Gewachsene, alteingesessene Kieze gibt es in Berlin wahrscheinlich mehr als anderswo, schließlich ist Berlin so nach und nach aus kleinen Städten und Dörfern zusammengeschmolzen. Die brachten dabei ihre eigene Geschichte und gewachsenen Mittelpunkte mit, und sei es nur ein belebter Dorfanger gewesen. Hatten sie kluge Lokalpolitiker, sind seitdem diese kleinen Zentren nicht verloren gegangen, sondern wurden hingebungsvoll gepflegt und weiterentwickelt.

Dennoch hat sich gerade in den vergangen Jahren im Zuge des ständigen Zuzugs und der Gentrifizierung selbst in Kiezen mit wehrhaften Ureinwohnern, die jahrelang ihr Eigenleben tapfer verteidigt haben, allerhand verändert. Aber: es gibt sie noch und vermitteln ein besonderes Lebensgefühl abseits der Magistralen. Welche Ihr einmal besuchen und bei Eurer nächsten Reise nach Berlin nach authentischen Urberliner Spuren erforschen solltet, haben wir für Euch zusammengetragen.

1. Der Bergmann-Kiez in Kreuzberg

Der Kiez rund um die Bergmannstraße ist ein Kreuzberger Juwel und dank der vielen kleinen Läden und lebendigen Hinterhöfe eine Flaniermeile ersten Ranges. Die hohe Dichte an Restaurants und Bistros mit internationaler Küche lässt keine Wünsche offen und wer von allem etwas haben möchte, wandelt am besten in der Markthalle am Markheinekeplatz von Stand zu Stand und probiert sich durch die Küche ferner Länder.

Die benachbarte Passionskirche veranstaltet das ganze Jahr über erstklassige Konzerte, von Liedermachern über Größen des Pop und Jazz bis zu klassischer Musik. Besonders turbulent geht es im Sommer beim traditionellen Bergmannstraßenfest zu.

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Wein-Display in Berliner Markthalle - Pixabay

2. Akazienkiez in Schöneberg

Ruhig und beschaulich ist es eher im Akazienkiez entlang der gleichnamigen Straße im nördlichen Schöneberg. Gelegen zwischen Grunewald- und Hauptstraße, lässt es sich wunderbar in Traditions-Geschäften und neueren Boutiquen, Weinhandlungen, Feinkostläden und im Buchladen einkaufen und zwischendrin in den Cafés und Restaurants rasten und das Kiezleben betrachten.

Jenseits der Grunewaldstraße findet Ihr auf dem Winterfeldtplatz mittwochs und samstags den größten Wochenmarkt Berlins.

3. Kaskelkiez oder Viktoriastadt in Lichtenberg

Die Viktoriastadt nahe der Grenze zu Friedrichshain entstand in der Gründerzeit und wird wegen der langen und beliebten Kaskelstraße auch Kaskelkiez genannt. Etliches vom ursprünglichen Leben um 1900 fand Eingang in Heinrich Zilles Zeichnungen, das er als Anwohner er hautnah erlebte.

Heute sind die Häuserfassaden rund um den Tuchollaplatz herausgeputzt, kleine Läden haben sich angesiedelt und einige sogar aus DDR-Zeiten überlebt. Die Hinterhöfe werden für Märkte geöffnet und Feste werden gemeinsam gefeiert. Gut bewacht vom unter Denkmalschutz stehenden 40 Meter hohen Schrotkugelturm von 1908, in dem bis Ende der 1930er Jahre Bleikugeln gegossen wurden.

4. Der Richardplatz in Rixdorf (Neukölln)

Der alte Berliner Gassenhauer "In Rixdorf ist Musike" windet dem Areals zwischen Karl-Marx-Straße und Sonnenallee einen Kranz, denn dort, genauer am Richardplatz, hat der Stadtbezirk Neukölln seinen Ursprung.

Der betagte Platz sieht nach wie vor so aus, als sei in Berlin seit Jahrhunderten kaum was passiert. Das Carré hat sein Gesicht als kleines, idyllisches Dorf mitten in der Großstadt stets verteidigt. Die Straßen sind verwinkelt, locken mit kleinen Läden und Hinterhöfen und sind an manchen Stellen so begrünt und bewachsen - auch mit Gemüse, dass Ihr Euch auf dem Dorf wähnt. Die Rixdorfer Schmiede aus dem 17. Jahrhundert ist immer noch in Betrieb. Und in der historischen Kutschenremise daneben könnt Ihr Euch an alten Gefährten ergötzen.

