Was ist eine Kulturhauptstadt?

Der Titel "Kulturhauptstadt Europas" wird seit 1985 vergeben. In den ersten Jahren gab es stets eine einzige Kulturhauptstadt, 1999 und 2000 hingegen fünf. Seit 2012 tragen jeweils zwei Städte für die Dauer eines Jahres diesen Ehrentitel. Sie bekommen ihn vom Rat der Europäischen Union verliehen, wenn sie sich in einem mehrstufigen Bewerbungsverfahren gegen ihre Mitbewerber durchgesetzt haben.kulturhauptstadt-1024x680.jpg

Was ist das Besondere an einer Kulturhauptstadt?

Mit der Auszeichnung als Kulturhauptstadt, die auch an weniger bekannte, aber immer kulturhistorisch hochinteressante Städte verliehen wird, soll für ein besseres Kennenlernen und größeres Miteinander der Menschen Europas und der Welt geworben werden. Verschiedene Kulturen können sich intensiv mit all ihren Facetten vorstellen und sorgen so für ein besseres Verständnis untereinander.

Was passiert, wenn eine Stadt zur Kulturhauptstadt ernannt wurde?

In dem Jahr, in dem sich eine Stadt als "Europäische Kulturhauptstadt" besonderer nationaler und internationaler Aufmerksamkeit erfreut, buhlen viele themen- und genreübergreifende Projekte um die Aufmerksamkeit der Gäste, um die international geworben wird. Zusätzlich zum "normalen" Kulturalltag finden Hunderte Veranstaltungen, wie Konzerte oder Ausstellungen, statt. Mindestens genauso wichtig für eine Nominierung als Kulturhauptstadt sind die gut geplanten nachhaltigen Vorhaben, denn sobald eine Stadt auserwählt wurde, fließen viele Gelder in die Infrastruktur sowie in den Erhalt, die Sanierung und Restaurierung von Kunstwerken und wertvoller Bausubstanz.

Manche Städte leisten sich im Vorfeld sogar komplett neue Kulturzentren, von Konzerthallen bis zu Museen. Das ist eine Investition in die Zukunft, denn nicht nur die Zeit als Kulturhauptstadt löst einen wahren Touristenansturm aus, auch in den Jahren danach profitieren die Städte von ihrer Bekanntheit und dem anhaltenden kulturellen Niveau. Das ist nicht nur gut fürs internationale Renommee, sondern auch für das Wirtschaftswachstum der Stadt.valetta-1024x682.jpg

Wie wird eine Stadt Kulturhauptstadt?

Sowohl der Stolz auf die Heimat und ihre unverwechselbare Geschichte, Kunst und Kultur als auch die Aussicht auf eine nachhaltige Weiterentwicklung und zahlreiche zusätzliche Gäste veranlasst viele Städte, sich um den Titel zu bewerben. Das muss bereits sechs Jahre vor einer eventuellen Ernennung geschehen. Die endgültige Entscheidung fällt zwei Jahre vorher. In dieser Zeit müssen alle Vorbereitungen getroffen und alle Events durchgeplant werden. Für jedes Jahr werden zwei Länder festgelegt, die eine Kulturhauptstadt nominieren dürfen. Am Beispiel Deutschland, das im Jahr 2025 wieder an der Reihe ist, heißt das für eine Jury, unter mehreren Bewerbern eine Stadt auszuwählen. Dabei geht es um gut umsetzbare und originelle Ideen für das Kulturjahr, um die Einbeziehung der Bevölkerung und um die generelle Bedeutung für die europäische Kultur.kulturhauptstadt-athen-1024x671.jpg

Welche Stadt erhielt als erste den Titel?

Die erste Kulturhauptstadt war die griechische Hauptstadt Athen. Auch drei deutsche Städte durften sich schon mit dem Zusatz schmücken: West-Berlin (1988), Weimar (1999) sowie Essen und das Ruhrgebiet als "RUHR 2010" (2010). 2025 erhält wiederum eine deutsche Stadt die Ehre. In 34 Jahren gab es insgesamt 60 Kulturhauptstädte in Europa. Bis 1998 hießen die ausgewählten Städte noch "Kulturstadt Europas". Es gibt übrigens auch eine jährliche Kulturhauptstadt der arabischen Welt und eine Hauptstadt der islamischen Kultur.

Was sind die Evaluierungskriterien zur Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas?

Für Bewerbungen ab dem Jahr 2020 wurden sechs Evaluierungskriterien festgelegt, die im Verfahren zur Beurteilung der Bewerbungen für künftige Kulturhauptstädte Europas herangezogen werden. Alle Bewerberstädte zu einer Kulturhauptstadt Europas müssen ihre Bewerbungen entsprechend dieser Anforderungen ausarbeiten. Die zu bewertenden Kriterien sind in diesen Kategorien zusammengefasst:
  • Langzeitstrategie
  • Europäische Dimension
  • Kulturelle und künstlerische Inhalte
  • Umsetzungsfähigkeit
  • Erreichung und Einbindung der Gesellschaft
  • Verwaltung.