Aït-Ben-Haddou in MarokkoBei weltbekannten Filmkulissen, denkt man zuerst natürlich an Hollywood. Aber wusstest Du, dass in der Wüste Marokkos eine florierende Filmindustrie entstanden ist? Wusstest Du, dass hier Szenen für den Blockbuster "Gladiator" mit Russel Crowe entstanden sind und dass "Lawrence von Arabien" auch schon hier war? In den Städten Aït-Ben-Haddou und Ouarzazate sind einige sehr bekannte Hollywood-Filme entstanden. Beide Orte möchte ich Dir näher vorstellen.

Aït-Ben-Haddou ist eine traditionelle Wüstenstadt etwa 200 Kilometer von Marrakesch entfernt. Es gibt in Marrakesch viele Touranbieter, die Tagesausflüge anbieten. So brauchst Du also schon mal kein eigenes Auto, um dorthin zu kommen.

Aït-Ben-Haddou in Marokko

Warum solltest Du nach Aït-Ben-Haddou fahren?

Einmal ist Aït-Ben-Haddou eine wunderbare Sehenswürdigkeit, die sogar seit 1987 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes ist. Die Wüstenstadt trägt auch die Ksar. Dieser Name umschreibt traditionelle befestigte Siedlungen in der Wüste Marokkos. Und so sieht Aït-Ben-Haddou auf den ersten Blick auch aus. Es ist eine mächtige Stadt mit hohen Mauern, die an die Hänge eines Berges gebaut wurde. Sie wirkt aber eher wie eine überdimensionale Sandburg, die irgendjemand hier aufgebaut hat. Dazwischen wurden ein paar Palmen platziert und fertig ist ein echtes Highlight mitten in der Wüste.

Vor der Stadt fließt ein Fluss, der ständig Wasser führt. Das ist auch der Grund, warum Aït-Ben-Haddou genau hier gegründet wurde. Denn früher führte eine der großen Karawanen-Routen zwischen Marrakesch und Timbuktu durch die Stadt. Das Wasser des Flusses war essentiell für die Kamele. Um in die Stadt zu kommen, musst Du zuerst diesen Fluß queren. Die meisten nutzen die Brücke, aber es gibt auch einen direkten Weg über ein paar große Steine im Fluß.

Einmal wie Russel Crowe in Gladiator kämpfen

Zwischen den Palmen passierst Du den wohl bekanntesten Filmschauplatz. Auf dem unscheinbaren runden Sandplatz wurde eine der ersten Szenen aus dem Hollywood-Film "Gladiator" gedreht.

Russel Crowe wird hier als Sklave Maximum zum Gladiator ausgebildet und bestreitet in der Arena seinen ersten Kampf aus. Zusammen mit Ralf Möller kämpfen die beiden in dieser Szene um ihr Leben. Während des Films zieht die Kamera öfter mal auf und im Hintergrund ist Aït-Ben-Haddou zu sehen. An der Seite von Ralf Möller metzelt er sich durch die Szene. Im Hintergrund blitzt ab und zu die Silhouette von Aït-Ben-Haddou durch.

Durch den Status als UNESCO-Weltkulturerbe darf an Aït-Ben-Haddou nicht verändert werden. Deswegen wurde die Arena nach den Dreharbeiten leider wieder abgerissen und so erinnert heute nur noch ein sandiges Rund an den berühmten Film. Das hält aber die überwiegend männlichen Touristen nicht davon ab, sich in einem fiktiven Gladiatorenkampf in der "Arena" eine heftige Phantasie-Schlacht zu liefern. Das ist wirklich sehr lustig anzusehen.

Von hier aus gelangst Du dann über eines der Tore direkt in die Stadt. Bei einem Blick in die Häuser fällt auf, dass hier viele Poster von Russel Crowe hängen. Die Bewohner Aït-Ben-Haddous schätzen Russel Crowe besonders, denn er hat ihren Erzählungen nach viel Zeit mit ihnen verbracht. Während die anderen Schauspieler unter sich blieben, genoß Russel Crowe es, Zeit mit den Einheimischen zu verbringen.

Neben "Gladiator" wurden unter anderem auch die FIlme "Alexander", "Himmel über der Wüste" und "Die Mumie" gedreht. Angeblich stammt das Tor direkt am Fluß noch von dem Set des Films "Prince of Persia" und konnte stehen bleiben, weil es außerhalb des von der UNESCO geschützten Bereichs aufgebaut wurde.

Aït-Ben-Haddou in Marokko

Daenerys Targaryen und Game of Thrones waren auch schon in der Stadt

Seinen letzten internationalen Auftritt hatte Aït-Ben-Haddou in "Game of Thrones". In der dritten Staffel stellt die Sklavenstadt Yunkai dar, die von Daenerys Targaryen und ihrem Heer belagert wird. Aber ohne es zu wissen, wirst Du Aït-Ben-Haddou nicht erkennt, denn die Special Effects-Künstler haben reife Arbeit geleistet und einige Elemente ergänzt.

Es gibt rund um Aït-Ben-Haddou zwei wunderbare Aussichtspunkte. Einer davon ist die Spitze des Hügels, an dessen Rändern die Stadt gebaut wurde. Von hier hast Du einen wunderbaren Blick über die Stadt und siehst sogar die schneebedeckten Gipfel des Atlas-Gebirges. Der interessantere Aussichtspunkt ist der Hügel vor der Stadt. Er ist nicht ganz leicht zu besteigen, aber einmal auf seiner Spitze liegt die komplette Stadt Aït-Ben-Haddou zu Deinen Füßen. Das Panorama ist einfach wunderbar. Links der Fluss, dann folgt die große Wüstenstadt Aït-Ben-Haddou und all das vor dem atemberaubenden Hintergrund des Atlas-Gebirges. Rechts am Rand dieser idyllischen Szene siehst Du von hier aus auch die Reste der Arena aus "Gladiator".

Besichtigung der Filmstudios im Hollywood Marokkos

Neben den vielen Szenen, die in der Wüstenstadt Aït-Ben-Haddou entstehen, wird auch viel in den umliegenden Filmstudios gedreht, die in der etwa 30 Kilometer entfernten Stadt Ouarzazate zu Hause sind. In den CLA Studios und den Atlas Corporation Studios werden hauptsächlich sogenannte Sandalenfilme gedreht. Also solche Filme, die Geschichten aus der Bibel behandeln.

Das wohl bekannteste Studio, die Atlas Corporation Studios, diente aber auch schon als Kulisse für den Film "Kundun" von Martin Scorsese oder "Asterix und Obelix: Mission Kleopatra".
Leider sind die Atlas Corporation Studios nicht immer für Besucher zugänglich. Wir hatten bei unserem Besuch leider Pech und mussten mit dem Musée du Cinema vorliebnehmen. Hier werden die Original-Requisiten und Kostüme aus den vielen Bibel- und Jesusfilmen ausgestellt.

Direkt gegenüber des Museums kannst Du auch noch eine weitere Wüstenfestung besichtigen. Die Kasbah Taourirt diente in der Vergangenheit bereits auch schon mehrmals als Kulisse. Hier wurden einige Szenen für "Sieben Jahre in Tibet" mit Brad Pitt gedreht.

Wegen der vielen internationalen Filme, die hier gedreht wurden, trägt Ouarzazate auch den inoffiziellen Beinamen "Hollywood Marokkos".

Ouarzazate in Marokko