Wie auf Knopfdruck verfällt nach dem hinlänglich bekannten Schlachtruf "Kölle Alaaf!" eine ganze Stadt kollektiv in den Karneval-Rausch, wenn die neue Saison wie immer und jedes Jahr am 11.11. um 11.11 Uhr beginnt. Standesgemäß begrüßt der Prinz, der mit Bauer und Jungfrau ein Dreigestirn (Trifolium) bildet, sein Volk mit "Fastelovend (Karneval) Coloniaaaaa!" und schon bricht ausgelassene Feststimmung aus.

Aber das ist nur der Anfang für all das, was im Februar seinen Höhepunkt erlebt. Manche der Rituale und ihre Hintergründe sind für Zugezogene und extra zum Feiern angereiste Gäste schwer zu durchschauen. Ihnen allen wollen wir es mit unseren Anfängertipps für den Karneval in Köln, das jedes Jahr den größten Besucheransturm zu verkraften hat, leichter machen. Freut Euch auf einen aufregende Reise nach Köln!

1. Warum 11. 11. und Elferrat?

Die Elf ist natürlich schon allein wegen ihres Charakters als Schnapszahl für den Karneval prädestiniert, aber noch wichtiger ist ihre Stellung zwischen zehn und zwölf. Sie ist wie ein Puffer zwischen den Zehn Geboten und den Zwölf Jüngern. Doch es gibt noch eine Erklärung: Der Martinstag am 11. November läutete einst die vorweihnachtliche Fastenzeit von vierzig Tagen ein, die bis zur Heiligen Nacht zu dauern hatte. Ein guter Grund, davor noch mal richtig auf die Pauke zu hauen, zu feiern und quasi auf Vorrat zu prassen.

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Karneval in Köln - Pixabay

2. Alaaf oder Helau?

Wenn das Kölner Dreigestirn die fünfte Jahreszeit ausruft, zählt nur Alaaf als korrekter Gruß der kölschen Narren. Hervorgegangen ist er aus einem Trinkspruch, mit dem schon vor Jahrhunderten die Bierkrüge verziert wurden. Das Wort bedeutet so viel wie "Nichts geht über". Demzufolge heißt das während des Karnevals allgegenwärtige "Kölle alaaf" "Nichts geht über Köln".

Macht bloß nicht den Anfängerfehler und ruft den Narren ein noch so gut gelauntes wie gut gemeintes Helau zu. Das ist den Düsseldorfer und Mainzer Feiernden vorbehalten. Und weil wir gerade bei Fehlern sind: In Köln trinkt man Kölsch. Mit Altbier wird in Düsseldorf gefeiert.

3. Woher haben Büttenreden ihren Namen?

Vielleicht ist Euch schon mal aufgefallen, dass die Redner nie hinter einem handelsüblichen Pult stehen, sondern - so will es die gute alte Tradition - hinter einem Fass oder Bottich. Und der heißt im Kölner Dialekt "Bütt".

4. Warum werfen die Jecken beim Rosenmontagszug mit Bonbons?

Seit der Karnevalsreform von 1823 werden Kamelle und Strüßjer, also Süßigkeiten und kleine Blumensträußchen, beim Rosenmontagszug von den Wagen in die Menge geworfen. Das geht darauf zurück, dass einst der Prinz auf einem Triumphwagen zum Volk fuhr und wie bei Hofe kleine Geschenke an seine Getreuen verteilte. Allerdings nicht in den Mengen wie heute, sondern wohldosiert an die schönen Damen. Erst später brachten auch andere Zugteilnehmer Bonbons unters Volk.

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Karnevalsumzug - Pixabay

5. Was sind die Höhepunkte des Karnevals?

Abgesehen vom 11.11. beginnt der ganz große Karnevalstrubel mit Umzügen erst mit der Weiberfastnacht. Dann werden dem Dreigestirn feierlich die Schlüssel der Stadt überreicht und es gibt für fünf Tage kein Halten mehr. Die Narren verkleiden sich für den Straßenkarneval und ganz Köln wogt regelrecht, ist aufgekratzt und bunt drapiert. Wie der Name schon vermuten lässt, führen vor allem die Frauen an diesem Tag das große Wort und nutzen ihre Narrenfreiheit für das berühmte Krawattenabschneiden und unverhoffte Abküssen Wildfremder.

