Ganz Frankreich hat sich für die Fußball-Europameisterschaft herausgeputzt und erwartet seine Gäste. Besonders Paris, die Stadt der Liebe und der Lichter, lockt mit seinen Parks, Boulevards und Flaniermeilen. Auch wenn es nur übers Wochenende ist.

Gastbeitrag von i-ref

Aussicht vom Hotel

Ok, Flug und Hotel zum Vorzugspreis bei Expedia gebucht und dann das: Regen! Das ist allerdings noch lange kein Grund, den ganzen Tag die weiße Decke im Hotel anzustarren und Trübsal zu blasen, denn auch im Regen verliert Paris nichts von seiner Magie und bietet genug Zerstreuung neben den Spielen in den Stadien.

Wie ihr 48 Stunden in Paris perfekt ausnutzen könnt, auch wenn es der Himmel nicht so gut mit euch meint, zeigen wir euch in unserem Tagebuch. Bonne Voyage!

Früher Vogel...

Samstag, 8:30 Uhr: Frühstück auf der Dachterrasse des Terrass' Hotel Montmartre

Wie könnte ein Wochenende besser beginnen als mit einem reichhaltigen Frühstück, das von der weiten Aussicht über die Dächer der Stadt untermalt ist? Das Hotel liegt perfekt dafür am Montmartre, der höchsten natürlichen Erhebung der Stadt, und ist einer der wenigen Orte, die sowohl eine bebaute Dachterrasse wie auch Freiflächen bieten. Regen ist also kein Hindernis. Für 25 Euro könnt ihr von 7 bis 10.30 Uhr so viel essen, wie ihr wollt. Das appetitliche Buffet bedient jeden Frühstücks-Typen: Luftgetrocknete Salami, würziger Käse und geräucherter Lachs für die Deftigen, frischer Obstsalat, butterweiche Croissants und raffinierte Konfitüren für die Süßen. Man speist in stilvoller Atmosphäre, zwischen Leder und Holz-Dekor und hat Dank der großen Fensterflächen von jedem Platz einen grandiosen Blick auf Paris.

Samstag, 11 Uhr: Noch mehr kulinarische Genüsse auf dem Marché St. Germain-des-Près

Marché

Im Zeichen des guten Geschmacks geht es auch weiter. All die Köstlichkeiten, die Frankreichs Küche so berühmt machen, kommen in Paris nämlich an einem Ort zusammen: Den Märkten!

Neben den Wochenmärkten gibt es in fast jedem Arrondissement auch eine überdachte Markthalle, die bei jedem Wetter öffnet. Der Marché Saint Germain beispielsweise liegt mit seinen hübschen Arkadengängen mitten im Viertel Saint-Germain-des-Près und versammelt die ganze kulinarische Vielfalt des Landes unter seinem Dach: Wein aus dem Bordelais, Austern aus der Bretagne, Gemüse aus dem Loire-Tal, Kräuter aus der Provence, deren betörender Duft die Luft erfüllt. Wer höflich fragt, darf natürlich überall kosten, denn hier ist jeder Einkauf auch eine persönliche Begegnung.

Es empfiehlt sich, am frühen Morgen oder vormittags zu kommen, denn zu dieser Zeit sind die Auslagen der Händler noch reich gefüllt und ihr lauft nicht Gefahr, vor heruntergezogenen Jalousien zu stehen. Den ältesten überdachten Markt von Paris findet man übrigens im Marais: Der Marché des Enfants Rouges geht bis ins Jahr 1615 zurück!

Schokolade geht immer

Samstag; 13:30 Uhr: Zu Besuch bei den besten Chocolatiers und Konditoren der Stadt

Gourmet

Zu einem vollständigen französischen Menü gehört das Dessert wie der Eiffelturm zu Paris. Deshalb treten in der ganzen Stadt Konditoren, Bäcker und Chocolatiers in einen Wettstreit um die Gunst der Kunden und den Ruf als Meister ihrer Zunft. Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass es eine Gourmet-Tour für Liebhaber französischer Backwaren und Schokoladen gibt, die im Voraus bei Expedia buchbar ist und garantiert ein seliges Lächeln aufs Gesicht zaubern wird, das auch beim stärksten Regen nicht verschwindet.

