Spanien ist die Heimat zahlreicher großer Künstler. In der Geschichte der großen Meister der Universalmalerei finden sich viele spanische Größen: Velázquez, Murillo, Goya oder Dalí sind nur einige wenige der großen Namen, die der Welt ein Erbe von unschätzbarem Wert hinterlassen haben.

So ist es praktisch unmöglich, alle großen spanischen Maler vorzustellen, weshalb wir anders an die Sache herangehen: Lasst uns das Land mittels der Werke seiner größten Talente entdecken. Kommt mit auf eine Reise und erlebt Spanien durch die Augen seiner Künstler.

El Greco und Toledo

1577 kommt El Greco in Spanien an, wo er sich eine Anstellung am Hofe Phillips II. erhofft. Der Monarch jedoch ist von seiner Malerei nicht überzeugt. Dennoch ist der Künstler vom historischen Erbe der Hauptstadt Kastiliens und der kunstinteressierten Oberschicht fasziniert.

El Greco lebt bis zu seinem Tod in Toledo und schafft in seinem ihm eigenen, typischen Stil Gemälde, die zu einzigartigen Meisterwerken geworden sind. Oftmals thematisiert er die Stadt in seinen Werken. Sie dient entweder als Hintergrund für seine religiösen Gemälde oder ist der eigentliche Gegenstand des Gemäldes.

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Bildquelle: metmuseum

So auch in dem Werk Ansicht von Toledo, das sich im Metropolitan Museum of Art in New York City befindet. Mit einer manieristischen, an den Barock erinnernden Vision schafft El Greco seine ganze eigene Version der Stadt. Er spielt mit ihrem Grundriss, lässt Gebäude weg, fügt andere hinzu und verändert das Stadtbild, um dem Fluss Tajo mehr Raum zu geben.

Das Gemälde ist in ein gespenstisches und hartes Licht getaucht, das die ganze Aufmerksamkeit des Betrachters auf die Komposition der Häuser lenkt. Dieses Werk hatte zweifelsohne großen Einfluss auf die Surrealisten nach El Greco.

Eine weitere Darstellung der Stadt ist das Gemälde Panorama und Karte von Toledo aus der späten Phase des Künstlers. Es ist heute im Casa Museo del Greco im jüdischen Viertel der Altstadt zu sehen.

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Bildquelle: ceres.mcu.es

Ein Gemälde von solcher Originalität war bis dato eine Neuheit in Spanien, während es in Städten wie Venedig oder Rom, in denen El Greco zuvor gelebt hatte, bereits Usus war, dass Maler die Stadtpläne entwarfen.

Bei dieser Gelegenheit lässt der Maler auch die modernen Gebäude, die seit seiner Ankunft in der Stadt hinzugekommen waren, in das Bild mit einfließen. So sind beispielsweise der Alcázar und die Puerta de Bisagra darauf zu sehen.

Joaquín Sorolla und Valencia

Wenn es einen Maler gibt, der tief mit dem Osten Spaniens verbunden ist, dann ist das Joaquín Sorolla. Die Stadt Valencia ist von Anfang an eine Inspirationsquelle für Spaniens Meister des Lichts. Nicht umsonst wird Sorolla, neben dem Impressionismus und den Postimpressionismus, auch den Illuministen zugeordnet.

Er versteht es wie kaum ein anderer, alltägliche Handlungen und Aktivitäten der Menschen festzuhalten. Vor allem aber gelingt es ihm stets, der Kraft des Meeres vor der valencianischen Küste Ausdruck zu verleihen. Da verwundert es kaum, dass Kinder am Strand zu einem seiner größten Werke geworden ist.

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Bildquelle: commons.wikimedia.org

Das Bild hängt im Museo del Prado in Madrid. Das seichte Meerwasser, das die Körper der Kinder umspielt, zieht den Betrachter in seinen Bann und es wird deutlich, dass die Kinder das Nacktbaden im Meer, wie es zu jener Zeit üblich war, genießen.

Dies wurde zu einem häufig wiederkehrenden Thema des valencianischen Malers: An Stränden wie dem Playa de la Malvarrosa in Valencia zeigt er kleine Kinder beim Schwimmen oder Spielen in den Wellen, und auch die Strandspaziergänge der valencianischen Frauen sind ein typisches Thema Sorollas.

