Ihr kennt die Situation sicher: Beim Check-out aus dem Hotel stellt man fest, dass der Betrag auf der Hotelrechnung etwas höher ist als erwartet. Es hat sich eine Tourismusabgabe eingeschlichen.

In vielen Ländern werden auf den Übernachtungen Abgaben erhoben, die in erster Linie dazu dienen, die Infrastruktur für Touristen zu verbessern. Aber auch das Marketing der Urlaubsorte wird oft mit diesen Tourismusabgaben finanziert.

Wir haben uns erkundigt, wie die Situation in den Reiseländern aussieht, in denen die Deutschen am liebsten Urlaub machen. Hier erfährt Ihr, mit welchen zusätzlichen Kosten*) bei eurem Aufenthalt in der Ferne zu rechnen ist.

*) Die Tourismusabgaben sind laufenden Änderungen unterworfen. Bei den Angaben auf dieser Seite stützen wir uns auf Informationen, die uns im Juni 2019 zur Verfügung standen. Gewähr für die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Informationen können wir leider nicht übernehmen.

Tourismusabgaben in Spanien

Spanien ist bei Weitem das beliebteste Reiseziel der Deutschen. Die Balearischen Inseln allein empfangen mehr Gäste aus der Bundesrepublik als Griechenland und die Türkei zusammen.

  • Die Steuer für nachhaltigen Tourismus (IST oder Ecotasa) wurde 2016 auf den Balearen eingeführt, um Projekte zum Schutz der Umwelt zu finanzieren. Pro Person und Aufenthaltstag ist ein bestimmter Betrag zu entrichten, der sich nach einem detaillierten Schlüssel richtet. Einige Beispiele während der Hochsaison:

  • Campingplätze, Herbergen und einfache Pensionen: 1 €

  • Kreuzfahrtschiffe, touristische Ferienwohnungen: 2 €
  • Hotels der Kategorien 3 Sterne Superior und 4 Sterne: 3 €
  • 5-Sterne-Hotels: 4 €

Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre sind von der Abgabe befreit, und nach dem neunten Aufenthaltstag in derselben Unterkunft sinkt die Steuer um die Hälfte. In der Nebensaison gelten zudem stark reduzierte Abgaben.

  • In den Hotels in Katalonien variiert die Tourismusabgabe zwischen 0,45 und 2,25 € pro Nacht, wobei die Abgaben in Barcelona tendenziell höher liegen als anderswo in der Region. In allen anderen Regionen Spaniens, einschließlich der Kanarischen Inseln und Andalusiens, müsst Ihr hingegen (noch) keine Tourismusabgaben bezahlen. Auf den Kanarischen Inseln wurde die Mehrwertsteuer durch die IGIC (Impuesto General Indirecto Canario) ersetzt, die aber in eurem Hotelpreis eingeschlossen sein sollte.

Tourismusabgaben in Italien

Kompliziert ist die Lage in Italien, wo jede Gemeinde entscheiden kann, ob sie eine Tourismusabgabe verlangen will.

Die Höhe der Abgabe, die hier Tassa di Soggiorno heißt, richtet sich meist nach der Hotelkategorie. In der Regel müsst Ihr zwischen 1 und 4 € pro Person und Übernachtung rechnen.

  • Für Hotels in Venedig und in Florenz gilt die Regel: pro Hotelstern 1 €, also beispielsweise 5 € in einem 5-Sterne-Hotel.

Zusätzlich zur Bettensteuer erwägen einige der beliebtesten Orte, Eintrittspreise einzuführen.

  • So müssen in Venedig Besucher, die nicht übernachten, sondern nur für einen Tagesbesuch kommen, seit 2019 ein Eintrittsgeld bezahlen, das je nach Andrang unterschiedlich hoch ausfällt.
  • In der malerischen Ortschaft Civita di Bagnoregio beträgt der Eintrittspreis 5 €,
  • in Polignano a Mare sind in der Weihnachtszeit, wenn der Ort festlich beleuchtet ist, ebenfalls 5 € zu entrichten.

Tourismusabgaben in Österreich

Überall in Österreich wird eine Ortstaxe oder Beherbergungsgebühr erhoben. Die Höhe dieser Abgabe variiert von Bundesland zu Bundesland und oft auch von Gemeinde zu Gemeinde.

  • Für Hotels in Wien gilt eine Ortstaxe von 3,2 Prozent des Preises für die Übernachtung. In allen Gemeinden des Bundeslandes Oberösterreich sind einheitlich 2 € pro Tag zu entrichten.
  • Innsbruck hat die Ortstaxe Ende 2018 von 1 auf 2 € erhöht, während im
  • Ötztal im Winter 3 €, im Sommer 2,50 € zu bezahlen sind.