Nach einer kurzen und informativen Einführung in die Geschichte des Kakaos in Europa, in Anbauverfahren und Pflanzenarten, begleitet euch der Guide, ein Lebemann und Gourmand mit Wurzeln in der Schweiz, zu den besten Patisserien und Schokoladen-Manufakturen in Saint Germain.

Obwohl man schon beim Anblick der virtuos dekorierten Schaufenster in helle Aufregung verfällt, kommt es noch besser: Bei jeder Station dürft ihr euch nämlich eine Auswahl zum Probieren zusammenstellen, was angesichts der kleinen KGourmet 3unstwerke leichter gesagt, als getan ist. Pralinen, Macarons, Éclaires und kühne Kombinationen, die funkensprühend am Gaumen explodieren und jedem den Kopf verdrehen. Wer bisher nicht an die Liebe geglaubt hat, hier findet man sie.

Etwa drei Stunden dauert die Tour, beschränkt sich aber keinesfalls allein auf die besuchten Geschäfte, sondern bietet nebenbei noch ausreichend Gelegenheit, das vornehme Viertel mit den kundigen Erläuterungen und Tipps des Guides kennenzulernen. Die Wege zwischen den einzelnen Stationen sind so kurz, dass auch schlechtes Wetter kein Grund ist, auf dieses Erlebnis verzichten zu müssen. Und im Falle eines plötzlichen Wolkenbruchs flüchtet man sich eben ins nächste Schokoladengeschäft.

Samstag: 17 Uhr: Ein Naturkundeausflug mitten in der Stadt

Das Deyrolle ist eines dieser Beispiele, welche Überraschungen bisweilen hinter den verzierten Türen von Paris darauf warten, entdeckt Deyrollezu werden. Im Erdgeschoss scheint das Gebäude mit der holzvertäfelten Fassade in der Rue du Bac ein Geschäft für Hobbygärtner und Pflanzenfreunde zu sein. Steigt man aber über die gewundene Treppe ins Obergeschoss, glaubt man, auf der Arche Noah gelandet zu sein.

Unzählige Tierpräparate - von der kleinen Wüstenrennmaus zum mächtigen Löwen - drängen sich in ein von Vitrinen mit Bildbänden und Sammelzubehör gesäumtes Kabinett und zieht man die Schubladen der schweren Schränke aus dunklem Holz heraus, stößt man auf Käfer, Spinnen und bunte Schmetterlinge. Die Besonderheit: Jedes ausgestellte Objekt trägt ein kleines Preisschild und steht genauso zum Verkauf wie alles andere in dieser Galerie der zoologischen Kuriositäten. Wie viel man bezahlen muss, um sich stolzer Besitzer eines Löwen nennen zu dürfen? Sagen wir mal so: Es gibt wenige Reisekassen, die davon nicht gesprengt würden....

Verschnaufpause am Abend

Samstag, 18 Uhr: Lesepause in der Buchhandlung Shakespeare & Co.

Nach so viel Aufregung und Anstrengung für Magen und Beine schreit der Körper nach einer Pause, einem kurzen Moment des Innehaltens. Am besten klappt das mit einem Buch in der einen und einem Kaffee in der anderen Hand. Der ideale Ort dafür ist die Buchhandlung Shakespeare & Company am linken Ufer der Seine, in Sichtweite der Kathedrale Notre Dame. Der zweistöckige Laden, dessen Wände über und über mit neuen und antiquarischen Werken englischsprachiger Literatur bedeckt sind, blickt auf eine bewegte und illustre Geschichte zurück: 1919 gegründet, im Zweiten Weltkrieg geschlossen, unter neuem Besitzer wiedereröffnet. Ernest Hemingway ging ein und aus, später trafen sich die Dichter der Beat Generation hier und vor ein paar Jahren drehte Woody Allen Szenen für seinen Film "Midnight in Paris" in den schummrigen Räumen mit den niedrigen Decken. Kein Wunder also, dass viele Touristen kommen, um dem Geist dieses Ortes nachzuspüren. Trotzdem kann man sich immer noch wunderbar in die matt beleuchteten Ohrensessel und Couchecken zurückziehen, während draußen der Regen gegen die Scheibe prasselt oder die gerade erstandene Lektüre mit ins Café nebenan nehmen, das ebenfalls zur Buchhandlung gehört.

