Warnemünde, der Rostocker Stadtteil an der Warnow-Mündung, ist seit Jahrhunderten dank der Flaniermeile Alter Strom, wegen seiner malerischen Käpitänshäuser und Fischerkaten, wegen des alten Leuchtturms und seines breiten Sandstrands berühmt und beliebt. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich das einstige Fischerdorf zu einem modernen Ferienort mit allen erdenklichen Annehmlichkeiten nebst Jachthafen. Aber relativ neu ist, dass sich am Strand auch eine bunte Surferszene trifft. Das ist insofern ungewöhnlich, weil das Binnenmeer Ostsee wenig verlässlich die von Surfern ersehnten großen Wellen produziert. Zumindest aus meteorologischen Gründen. Aber wofür gibt es schließlich Kreuzfahrtschiffe, Frachtdampfer und Fähren nach Skandinavien? Im folgenden Artikel findet Ihr alle nötigen Infos, um in Eurem Urlaub in Warnemünde zu surfen.

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Bildnachweis: Tourism Media

Für Anfänger und Fortgeschrittene

Einsteiger sind völlig zufrieden, wenn lediglich laue Winde die See kräuseln. Dann trauen sie sich zu ersten Versuchen auf die Bretter und sind auch froh über jede Sandbank, die sie wie einen schützenden Hafen ansteuern können. Wenn Ihr auch in Warnemünde das Surfen erlernen möchtet, könnt Ihr Euch in der Surfschule am 150 Meter breiten Strand in Kursen das erforderliche Know-how aneignen und Euch für Eure Premiere alle erforderlichen Utensilien vom Brett bis zum Neoprenanzug ausleihen. Frischen aber Nordwest- oder Nordost-Winde auf und peitschen mit kräftigen Böen, überlasst als Anfänger die Ostsee sicherheitshalber den geübten Wellenreitern und Kitesurfern.

Vergnügen nach Fahrplan

Verkündet Euch der Wetterbericht absolute Windstille, müsst Ihr trotzdem nicht auf Euer Surfvergnügen verzichten. Für den Fall, dass sich der Wind im Ruhemodus befindet, sind Warnemündes Surfer auf erstklassigen Ersatz gestoßen, nämlich die Fährwellen. Allein die Fähren aus Dänemark sorgen alle zwei Stunden für erheblichen Wellengang. Ein Blick aufs Handy und den immer abrufbereiten Fahrplan reicht und die Surfer steigen in Erwartung des aufgewühlten Wassers zur rechten Zeit in ihre Neoprenanzüge und stehen mit ihrem Brett parat, sich in das zu erwartende Vergnügen zu stürzen. Mal dauert es nur einige Minuten an, im günstigsten Fall aber kann es eine gute Viertelstunde währen. Wie groß die Wellen ausfallen, ist immer abhängig vom Gewicht, dem Tiefgang sowie der Geschwindigkeit der Schiffe und davon, aus welcher Richtung der Wind in welcher Stärke weht.

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Wiederkehrendes Strand-Spektakel

Es ist ein lustiges Schauspiel, das sich mindestens alle zwei Stunden am Strand abspielt. Menschen, die entspannt die Beach-Bar bevölkern, dösend im Strandkorb sitzen oder sich am weißen Strand aalen und scheinbar die absolute Ruhe weghaben, springen plötzlich hektisch in ihre Neoprenanzüge und bringen ihre Surfbretter in Position, sobald sich eines der großen Schiffe Warnemünde nähert. Oder wenn ihr Blick auf den Fahrplan der Fährreedereien die baldige Ankunft eines stattlichen Wellenproduzenten ankündigt. Spätestens, wenn die Fähre auf die Mole an der Hafeneinfahrt zusteuert, müssen die Surfer im Wasser sein. Sobald das Schiff hinter der Mole aus dem Blickfeld gerät, kommen die Wellen. Mit ihrer jähen Betriebsamkeit sichern sich die Sportler natürlich auch eine angemessene Zuschauerschar, die ihre mehr oder weniger ausgeprägten Künste verfolgt. Bis der Aufruhr so schnell vorbei ist, wie er in Gestalt der surfbaren Wellen kam. Bis zur nächsten Brandung.