Tourismusabgaben in der Türkei

Da freut sich die Urlauberin und der Urlauber reibt sich die Hände: In der Türkei gibt es keine Tourismusabgaben, einzig die Mehrwertsteuer, die aber in der Regel bereits im Übernachtungspreis enthalten ist.

Tourismusabgaben in Skandinavien

Zwar heißt es immer, die Skandinavier seien Weltmeister im Besteuern, doch kennen Schweden, Dänemark und Finnland keine Tourismusabgaben.

In Norwegen wurde die Einführung einer nationalen Abgabe diskutiert, aber abgelehnt.

Immerhin erhielten die norwegischen Gemeinden das Recht, eine Steuer einzuführen, sodass in den beliebtesten Destinationen (Nordkap, Lofoten, Bergen) demnächst mit der Einführung einer Bettensteuer zu rechnen ist.

Tourismusabgaben in Griechenland

Seit Anfang 2018 gilt in ganz Griechenland eine einheitliche Übernachtungssteuer pro Person und Tag, die nach der Kategorie der Unterkunft unterteilt ist:

  • Ferienwohnungen: 0,50 €
  • 1- und 2-Sterne-Hotels: 0,50 €
  • 3-Sterne-Hotels: 1,50 €
  • 4-Sterne-Hotels: 3 €
  • 5-Sterne-Hotels: 4 €

Je nachdem, in welchem Hotel in Griechenland Ihr übernachtet, müsst Ihr daher mit einigen Mehrkosten rechnen.

Tourismusabgaben in Kroatien

In Kroatien wurde die Tourismusabgabe 2019 auf 10 Kuna pro Tag erhöht. Das entspricht ungefähr 1,35 €, die einheitlich in allen Unterkünften außer Campingplätzen zu bezahlen sind.

Tourismusabgaben in Frankreich

Die französische Taxe de séjour ist abhängig von der Unterkunftsklasse und beträgt pro Nacht zwischen 0,20 und 4,00 € pro Person.

Die Bandbreite beträgt je nach Kategorie:

  • 1-Sterne-Hotel: 0,20 - 0,60 €
  • 2-Sterne-Hotel: 0,30 - 0,90 €
  • 3-Sterne-Hotel: 0,50 - 1,50 €
  • 4-Sterne-Hotel: 0,70 - 2,30 €
  • 5-Sterne-Hotel: 0,70 - 3,00 €
  • Kategorie Palaces: 0,70 - 4,00 €

In einzelnen Regionen werden zusätzliche Gebühren erhoben, so gilt seit Anfang 2019 in der Region Ile-de-France, einschließlich Paris, ein Zuschlag von 15 Prozent auf die Grundtourismussteuer.

Tourismusabgaben in den Benelux-Staaten

  • In Belgien gelten von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedliche Sätze. In den Städten Antwerpen, Gent und Brügge ist mit Abgaben von rund 2,50 € pro Nacht und Person zu rechnen. Höher sind die Steuern in Brüssel, wo sie bis zu 7,50 € pro Zimmer betragen können.

  • In den Niederlanden fällt sowohl auf Campingplätzen als auch in Hotels die sogenannte Toeristenbelasting an, die je nach Gemeinde zwischen rund 2 und 6 Prozent des Übernachtungspreises beträgt. Teurer ist auch hier die Hauptstadt: In Amsterdam gilt seit Anfang 2019 eine Abgabe von 7 Prozent, und die Einführung einer zusätzlichen fixen Steuer von 5 bis 10 € pro Gast ist im Gespräch.

  • Keinerlei Touristenabgaben kennt hingegen das Großherzogtum Luxemburg.

Tourismusabgaben in Polen

Die City Tax - so heißt die Tourismusabgabe in Polen - beträgt in der Regel um die 2 Zloty, rund 0,50 € pro Nacht.

  • In Danzig werden beispielsweise 2,15 Zloty erhoben.

  • In Hotels in Warschau ist eine City Tax von 1,00 € pro Person und Nacht gebräuchlich, der zum Tageskurs in Zloty umgerechnet wird, bevor er auf der Rechnung erscheint.

Fazit: Der Urlauber zahlt mehr, doch Reisen bleibt lohnend

Viele Länder und Regionen, die bisher noch keine Tourismusabgabe kannten, spielen mit dem Gedanken, eine einzuführen. Bestehende Kurtaxen steigen. Und die heißesten Destinationen lassen sich neue Einnahmequellen einfallen. Das alles führt dazu, dass der Urlaub teurer wird.

Doch eins ist sicher: Reisen ist eine so tolle und bereichernde Erfahrung, dass - Tourismusabgabe hin oder her - immer mehr Menschen davon profitieren werden. Vielleicht habt Ihr nach der Lektüre über die Höhe der Tourismusabgaben an den Hotspots und den größeren Städten auch Lust auf einen Urlaub in der Natur?