Antonio López und Madrid

Antonio López, der Neffe eines anderen, ebenfalls herausragenden Malers mit demselben Namen, bietet uns einen besonders realistischen Blick auf die spanische Hauptstadt. Seine Besessenheit, die Realität so detailgetreu wie möglich abzubilden, führte dazu, dass die Arbeit an seinen Werken oftmals mehrere Jahre in Anspruch nahm.

Das berühmteste Beispiel ist das Porträt der Familie von Juan Carlos I., für das der Künstler mehr als 20 Jahre benötigte. Das Ereignis sorgte für Aufsehen in der spanischen Gesellschaft, was den Maler jedoch nicht dazu bringen konnte, sein Werk schneller fertigzustellen.

Unter seinen Gemälden von Madrid, die vielmehr wie Fotografien wirken, ist das Werk Madrid visto desde el Cerro del Tío Pío eine besondere Erwähnung wert. Es ist im Museo Reina Sofía in Madrid zu sehen.

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Bildquelle: olo-ololo.blogspot.com

Seine spektakulärste Ansicht der Hauptstadt aber verwirklichte López mit dem Gemälde Madrid desde Torres Blancas. Die Fertigstellung dieses Meisterwerks, das von fotografischer Genauigkeit ist, dauerte über sieben Jahre.

Es befindet sich in einer Privatsammlung und ist eines der teuersten Werke eines zeitgenössischen spanischen Künstlers. Es wurde für den Preis von 1.744.000 € bei Christie's in London versteigert.

Joan Miró und Barcelona

Die enge Bindung Mirós zu Kataloniens Hauptstadt ist unbestritten. In den Straßen Barcelonas sind die unverwechselbaren Werken des Surrealisten überall präsent:

So befindet sich beispielsweise mitten auf der Plaza de la Boquería, einem zentralen Platz auf der berühmten Promenade La Rambla, das Mosaik Pavimento Miró. Damit wollte Miró den Touristen, die Barcelona über das Meer erreichten, Ehre erweisen.

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Bildquelle: commons.wikimedia.org

Mirós Barcelona-Serie, eine Reihe von 50 Lithographien, ist ebenfalls außergewöhnlich. Die Abwesenheit der für Joan Miró so charakteristischen leuchtenden Farben überrascht: Stattdessen ist die ganze Serie in Schwarz-Weiß gehalten. Die Lithographien sind in der Fundación Joan Miró in Barcelona ausgestellt.

Picasso und Guernica

Der berühmte Künstler aus Málaga hat die Bombenanschläge auf Guernica zeitlebens nicht verwunden. Am 26. April 1937 warfen die Nazi-Legion Condor und die Mussolini-Faschisten Tausende Granaten über der kleinen Provinz Bizkaia ab.

Das deutsch-italienische Massaker an der Zivilbevölkerung erfolgte zur Unterstützung des spanischen Diktators Francisco Franco. Während des Angriffs, der um die drei Stunden dauerte, wurden insgesamt 31 Tonnen Bomben abgeworfen. Über 1.600 Zivilisten kamen dabei ums Leben, und die Stadt lag fast vollständig in Trümmern, wie es in den Archiven des Museo de la Paz de Guernica belegt ist.

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Bildquelle: ©Museo Reina Sofía

Ausgerechnet eine Eiche, bekannt als der Baum von Guernica, hielt dem Angriff stand. Diese Eiche vor dem Casa de Juntas de Guernica, dem Sitz des Parlaments der Provinz Bizkaia, ist für die Basken ein wichtiges Symbol der Freiheit.

Noch im selben Jahr malte Picasso sein berühmtestes Werk. Es wurde von der Regierung der spanischen Republik im Exil in Auftrag gegeben. Ziel war es, das Bild auf der Pariser Weltausstellung zu zeigen und so für internationale Unterstützung in der republikanischen Sache zu werben.

Heute befindet sich das 8 x 3,5 Meter große Wandbild im Museo Reina Sofía in Madrid. Zuvor war es bis 1981 auf ausdrücklichen Wunsch des Künstlers im MOMA in New York ausgestellt.

Das Werk wurde als großes Werbeplakat konzipiert und wurde zum Symbol für die Grausamkeit der Gefechte und der Unmenschlichkeit des spanischen Bürgerkriegs. Heute gilt es als eines der größten Kunstwerke des 20. Jahrhunderts.