Die deutschen Nationalparks bedecken gerade einmal ein halbes Prozent der Fläche des Landes. Zusammen mit dem riesigen Wattenmeer - ebenfalls ein als Park ausgewiesenes Naturschutzgebiet - zählen sie aber zweifellos zu den schönsten Flecken Deutschlands. Hier erlebt Ihr hautnah seltene Tiere oder Pflanzen, denn in den Parks darf die Natur noch Natur sein und wird bestmöglich geschützt.

Die Idee dafür ist bereits über 150 Jahre alt und entstand in den USA. Hierzulande gab es zwar schon vor rund hundert Jahren einige Naturschutzgebiete, aber mit dem Nationalpark Bayerischer Wald öffnete erst 1970 ein offizieller Nationalpark in Deutschland. Bis heute zählt er zu den zehn schönsten deutschen Nationalparks, die Ihr hier im Überblick kurz kennenlernen könnt.

1. Sächsische Schweiz in Sachsen

saechsische-schweiz.jpg?1554983594Gut 40 Kilometer südlich von Dresden findet Ihr den Nationalpark Sächsische Schweiz. Eines der beliebtesten Ziele hier ist die Bastei - eine beeindruckende Felsformation, durch die sich eine Brücke mit unvergesslichem Panoramablick zieht. Aber auch andere Aussichtspunkte wie der Ferdinandstein bieten eine spektakuläre Fernsicht bis über das Elbtal. Vielleicht sucht Ihr von hier oben aus aber auch eine Herausforderung zum Klettern, denn mit über 1100 frei stehenden Felsen und mehr als 20.000 Kletterwegen ist die Sächsische Schweiz ein Paradies für alle Freeclimber.

Genauso könnt Ihr Natur und Landschaft auch etwas entspannter beim Wandern auf einem 400 Kilometer langen Wegenetz entdecken. Vielleicht zeigen sich Euch dabei auch einige Mufflons oder Gämsen, die vor allem im Ostteil des Parks anzutreffen sind.

2. Bayerischer Wald

bayerischer-wald.jpg?1554998418Der älteste Nationalpark Deutschlands erstreckt sich im Osten Bayerns an der Grenze zum Nachbarland Tschechien. Er ist seit Jahrzehnten ein beliebtes Wandergebiet und zeigt abseits seiner Wege riesige Wälder, Moore oder Gebirgsbäche und Bergseen in rund 1000 Meter Höhe.

Die größten Gipfel des Bayerischen Waldes - wie der Große Arber oder der Große Rachel - erheben sich sogar auf über 1450 Meter. In einem riesigen Freigehege dazwischen könnt Ihr Braunbären, Wildkatzen oder Wölfe erleben. Und auch in der freien Natur des Bayerischen Waldes zeigen sich Euch manchmal seltene Tierarten wie der Biber, Luchse oder Schwarzstörche. Ihr könnt sie auf eigene Faust suchen oder Ihr folgt den ausgewiesenen Erlebniswegen, die zu den verschiedenen Highlights dieses Nationalparks führen.

3. Nationalpark Schwarzwald

schwarzwald.jpg?1554998624Der Schwarzwald ist einer der jüngsten Nationalparks in Deutschland und trägt diesen Titel erst seit 2014. Seine dichten Wälder mit vielen Wanderwegen und Erlebnispfaden oder auch Wintersportmöglichkeiten waren aber schon immer ein beliebtes Ausflugs- oder Urlaubsziel zu jeder Jahreszeit.

Jetzt, wo der Mensch nicht mehr in die Natur eingreift, zeigt sich der Schwarzwald langsam aber sicher immer urwüchsiger. Das freut vermutlich auch seine tierischen Bewohner: zum Beispiel den schnellsten Vogel der Welt, den Wanderfalken, oder die kleinste Eule Europas, den weniger als 20 Zentimeter großen Sperlingskauz. Aber seid vorsichtig, wenn Ihr Euch an Felsen oder auf Steinhalden bewegt, denn auch die giftige Kreuzotter ist hier zu Hause.

