Herr Professor Hirschfelder, warum lieben die meisten Menschen Weihnachten?

Prof. Dr. Gunther Hirschfelder: Damit ist eine romantische Vorstellung, ein tiefe Sehnsucht nach Traditionalismus und Harmonie verbunden. Und der Wunsch nach dem Wiederauflebenlassen magischer Kindheitserinnerungen.

Seit wann gibt es denn das, was wir uns unter einem traditionellen Weihnachtsfest vorstellen?

Prof. Dr. Gunther Hirschfelder: Erst im 19. Jahrhundert wurde Weihnachten zu einem bürgerlichen Fest mittlerer Bedeutung. Aber bis in die 1930er-Jahre hinein wurde es eigentlich nur mit einem großen Festgottesdienst gefeiert. Und erst in den letzten 50 Jahren fand ein Wandel von einem christlichen zu einem jahreszeitlichen Fest, einem winterlichen Dekorationsmotiv statt. Ein wirklich "traditionelles" Weihnachten gibt es also eigentlich gar nicht.

Mit dem ursprünglichen Anlass des Festes, der Geburt Jesu, hat Weihnachten nicht mehr viel zu tun, oder?

Prof. Dr. Gunther Hirschfelder: Neulich führten Regensburger Studenten eine Straßenumfrage durch. Das Ergebnis: Nur 8 Prozent der Befragten wussten genau, was an Weihnachten eigentlich gefeiert wird. Oft kam "irgendwas mit Gott" oder "damit wir Geschenke bekommen".

In wie vielen Ländern weltweit wird denn Weihnachten gefeiert?

Prof. Dr. Gunther Hirschfelder: Trotz dem schwindenden Einfluss der Kirche, in allen Ländern mit christlicher Tradition. Aber natürlich hat die Globalisierung auch vor Weihnachten nicht halt gemacht. In asiatischen Großstädten, wie zum Beispiel in Singapur, gibt es deshalb seit einigen Jahren auch Weihnachtsmärkte. Dort geht es zu wie auf dem Rummelplatz und große Firmen kippen sich mit ihren Mitarbeitern original deutschen Glühwein hinter die Binde. Eine Entsprechung im Privaten gibt es in nicht-christlichen Gegenden aber dazu nicht.

Die Orchard Road in Singapur verwandelt sich jedes Jahr zu Weihnachten in ein farbenprächtiges Lichtermeer.
Die Orchard Road in Singapur verwandelt sich jedes Jahr zu Weihnachten in ein, für die einen farbenprächtiges, für die anderen kitschiges Lichtermeer.

Wie ist die Globalisierung von Weihnachten noch zu spüren?

Prof. Dr. Gunther Hirschfelder: Überall wo es einen "Global Lifestyle" gibt, gibt es heute auch Weihnachten: In jedem großen internationalen Hotel steht im Dezember ein mit glitzerndem Schmuck überladener Christbaum in der Lobby und die Einkaufsstraßen locken mit festlicher Beleuchtung, Dauerbeschallung mit Weihnachtsschnulzen und speziellen Angeboten. Konsumkapitalismus pur.

Gibt es denn noch Fleckchen auf der Erde, wo man von Weihnachten noch nie etwas gehört hat?

Prof. Dr. Gunther Hirschfelder: Bei einigen afrikanischen Naturvölkern ist das sicher so.

Gibt es noch Reisealternativen für Weihnachtsmuffel, die dem Rummel aus dem Weg gehen wollen?

Einer der schönsten und größten Weihnachtsmärkte der Welt findet sich in Prag.
Einer der schönsten und größten Weihnachtsmärkte der Welt findet sich in Prag.

Prof. Dr. Gunther Hirschfelder: In Kairo und in mittelägyptischen Provinzen hat man mit Weihnachten ebenso wenig am Hut, wie in weiten Teilen Israels, Indiens und natürlich Chinas.

Und wo würden Sie hinfahren, wenn Sie in Weihnachtsstimmung kommen wollen?

**Prof. Dr. Gunther Hirschfelder:** Nach Prag. Auf dem Altstädter Ring, dem zentralen Marktplatz der Stadt findet jedes Jahr einer der größten Weihnachtsmärkte der Welt statt. Den finde ich persönlich sehr schön.