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Fachwerkhäuser in Berlin Spandau - Pixabay

5. Der Kolk oder Behnitz in Spandau

Ins Mittelalter versetzt Euch ein Besuch in Spandaus ältestem und romantischstem Kiez. Während Ihr Euch durch schmale Gassen mit Kopfsteinpflaster schlängelt, begegnen Euch neben Stadtmauer und Brunnen aus dem 14. Jahrhundert Fachwerkhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Am Ende der Kolk-Gasse steht Berlins zweitälteste katholische Kirche, die kleine Marienkirche. Wenn Euch nach diesem Spaziergang nach mehr Geschichte zumute ist, besucht die auf dem gegenüberliegenden Ufer der Havel residierende Renaissancefestung Spandauer Zitadelle.

6. Fischerkietz in Köpenick

Die Altstadt Köpenicks hat sogar eine Straße mit dem Namen "Kietz", allerdings mit tz. Einige der Häuser im Fischerkietz sind schon über zweihundert Jahre alt. Die schmalen Gassen, die zum Ufer der Dahme führen, stammen zumeist aus der Gründerzeit. Am Wasser erblickt Ihr die Schlossinsel mit ihrem sehenswerten Museum. Aber auch das alte Rathaus solltet Ihr unbedingt besuchen, denn dort trefft Ihr auf den legendären Hauptmann von Köpenick.

7. Der Savignyplatz in Charlottenburg

Der Savignyplatz ist ein schöner grüner und blühender Platz, eine ruhige Oase inmitten des Charlottenburger Geschäftslebens und Großstadttrubels und der Mittelpunkt eines überaus charmanten Kiezes mit Galerien, Bücherläden und Boutiquen.

In den Restaurants rund um den Platz treffen sich nicht nur alle, die ein schönes Ambiente mit guter Bewirtung bevorzugen, sondern auch reichlich Promis, zum Beispiel in der Paris Bar.

8. Kladow in Spandau

Ganz anders ist das Lebensgefühl im Süden Spandaus. Gesegnet mit Fluss, Seen und Wald ereilt Euch dort unvermittelt ein Urlaubs-Feeling, das nichts mit Berlin zu tun hat. Wegen der tollen Lage, des kleinen Hafens und des schönen alten Dorfplatzes hingegen fühlt sich das Leben fast mediterran an. Auch das gehört zur Geschichte: Kladow (West-Berlin) und Groß Glienicke (DDR) waren einst durch den Glienicker See getrennt. In seiner Mitte markierten Bojen die Staatsgrenze.

9. Der Rüdesheimer Platz in Wilmersdorf

Ein bisschen englischer Landhausstil mitten in der Großstadt: die Häuser mit ihren Giebeln sind reich verziert und haben kleine Vorgärten. Der Rüdesheimer Platz ist der Mittelpunkt des Rheingauviertels und folgerichtig schmückt sich seine große Brunnenanlage mit Siegfried, einer Weinkönigin und Vater Rhein. Doch nicht nur der Brunnen sprudelt im Sommer. Wenn die Rheingau-Winzer ihre edlen Tropfen ausschenken, wird es auf dem Platz voll, gesellig und lustig. Picknick kann mitgebracht werden.

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Balkon in Pankow - Pixabay

10. Der Florakiez in Pankow

Fast wie früher reihen sich auf den Straßen kleine Läden mit nützlichen Dingen, Cafés und Restaurants und in den Höfen siedelt neben dem traditionellen Handwerk inzwischen auch Medienwirtschaft. Mittendrin viele junge Leute, denn der Kiez, der am Bahnhof Pankow beginnt, ist ein idealer Ort zum Wohnen, Leben und Arbeiten. Einschließlich eines kleinen, rührigen Theaters, das von einem Verein betrieben wird: Das Zimmer 16. Also Hausnummer 16 in der Florastraße. Reichlich Grün hat der alte Pankower Kiez auch vor der Nase. Der wunderschöne und weitläufige Bürgerpark schließt sich fast nahtlos an die Florastraße an.

Natürlich überzeugen Berlins Kieze nicht nur mit Geschichte und unverwechselbarem Flair, sondern auch mit passenden Unterkünften. Darum bucht am besten schnell ein Hotel in Berlin - am besten gleich in Eurem neuen Berliner Lieblingskiez.

Ihr wollt noch weitere schöne Ecken in Berlin erkunden? Wir zeigen Euch, was man in Berlin gesehen haben muss und wo Ihr die grünsten Orte Berlins findet.

Titelbild: Gasse in Köpenick mit Hafenzugang - Pixabay