4. Nationalpark Harz

Harz.jpg?1555589339Hexen, Trolle, Riesen oder das legendäre Brockengespenst - um die Wälder des Harzes und seinen höchsten Berg, den Brocken, ranken sich viele Legenden. Dem Brockengespenst könnt Ihr sogar wirklich begegnen, wenn Ihr Euch an einem der über 300 Nebeltage zu Fuß oder mit der Brockenbahn auf den Weg zum Gipfel des Berges macht. Es ist der nebelreichste Ort Europas und die graue Suppe lässt Schatten viel größer erscheinen, als sie tatsächlich sind. Das hat schon Johann Wolfgang von Goethe erschreckt. Als er um 1780 herum seine Harzreise unternahm, sah er auch noch einige der letzten Luchse, bevor diese größte europäische Katzenart ausgerottet wurde. Seit dem Jahr 2000 lebt der Luchs nun wieder im Harz- im Luchsgehege an den Rabenklippen begegnet Ihr ihm. Und noch mehr tierische Harzbewohner zeigen sich häufig an den Wildtier-Beobachtungsstationen Odertal und Molkenhaus.

5. Naturpark Eifel

eifel.jpg?1555589674Ein Naturschutzgebiet wird erst dann zum echten Nationalpark, wenn 30 Jahre mindestens drei Viertel der Fläche sich selbst überlassen wurden. In der 2004 geschaffenen Schutzzone Eifel bekommt Ihr einen guten Eindruck, wie sehr sich die Natur auch in weniger Jahren schon verändern kann. Bringt Ihr vier Tage Zeit und gutes Schuhwerk mit, zeigt sich das auf dem 85 Kilometer langen Wildnis-Trail durch die Eifel in allen Facetten. Aber auch schon ein Tagesausflug in die Eifel bringt Euch direkt in eine unberührte Natur mit mehr als 10.000 Arten aus Fauna und Flora - darunter viele seltene oder vom Aussterben bedrohte Tiere und Pflanzen. Zu später Stunde lohnt genauso ein Besuch des Sternenparks in der Eifel, wo weit und breit kein einziges künstliches Licht den faszinierenden Blick auf den Sternenhimmel und unsere Milchstraße stört.

6. Nationalpark Berchtesgaden

berchtesgaden.jpg?1555589959Der Nationalpark Berchtesgaden ist eine besondere Schutzzone, denn es ist der einzige Hochgebirgs-Nationalpark Deutschlands. Hier seht Ihr den zweithöchsten Berg des Landes, den 2713 Meter hohen Watzmann.

Wollt Ihr Euch durch den Park bewegen, habt Ihr die Wahl zwischen Routen für Wanderer und anspruchsvolleren Trails für Bergsteiger. In den Hochlagen findet Ihr hier bis in den Sommer hinein Schnee. Dort versteckt sich auch der Funtensee. Er ist Deutschlands kältester Ort, an dem schon eine Temperatur von minus 45,9 Grad gemessen wurde. In diesem besonderen Klima fühlen sich einige Tiere trotzdem wohl. So könnt Ihr hier beispielsweise Steinböcken, Murmeltieren oder Schneehasen treffen. Oder Ihr entdeckt bei einem Blick in den Himmel einen seltenen Steinadler.

7. Nationalpark Hunsrück-Hochwald

Hunsr%C3%BCck-Hochwald.jpg?1556011829Foto Credit: Ingo Ronner via Flickr

Hunsrück-Hochwald zählt ebenfalls zu den sehr jungen Nationalparks in Deutschland. 2015 wurde er eröffnet. Alte, ausgedehnte Buchenwälder, Moore, aber auch bunte Arnikawiesen kennzeichnen sein Gesicht. Auf Ranger-Touren könnt Ihr diese Landschaft entdecken und erfahrt von Euren Reiseführern dabei viel über die Naturlandschaft und Bewohner wie Fledermäuse, Wildkatzen oder Schwarzstörche. Ihr dürft aber genauso allein durch den Park streifen oder mit dem Mountainbike Hunsrück-Hochwald erkunden. Dazu gibt es viele, zum Teil preisgekrönte Wanderwege, die Euch an die schönsten Plätze im Park oder zu historischen Stätten wie einer rekonstruierten Keltensiedlung führen. Weitere Einblicke in die Geschichte gewährt Euch dazu das Fossilienmuseum oder das alte Bergwerk Herrenberg.

8. Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft

Vorpommersche_Boddenlandschaft.jpg?1556011235Foto Credit: Heinz Bunse via Flickr

Der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft ist ein Muss für jeden Vogelfreund. Hier brüten seltene Küstenvögel und dazu tummeln sich Wildenten oder Schwäne. Jedes Jahr im September wird es besonders voll. Denn dann fliegen Zehntausende Graukraniche auf ihrem Weg nach Süden ein und machen an Mecklenburg-Vorpommerns Ostseeküste kurz Station. Während Ihr in anderen Parks meist zu Fuß oder auf dem Rad unterwegs seid, kommt Ihr in der Boddenlandschaft am besten mit Booten voran. Denn über 80 Prozent dieser Naturschutzzone sind Wasserflächen. Und dort sehr Ihr dann Tiere wie den einzigen in der Ostsee lebenden Wal, den Schweinswal, und auch Seehunde oder Kegelrobben in freier Wildbahn.

9. Hamburgisches Wattenmeer

wattenmeer.jpg?1556011103Das riesige Wattenmeer der Nordsee mit rund 800.000 Hektar Fläche ist gleich in drei Nationalparks unterteilt. Das Hamburgische Wattenmeer ist dabei das kleinste Biosphärenreservat. Es erstreckt sich von der westlichen Elbmündung bis hin zu den Nordseeinseln Neuwerk, Nigehörn und Scharnhörn. Die Landschaft ist vom Wechsel der Gezeiten bestimmt. Zweimal am Tag zieht sich das Nordseewasser zurück und gibt große Teile der Wattlandschaft frei. Dann finden Wattführungen oder Wattkutschfahrten statt. Über 2000 Tierarten leben hier. Circa 250 davon könnt Ihr nur in den für das Wattenmeer typischen Salzwiesen antreffen. Viele Seevögel brüten dort und im Wechsel der Jahreszeiten wird der Nationalpark zur wichtigen Station für Küstenvögel auf dem Ostatlantischen Zugweg. Kegelrobben, Seehunde und Schweinswale leben hier ständig. Am besten seht Ihr sie bei einer Schiffsfahrt auf die Inseln vor der Küste.

10. Nationalpark Jasmund

jasmund.jpg?1556010994Das Wahrzeichen des Nationalparks Jasmund kennt wahrscheinlich jeder. Es ist der Königsstuhl - besser bekannt als Kreidefelsen von Rügen. Er ist bereits seit gut 100 Jahren geschützt, weil damals Kreideabbau das einzigartige Naturdenkmal bedrohte.

Eine Aussichtsplattform in gut 120 Meter Höhe gewährt heute einen weiten Blick auf die umgebende Küste und die Ostsee. Manchmal reicht die Sicht sogar bis nach Schweden. Ganz in der Nähe erzählt das Nationalpark-Zentrum in einer multimedialen Ausstellung die Milliarden Jahre umfassende Geschichte der Entstehung dieses UNESCO-Welterbes oder die Pflanzen und Tiere, die Ihr hier sehen könnt. Daneben führen Euch viele Wanderwege direkt durch den kleinsten deutschen Nationalpark mit seinen typischen Buchenwäldern und Mooren. Dort zeigt sich euch viel Wild, aber manchmal auch der seltene Seeadler.

Jeder dieser deutschen Nationalparks ist einzigartig. Besucht sie einfach und erlebt selbst, wie sich auch im dicht besiedelten Deutschland die Natur noch ungestört in ihrer ganzen faszinierenden Vielfalt ausbreiten kann.