Prag, 1633. Bei Einbruch der Dämmerung werden die Tore verschlossen. Die Straßen gehören einem Mann mit einer Hellebarde, einer Laterne und so einem Einstellungsproblem, wie man es nur bekommt, wenn seit mehreren Jahrhunderten niemand deine Arbeit zu schätzen weiß. Dreihundert Jahre später ist er immer noch da draußen – und ausnahmsweise mal ist er gut genug gelaunt, um dich mitkommen zu lassen.
„Der Prager Nachtwächter“ ist ein 90-minütiger Rundgang durch die Altstadt nach Einbruch der Dunkelheit, geleitet von einem Führer in voller Kostümierung aus dem 17. Jahrhundert, der seinen Job beunruhigend ernst nimmt. Vergiss die geschönte Version der Prager Geschichte, die du aus einem Reiseführer bekommst. Das ist die Version mit Hinrichtungen, Seuchen, Bränden und solchen Geschichten, die ziemlich überzeugend erklären, warum die Leute früher bei Sonnenuntergang ihre Türen verschlossen und drinnen blieben.
Was du erleben wirst:
Auf einer Strecke von etwa 1,5–2 km durch die Prager Altstadt, die am Pulvertor beginnt und an der Karlsbrücke endet, wird dein Nachtwächter:
- Dir genau erzählen, was sich im Juni 1621 auf dem Altstädter Ring ereignet hat, als an einem einzigen Tag 27 protestantische Führer öffentlich hingerichtet wurden – die Kreuze stehen immer noch dort, die meisten Touristen wissen nur nicht, worauf sie gerade stehen
- Ich nehme dich mit ins Estates-Theater, wo Mozarts „Don Giovanni“ seine Weltpremiere feierte – und erkläre dir, warum Prag und nicht Wien diese Ehre zuteilwurde
- Erläutere die überraschend detaillierten Brandschutzvorschriften im mittelalterlichen Prag, von denen einige mit Bier zu tun haben
- Finde heraus, warum der Mann, der die Karlsbrücke gebaut hat, sie nie überquert hat
- Zeig mal den traditionellen Hornruf des Nachtwächters – laut und ohne Vorwarnung
Die Tour endet, wie es sich für jede gute Nachtwächter-Schicht gehört, mit einem Gruppenfoto auf der Karlsbrücke und einem Führer, der euch fröhlich erzählt, dass er jetzt loszieht, um zu überprüfen, ob alle Türen abgeschlossen sind.
Für wen diese Tour gedacht ist:
Diese Tour ist genau das Richtige für alle, die Geschichte lieber durch Geschichten als durch Gedenktafeln kennenlernen möchten. Du brauchst keinerlei Vorkenntnisse über Prag, mittelalterliches Recht oder die Durchsetzung der Ausgangssperre im 17. Jahrhundert – wir werden all das behandeln, und zwar so detailliert, dass du das Kopfsteinpflaster nicht mehr als selbstverständlich hinnehmen wirst.
Das Angebot eignet sich besonders gut für Besucher am Abend, die nach Museumsschluss noch etwas unternehmen möchten, sowie für Geschichtsinteressierte, die die ungeschönte Version suchen. Familien sind herzlich willkommen; der Inhalt ist stellenweise düster, aber eher theatralisch als explizit, und Kinder erinnern sich oft noch jahrelang an die Geschichten über die Henker.
Trage bequeme Schuhe. Die Altstadt ist schon viel länger mit Kopfsteinpflaster gepflastert, als es deine Knöchel überhaupt gibt.
Wir sind ein 2016 gegründetes Familienunternehmen aus Prag. Außerdem bieten wir „Der Pestdoktor von Prag“ (Der Schwarze Tod und fragwürdige Medizin des 18. Jahrhunderts) sowie „Die Kunst des Geschichtenerzählens“ an, einen professionellen Workshop zum Geschichtenerzählen für Unternehmen und Einzelpersonen.