Bunter Mix von Schiffen

Die verlässlichsten und häufigsten Wellen des Tages verursachen also stets die Fähren, die von morgens um halb neun bis zum späten Abend aus dem dänischen Gedser im Rostocker Fährterminal eintreffen. Je mehr LKW und schwere Waren sie geladen haben, desto tiefer liegen sie und erfreuen dann mit heftigem Wellengang. Die Reederei Stena Lines steuert die Hansestadt dreimal täglich aus dem schwedischen Trelleborg an. Und die TT-Line, deren Schiffe ebenfalls aus Trelleborg kommen, sorgt ebenfalls dreimal pro Tag für Wellengang. Allerdings sind jeweils eine der ankommenden Fähren nur was für ausgesprochene Frühaufsteher.

Von Kreuzfahrtschiffen dürft Ihr nicht allzu viele Wellen erwarten, denn sie fahren nur sehr langsam in den Hafen ein. Eine Weile guckte die Warnemünder Surferszene bange auf die neuen Schiffe, durch die die alten Fähren von und nach Gedser ersetzt wurden und noch werden. Diese Hybridfähren fahren mit Dieselantrieb und Batteriebetrieb und sind dadurch umweltfreundlicher. Und sie sind hydrodynamischer gebaut, weshalb ein geringerer Schiffswiderstand mit kleineren Bug- und Heckwellen erwartet wurde. Aber sowohl die "Copenhagen" als auch die "Berlin" fahren glücklicherweise einige Knoten schneller als ihre Vorgänger und erzeugen dadurch mindestens ebenso große Wellen wie ihre betagten Schwestern.

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Was empfiehlt sich als Ausstattung?

Wie oben schon geschrieben, könnt Ihr Euch das erforderliche Equipment vor Ort in der Surfschule am Strand ausleihen. Die Profis werden Euch den Wetterbedingungen entsprechend bestens ausstatten. Möchtet Ihr Euch aber allein einkleiden, bedenkt bitte, dass in der Ostsee selbst im Hochsommer keine Badewannentemperaturen zu erwarten sind. Die Thermometer klettern allerhöchstens auf knapp über 20 Grad Celsius. Darum empfiehlt sich zu jeder Jahreszeit ein Neoprenanzug. Lasst Euch beraten, welche Stärke in Eurem Reiszeitraum angebracht ist. Wagt Ihr Euch im Frühling oder Herbst aufs Board, vergesst auch Surf- und Handschuhe nicht. Für die Wintermonate sollten sie besonders dick ausfallen. Ein Anzug mit integrierter Haube schützt Euch zusätzlich bei eisiger Kälte.

Warnemünde kennenlernen und ein Hotel finden

Wenn Ihr nach Warnemünde reist, was ganz einfach mit der S-Bahn ab Rostock Hauptbahnhof möglich ist, wollt Ihr ganz bestimmt nicht nur auf Wellen lauern und Euer Surf-Geschick ausprobieren bzw. vervollkommnen, sondern auch das Ostseebad mit seinem ganzen Charme entdecken. Am Strand trefft Ihr auf drei alte Bekannte, die Euch gewiss schon als Postkartenmotive erreicht haben: Der alte Leuchtturm, der Teepott mit seiner eigenwilligen Architektur und das hoch aufragende Hotel Neptun sind nicht zu übersehen. Ihr könnt dort ein Zimmer buchen oder in einem der neueren Hotels in Warnemünde an der Promenade oder romantisch gelegen am Alten Strom - oder Ihr sucht Euch eine Unterkunft in der Rostocker Altstadt. Das besondere Hanse- und Hafenflair samt Möwengeschrei begegnet Euch überall.

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