Am Samstagabend findet der Geisterzug statt, das ist der alternative politische Kölner Karnevalsumzug. Er entstand 1991, als wegen des Golfkriegs der offizielle Straßenkarneval abgesagt wurde, sich stattdessen aber viele Jecken zu einer Anti-Golfkriegs-Demo trafen. Diesem ersten Geisterzug folgt jedes Jahr einer unter einem anderen politischen Motto. Möchtet Ihr daran teilnehmen, müsst Ihr Euch als Geist oder dunkle Gestalt verkleiden.

Am Karnevalssonntag formieren sich als Vorgeschmack auf den Rosenmontagsumzug etwa fünfzig Gruppen der Schul- und Stadtteilzüge zum Sternmarsch und ziehen zum Alten Markt, wo bis spät in die Nacht gefeiert wird.

Der absolute Höhepunkt der Karnevalswoche findet mit dem großen Karnevalsumzug am Rosenmontag statt. Um ihn zu verfolgen, baut Euch strategisch günstig am Straßenrand auf oder spendiert Euch einen Tribünenplatz. Nehmt unbedingt Tüten für Eure gefangenen Kamelle und Strüßjer mit!

Am sogenannten Karnevals- oder Veilchendienstag werden bei der abendlichen feierlichen Nubbelverbrennung die Jecken von ihren Sünden befreit. Ihr werdet dem Nubbel, einer mannsgroße Strohpuppe, schon vor zahlreichen Kneipen begegnet sein. Der Nubbel ist der Stellvertreter für alle Sündenböcke und muss nun für die Fehler während des närrischen Treibens büßen: für maßlose Völlerei und Trinkerei und die vielen fremden Küsschen.

Mit dem Aschermittwoch endet offiziell die Karnevalswoche und somit die gesamte sogenannte fünfte Jahreszeit. Mit dem traditionellen Fischessen beginnt dann die vierzigtägige Fastenzeit, die bis Ostern andauert.

6. Wie sollte ich meinen Karnevalsbesuch am besten vorbereiten?

Leider wollen beim Karneval nicht alle nur ausgelassen feiern und fröhlich sein. Dichtes Menschengedränge zieht oft auch Taschendiebe magisch an. Also seid Ihr auf der sicheren Seite, wenn Ihr sämtliche Wertsachen in Eurer Unterkunft lasst. Nehmt nur das Allernötigste mit und verstaut es gut ganz dicht am Körper. Aber begegnet nicht jedem, der sich Euch nähert, mit Misstrauen. Vielleicht will ja der oder die einfach nur ein "Bützje" loswerden. Das sind die während des Karnevals üblichen Küsschen auf die Wangen Fremder.

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Kostüme beim Karneval in Köln - Pixabay

7. Was muss ich während des Feierns unbedingt beachten?

Einen kleinen Vorrat an Kölsch-Flaschen mit Euch zu führen, ist keine gute Idee. Kauft Euch was am Stand oder trinkt aus Plastikflaschen. Wenn es zu eng wird, wird nämlich ein Glasverbot über die Innenstadt verhängt. Wenn Euer Bier gut durchgelaufen ist, verkneift Euch Euer dringendes Bedürfnis bis zu einem diesbezüglichen Örtchen. Wer auf Straßen und Plätzen pinkelt, muss dafür eine Toilettengebühr von 200 Euro Bußgeld zahlen.

8. Finde ich für die Zeit des Karnevals in Köln überhaupt eine Übernachtung?

Viele Nicht-Kölner freuen sich jedes Jahr auf eine ausgelassene Karnevalsfeier. Doch da Köln zu jeder Jahreszeit auf viele Touristen eingerichtet ist, stehen reichlich Betten zur Verfügung. Um genau Eure Wunschunterkunft zu finden, bucht sicherheitshalber rechtzeitig ein Hotel in Köln. Seele baumeln lassen könnt Ihr dann in den schönsten Parks und Gärten in Köln.

Und falls Euch das närrische Treiben eher weniger anspricht, haben wir hier auch noch Tipps für ein Wochenende in Köln außerhalb der Karnevalszeit für Euch. Lest einfach mal rein!

Titelbild: Narrenkostüm - Pixabay