Winterberg im Sauerland

Hinter den merkwürdigsten Namen versteckt Deutschland seine größten Schätze. Wie zum Beispiel das Sauerland - eine Region, die definitiv zu den unterschätzten Ecken unseres Landes gehört. Die Mittelgebirgsregion in Westfalen beherbergt unter anderem das Hochsauerland, das aufgrund seiner landschaftlichen Schönheit bei Besuchern aus Deutschland und den Nachbarländern besonders beliebt ist.

Ein guter Ausgangspunkt für einen aktiven Urlaub ist Winterberg. Wie der Name schon sagt, ist die knapp 13.000 Einwohner zählende Kleinstadt besonders im Winter ein Besuchermagnet: Skifahren, Langlauf und Snowtubing sind nur einige Aktivitäten, mit denen Winterberg in den kalten Monaten aufwartet. Als Austragungsort von Weltcuprennen im Bob- und Rennrodelsport erlangte Winterberg sogar internationale Berühmtheit.

Taxi-Bob: Mit 130 km/h durch den Eiskanal

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Die meisten von uns kennen die VELTINS EisArena noch von den WOK-WMs mit Stefan Raab. Dass der Eiskanal aber nicht nur für Profi-Bobfahrer und TV-Prominenz zugänglich ist, wissen die wenigsten. Denn in Winterberg ermöglicht der Veranstalter Olympic Bob Race auch Normalsterblichen eine rasante Fahrt im Taxi-Bob. Dabei füllen jeweils ein erfahrener Pilot und drei Gäste einen 4er-Bob. Anders als im Profisport muss aber keiner aus dem Team anschieben - das übernehmen die Helfer von außerhalb.

Und dann geht es auch schon los: 60 Sekunden Adrenalin pur. Mit bis zu 130 km/h brettert der 4er-Bob 1.600 Meter den Eiskanal nach unten. Was sich in der ersten Kurve noch ziemlich entspannt anfühlt, steigert sich von Meter zu Meter. Die Kraft, die während der Bobfahrt auf den Körper wirkt, ist kaum auszuhalten - gegen Mitte der Strecke erreicht sie ein Vierfaches des Eigengewichts. Dazu kommt, dass der Bob in jeder Kurve ein Stück weiter nach oben katapultiert wird, sogar bis zu vier Meter hoch. Spätestens dann gilt nur noch: Zähne zusammenbeißen, Kopf gerade halten und das einzigartige Gefühl genießen.

Interessanterweise endet die wilde Fahrt genau dann, wenn die Bobinsassen glauben, dem Druck nicht mehr standhalten zu können. Wenn der Eiskanal vor den eigenen Augen verschwimmt und der Kopf nur noch von rechts nach links geschleudert wird. Der dadurch entstehende Adrenalinschub ist mit Worten kaum zu beschreiben. Und auch wenn die Fahrt im Taxibob mit 90 Euro nicht ganz günstig ist, lohnt sich dieses unglaubliche Erlebnis auf jeden Fall.

Für alle Schneehasen: Das Skiliftkarussell Winterberg

Wer nach der Fahrt im Eiskanal noch immer nicht genug Adrenalin getankt hat, dem sei ein Besuch im Skiliftkarussell Winterberg empfohlen. Das Wintersportgebiet ist ein Zusammenschluss diverser Skigebiete - unter anderem der Wintersport-Arena Sauerland, dem Postwiesen-Skigebiet und dem Skigebiet Willingen - und verbindet mehrere Berge und Täler miteinander.

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Mit 590 bis 810 Meter Höhe (der höchste Berg ist der Kahle Asten) liegt das Skiliftkarussell im Vergleich zu den Alpen relativ niedrig. Dennoch bietet das Skigebiet eine gute Auswahl an leichten, mittelschweren und sogar einer schwarzen Piste. Geübte Skifahrer werden sich nach dem ersten Skitag wohl zu langweilen beginnen. Familien und Einsteiger aus der Region und dem angrenzenden Holland fühlen sich in Winterberg dagegen richtig wohl. Ein echtes Highlight ist auch das Flutlichtskifahren im Skiliftkarussel, das jeden Freitag und Samstag von 18:30 bis 22:00 Uhr stattfindet.

Rund um Winterberg: Was hier sonst noch geboten ist

Wer lieber im Tal bleiben möchte, kann sich auf 50 Kilometer Loipen austoben, die der Verkehrsverein jedes Jahr maschinell spurt. Ein riesiger Spaß für Jung und Alt ist auch das Snowtubing im nahe gelegenen Ort Züschen. Hier werden Besucher in einem Reifen vom Schlepplift den Berg hochgezogen. Oben angekommen geht es dann direkt weiter in den Schneekanal. Dort legt der Reifen ziemlich schnell an Geschwindigkeit zu und wird richtig hoch in die Kurven katapultiert. Unten angekommen startet dann die nächste Runde. Achtung, Suchtgefahr!

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Das Städtchen Winterberg ist übrigens auch einen Besuch wert. Auf den ersten Blick wirkt der kleine Ort wie ein verschlafenes Nest, in dem nicht allzu viel los ist. Richtig schön sind aber die Fußgängerzone und der Marktplatz: Hier reihen sich kleine Läden, Boutiquen und Sportgeschäfte aneinander, die zu einem winterlichen Einkaufsbummel einladen. Danach kann in einem der vielen Restaurants und Cafés die regionale Küche gekostet werden.

Das Etwas Andere Museum

Nur ein paar Autominuten von Winterberg liegt auch ein wirklich sehenswertes Mini-Museum: Das Eishäuschen in Hallenberg, das vom Eiskünstler Joachim Knorra regelmäßig mit faszinierenden Eisskulpturen bestückt wird. Das ehemalige Kühlhaus für die Dorfbewohner empfängt jeden ersten und dritten Samstag im Monat von 15:00 bis 17:00 Uhr Besucher.

Oft ist es in der Heimat doch am schönsten

Deutschland hat so viele schöne Ecken und das Sauerland ist eine davon. Der alte Spruch "Warum in die Ferne schweifen,..." trifft hier definitiv ins Schwarze. Wunderschöne Landschaften, jede Menge (Winter-)Sportmöglichkeiten und die Gastfreundlichkeit der Einheimischen - da braucht es nicht immer einen 2.000er-Gipfel oder ein exotisches Reiseziel. Und in Regionen wie dem Sauerland dauert es garantiert nicht lange, bis wir unsere Heimat Deutschland wieder so richtig zu schätzen wissen.