseln aus der Kaiserzeit seinen Kaffee zu genießen und gediegenen Piano-Klängen zu lauschen, wie einst Gustav Mahler, Marlene Dietrich, Romy Schneider, Burt Lancaster und Sir Paul McCartney.

Café Jelinek

Auch das Café Jelinek in der Nähe der Mariahilfer Straße ist seinem jahrzehntealten Interieur treu geblieben. So könnt Ihr Euch noch immer an einem alten schmiedeeisernen Holzofen erfreuen, während Ihr zum Kaffee den stets gepriesenen hausgemachten Guglhupf auf der Zunge zergehen lasst und dazu in den kostenlosen Zeitungen schmökert. Die gehören übrigens zur Standardausrüstung der Kaffeehäuser in Wien.

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Sachertorte - Pixabay

Café Sacher

Sie ist so berühmt wie das Wiener Schnitzel: die 1832 aus Verlegenheit erfundene Sachertorte. Um Fürst Metternich nicht zu enttäuschen, der ein besonderes Dessert für seine Gäste erwartete, vertrat der 16-jährige Kochlehrling Franz Sacher seinen erkrankten Küchenchef und schuf diesen köstlichen Traum mit viel Schokolade. Probiert ihn unbedingt bei seinen Nachfahren im weltweit berühmten Café Sacher. Solltet Ihr gerade keine Lust auf eine der Kaffeespezialitäten haben, lasst Euch zur Torte eine Original Sacher Trinkschokolade servieren.

Café Sperl

Auch das 1880 eröffnete Café Sperl verkörpert die Wiener Kaffeehauskultur wie im Bilderbuch: Thonet-Sessel, Marmortische, üppige Lampen, delikate Speisen zu Kaffeespezialitäten und illustres Publikum. Opernliebhabern ist das wie aus der Zeit gefallene Ambiente gerade recht, um sich für eine Vorstellung im nahen Theater an der Wien in Stimmung zu bringen.

Café Korb

Das Café Korb in der Nähe des Stephansdoms ist zwar jünger als die anderen Kaffeehaus-Institutionen, aber dafür erschien zur feierlichen Eröffnung am 26. März 1904 seine Majestät Kaiser Franz Josef höchstpersönlich.

Der traditionelle Familienbetrieb ist Heimstatt für Menschen jeglicher Gemütslage, denn es kann den kompletten Tag lang gefrühstückt, von den süßen Schmankerln probiert, eins der Mittagsmenüs gewählt oder auf das traditionelle Wiener Schnitzel zurückgegriffen werden, das nirgendwo auf einen Teller passt.

Genauso berühmt wie das dünn geklopfte Stück Fleisch ist die Artlounge, die mehrere Künstler modern ausgestaltet haben.

Café Schwarzenberg

Das Café Schwarzenberg, gegründet um 1860, ist Wiens ältestes Ringstraßencafé und versprüht noch immer den Charme der Anfangsjahre. Das umfangreiche gastronomische Angebot mit saisonalen Spezialitäten wird schon seit Langem durch ein interessantes Kulturprogramm ergänzt.

Ausstellungen, Konzerte - so auch alle paar Wochen ein sonntägliches Jazz-Frühstück - und Lesungen machen den Besuch noch gehaltvoller, als es köstliche Torten oder Schnitzel können.

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Kaffeehaus in Wien - Pixabay

Café Prückel

Ebenfalls an der Ringstraße, gegenüber dem Museum für angewandte Kunst, könnt Ihr das Café Prückel besuchen. Obwohl schon viel älter, stammt die Inneneinrichtung aus den 1950er-Jahren. Seit einigen Jahren wird das 1931 gegründete Kabarett "Der liebe Augustin" im Souterrain mit "Kunst, Kultur & Kaffee" fortgeführt.

Wenn Ihr Euch durch die Wiener Kaffeehäuser geschlemmt habt und nunmehr aus eigenem Erleben wisst, was Wiener Genusskultur in der Realität bedeutet, habt Ihr zugleich viel von der denkmalgeschützten Architektur des alten Wien kennengelernt.

Auch wunderschöne Hotels in Wien empfangen ihre Gäste in historischen Gemäuern. Am besten, Ihr seht gleich nach, ob dort noch ein Zimmer für Euch frei ist. Falls Ihr übrigens einen längeren Verdauungsspaziergang unternehmen wollt, um die zu Euch genommenen Kalorien wieder loszuwerden, findet Ihr hier Informationen zum wohl schönsten Stadtrundgang durch Wien.

Titelbild: Kaffee mit Freunden - Pixabay