Shakespeare

Samstag, 19.30 Uhr: Aperitif & Dinner an der Sorbonne

Hinterhalb des Buchladens erstreckt sich das Studentenviertel von Paris rund um die sehenswerte Universität Sorbonne bis zum Pantheón, wo die großen Persönlichkeiten der französischen Geschichte begraben liegen. Wenn das Licht langsam aus dem Tag weicht, wird es hier vor allem an den Wochenenden richtig lebendig. Die Bars und Restaurants am Place de la Sorbonne oder entlang der Rue de la Montagne Sainte Geneviève sind dann gefüllt mit jungen, gutaussehenden Menschen, weshalb es sich empfiehlt, vorher zu reservieren, wenn ihr plant, dort zu Abend zu essen. Vor dem eigentlichen Hauptgang nimmt man traditionsgemäß noch einen Aperitif, zu dem luftgetrocknete Salami, Schinken oder Ziegenkäse serviert wird. Im Restaurant L'écritoire am Place de la Sorbonne beispielsweise bekommt ihr einen reich gefüllten Teller mit zweierlei Pasteten, Salami, Schinken, Camembert, Brie und Salat für etwa 15 Euro.

SorbonneBars

Nachtleben

Samstag, 21 Uhr: Drinks in der Brasserie Le Progrès

Um den Abend ausklingen zu lassen, fahren wir ans rechte Ufer der Seine, wo sich zwischen den Metro-Stationen République, Oberkampf und Saint-Sébastien-Froissart das Ausgehviertel von Paris aufspannt. Einmal ausgestiegen, könnt ihr ganz nach persönlicher Vorliebe zwischen schummrigen Bars, neon-grellen Cocktailhöllen und ungeheuer atmosphärischen Brasserien entscheiden, die meisten davon zeigen auch die Spiele der EM. Wir landen schließlich in der Brasserie Le Progrés in der Rue de Bretagne. Ein Tipp: Solange die Temperaturen nicht gerade unter den Gefrierpunkt fallen, unbedingt an einender Bistrotische vor den Lokalen setzen. Dank der typischen Markisen behält man auch bei Regen trockene Füße und kann wunderbar Leute beobachten, die durch die nächtlichen Straßen der nächsten Bar zustreben.

Frühstücken auf Französisch

Sonntag, 9 Uhr: Frühstück in der Boulangerie Gontran Cherrier

FrühstückBäckerei

Der nächste Tag beginnt mit einem Frühstück in der Boulangerie Gontran Cherrier, die sich ganz in der Nähe unseres Hotels an der Ecke der Rue Caulaincourt und der Rue Durantin befindet.

Das Pain au Chocolat, das zusammen mit einem Kaffee und einem Baguette mit Erdbeermarmelade serviert wird, ist noch ganz warm und die dickflüssige Schokolade im Inneren zwingt jeden Morgenmuffel in die Knie. Man sitzt auf Barhockern an einer Anrichte, die direkt an die großen Schaufenster gebaut ist, sodass man die entspannte Geschäftigkeit eines Sonntagmorgens, an dem die Leute nur darum bemüht sind, möglichst lange in den Cafés sitzen zu bleiben, in sich aufsaugen kann, während das Pain au Chocolat langsam auf der Zunge zergeht.

Kunst und Kultur

Sonntag, 11 Uhr: Spaziergang durch Montmartre zur Sacré-Coeur

Wenn man schon in Montmartre ist, sollte man es nicht versäumen, einen Spaziergang durch das Viertel zu unternehmen. Auch bei Regen! Also Schirm aufgespannt und los. Der Weg hinauf durch die schmalen Gassen mit den vielen Künstlerateliers und steilen Stufen bis zur Kirche Sacré-Coeur entlohnt nämlich allemal. Man passiert all die Theater und Varietés, die am Tag frischen Atem für die Nacht holen, geht an Akkordeonspielern vorbei und beginnt zu verstehen, warum dieses Viertel so viele Menschen aus aller Welt anzieht. Oben angekommen, scheinen sich übrigens alle gleichzeitig versammelt zu haben. Die Aussicht über die Stadt ist trotzdem atemberaubend.

