Was ist Katastrophentourismus?

Unter Katastrophentourismus versteht man eine Art des Reisens, bei der es vor allem um Schaulust nach einem Katastrophenfall geht. Inzwischen hat sich in diesem Zusammenhang auch der Begriff "Dark Tourism" (Schwarzer Tourismus) etabliert, der auch Besuche an historischen Stätten einschließt, an denen einst schreckliche Dinge passiert sind. Das können beispielsweise Konzentrationslager oder Kriegsschauplätze sein.katastrophentourismus-1024x470.jpg

Warum ist Katastrophentourismus so beliebt?

Das Phänomen, dass Menschen an Orte pilgern, an denen schreckliche Ereignisse oder Naturkatastrophen passiert sind, ist nicht neu. Das zeigt beispielsweise der frühere Begriff "Schlachtenbummler" für Besucher von Kriegsschauplätzen. Viele möchten solche Schauplätze mit eigenen Augen sehen, um das Passierte besser nachvollziehen zu können. Dabei ist der Grat zwischen Aufarbeitung der Vergangenheit und reiner Sensationslust mitunter allerdings schmal.ground-zero-1024x682.jpg

Welche Sehenswürdigkeiten gelten als Ziele von Katastrophentourismus?

Katastrophentourismus kann sowohl als Gruppenreise als auch im Rahmen von Individualreisen stattfinden. Neben temporären Schauplätzen für Katastrophentourismus - zum Beispiel beim Elbehochwasser im Jahr 2002 oder bei der Havarie des Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia im Jahr 2012 - gibt es weltweit auch zahlreiche Orte, die zu diesem Zweck seit vielen Jahren oft besucht werden. Unten haben wir Euch eine Liste mit den meistbesuchten Orten zusammengestellt.
  • Killing Fields in Kambodscha: Unter der grausamen Herrschaft der Roten Khmer wurde ein Drittel der gesamten Bevölkerung ausgelöscht. Die Menschen wurden von der Stadt aufs Land zu den sogenannten Killing Fields getrieben. Auch Kinder wurden hier zu Tode geprügelt. An einem Baum erinnern zahlreiche Armbänder noch heute an das schreckliche Verbrechen.
  • Tschernobyl in der Ukraine: Seit der Atomkatastrophe im Jahr 1986 ist die Gegend rund um den Unglücksort Sperrzone und die Menschen mussten ihre Heimat verlassen. Inzwischen gibt es Touren in die verlassene Stadt Prypjat - inklusive Zutritt zur Sperrzone und zum Kraftwerkkomplex!
  • Konzentrationslager wie Dachau und Ausschwitz: Damit die schlimmen Verbrechen des Nationalsozialismus nicht in Vergessenheit geraten, wurden in den Konzentrationslagern Gedenkstätten eingerichtet. Im Rahmen einer Führung werden Besuchern die schrecklichen Bedingungen und das unvorstellbare Leid der Menschen nähergebracht.
  • Schlachtfeld von Verdun in Frankreich: Im französischen Verdun erinnert ein Meer aus weißen Kreuzen an die etwa 300.000 Soldaten, die im Ersten Weltkrieg bei einer der verlustreichsten und blutigsten Schlachten ums Leben kamen. Dieses Mahnmal für den Frieden zeigt, welch bedeutendes Gut der Zusammenhalt in Europa ist.
  • Ground Zero in New York, USA: Nach den Terroranschlägen auf die Zwillingstürme des World Trade Center im Jahr 2011 klaffte mitten in Manhattan ein riesiges Loch in der Erde. Am sogenannten Ground Zero wurde inzwischen eine Gedenkstätte errichtet, die jedes Jahr von Millionen Besuchern aus aller Welt besichtigt wird.
  • Pompeji in Italien: Bereits im Jahr 79 nach Christus kostete ein gewaltiger Vulkanausbrauch in der Nähe von Neapel Tausende Menschen das Leben. Sie wurden von einer riesigen Aschewolke lebendig begraben. Die versteinerten Leichen können bei einem Rundgang durch die gigantische Ausgrabungsstätte besichtigt werden.
  • Hiroshima in Japan: Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde im Jahr 1945 die weltweit erste Atombombe über der japanischen Stadt Hiroshima abgeworfen. Tausende Menschen verloren dabei ihr Leben oder hatten mit dauerhaften Folgeschäden zu kämpfen. Eine Atomruine erinnert als Mahnmal heute an dieses traurige Ereignis.
hiroshima-1024x682.jpg Während sich an einige dieser Orte nur wenige Touristen verirren, gehören viele dieser Stätten auch zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten im jeweiligen Land. Der Katastrophentourismus ist ein kontroverses Thema. Manchmal wirkt ein Besuch solcher Orte einfach nur respekt- und geschmacklos, oft dient er aber auch dazu, die Geschichte und Situation eines Landes besser zu verstehen und greifbarer zu machen.