Sacré-Coeur

Sonntag, 13.30 Uhr: Kunstgenuss im Centre Pompidou

Die Museen von Paris zählen zu den berühmtesten der Welt. Im 4. Arrondissement, nur einige Schritte von der Fanmeile am Rathaus entfernt, steht eines von ihnen. Das CePompidountre Pompidou ist schon allein von außen ein Spektakel: Es trägt sein Innenleben nach außen. Rote, gelbe, blaue und grüne Rohre sowie verglaste Rolltreppenschächte ziehen sich an der Fassade nach oben und lassen das riesenhafte Gebäude wirken wie eine Fabrik. Von der Dachterrasse hat man an schönen Tagen einen Blick über die ganze Stadt. Im Inneren befindet sich das größte Museum für zeitgenössische Kunst in ganz Europa. Mehr als 70 000 Werken von solch herausragenden Namen wie Picasso, Kandinsky, Chagall und Matisse, dazu etliche Sonderausstellungen, das Zentrum für Industriedesign und eine Bibliothek finden auf den sechs Etagen Platz. An Sonntagen ist der Eintritt generell frei, weshalb ihr das Ticket unbedingt vorher online erwerben solltet, um lange Schlangen und Wartezeiten zu vermeiden. Dieser Ratschlag gilt aber für alle Museen in Paris.

Nochmal die Kreditkarte zum Glühen bringen

Sonntag, 17 Uhr: Shopping und Flanieren im Marais

Direkt hinter dem Centre Pompidou, auf der anderen Seite der Rue Beaubourg gewissermaßen, beginnt der Marais. Dieses Viertel ist etwas Besonderes, weil es nicht nur in seiner Ursprünglichkeit erhalten geblieben, sondern auch das historische Zentrum des jüdischen Lebens in Paris ist. Marais1c

Auch heute noch sieht man viele jüdische Geschäfte und Restaurants, die sich mit hippen Cafés und Boutiquen mischen, in denen man die Kunst der Franzosen bestaunen kann, jede noch so kleine Kleinigkeit in ein Kunstwerk verwandeln zu können. Handgeschöpfte Papiere neben handgemachten Seifen, futuristische Leuchten neben furchtbar minimalistischen Möbeln. Das hat zwar alles seinen Preis, lädt aber zum Flanieren ein, weil man einfach von einem Laden zum nächsten hüpfen kann.

Wer eine kleine Pause vom Flanieren und Shoppen braucht, sollte sich unbedingt in das winzige Boot Café in der Rue du Pont aux Choux setzen oder einen kurzen Stopp in der Buchhandlung ohne Namen in der Rue Pavée einlegen!

Abschied nehmen

Sonntag, 18:30 Uhr: Eine schnelle Crêpes auf die Hand

Bei so viel Trubel kann es schon mal passieren, dass man die Zeit vergisst. Vielleicht auch ein bisschen mit Absicht, denn weg möchte man hier nicht mehr. Aber es hilft ja nichts, der Rückflug startet in zwei Stunden. Also noch schnell eine gezuckerte Crêpes von der Crêperie in der Rue des Rosiers auf die Hand (wer es deftiger mag, geht nebenan zu L'As du Fallafel, wo es angeblich die besten Falafel der Stadt gibt), das Gepäck im Hotel abgeholt und nichts wie los zum Gare du Nord, wo der RER zum Flughafen abfährt.

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Sonntag, 21:00 Uhr: A bientôt, Paris!

Sitzt man erstmal im Zug, hat man ca. 45 Minuten Zeit, sich innerlich auf den Abschied vorzubereiten und all die Eindrücke, die man in den letzten 48 Stunden gesammelt hat, mal sacken zu lassen. Dann fährt der RER in den Flughafen ein und man weiß: Nun endet dieser Besuch in Paris. Aber man weiß auch, dass dieser Abschied nur ein "Bis bald!" ist. Auch, wenn die EM dann schon vorbei ist.