Das Meer ist Gegenstand vieler Gemälde. Doch welches sind die Werke, die wirklich Geschichte geschrieben haben? Von Botticelli bis Magritte - wir haben die 10 berühmtesten Darstellungen für Euch zusammengestellt.

1. Die Geburt der Venus

Dieses Prachtstück, zweifellos das bekannteste Werk von Sandro Botticelli und eines der berühmtesten Renaissancegemälde, gehört zu den Highlights der Galleria degli Uffizi. Die Figuren im Vordergrund, allen voran die bezaubernde Venus, dominieren das Bild, sodass die Meereslandschaft im Hintergrund fast in Vergessenheit gerät. Und doch ist es dort, das Meer ... das Wasser gekräuselt von den Winden des Zephyros als Symbol für die Kräfte der Natur. In diesem Meeresschaum wurde die Göttin geboren, die nun, rein und vollkommen und in einer Muschelschale stehend, ihren Blick in Richtung des Betrachters schweifen lässt.

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2. Das Floß der Medusa

Auf einer Fläche von fünf mal sieben Metern erzählt dieses Kunstwerk von dem Drama eines Schiffbruchs. Théodore Géricault begann 1818 daran zu arbeiten und benötigte über ein Jahr, um das Gemälde fertig zu stellen. Es entstand ein Werk, das mit seinem tragischen und ausdrucksvollen anatomischen Realismus zur Ikone der französischen Romantik wurde. In diesem Fall wird nicht nur die generelle Kraft der Natur, sondern auch ihre zerstörerische Seite eindrucksvoll dargestellt. Wir sehen den Menschen, der den Gewalten des Meeres völlig hilflos ausgesetzt ist: Das tiefgrüne Wasser bildet einen starken Kontrast zu der Blässe der Personen, verzehrende Wellen stürzen sich in einem wilden Sturm auf die Schiffbrüchigen, die von Schmerz und Verzweiflung gezeichnet sind. Als Quelle der Inspiration für viele Künstler - aus verschiedensten Epochen und Ländern -zählt Das Floß der Medusa ohne Zweifel zu den schönsten Werken des Louvre.

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3. Impression, Sonnenaufgang

Im Gegensatz zu Das Floß der Medusa, einem äußerst tragischen und stürmischen Meeresgemälde, wirkt Impression, Sonnenaufgang geradezu seelenruhig. Dargestellt sind die Gewässer eines Hafens (in Le Havre, Normandie), die in der Morgendämmerung eines nebligen Tages von leichten Spiegelungen und sanften Bewegungen belebt werden. Dieses Werk des französischen Malers Monet ist nicht mehr aus der Kunstgeschichte wegzudenken, schließlich verlieh es dem Impressionismus seinen Namen. Nicht zuletzt die Technik der Freilichtmalerei, bei der der Künstler unter freiem Himmel und bei natürlichen Lichtverhältnissen arbeitet, verleiht dem Bild seine Einzigartigkeit. Das Meer dient hier als inspirierende Muse für den Maler, der mit kurzen Pinselstrichen eine Landschaft aus Lichtern, Reflektionen und Impressionen auf die Leinwand zaubert.

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4. The Fighting Temeraire

Wie Géricault gehört auch William Turner zu den bedeutendsten Malern der Romantik und gilt gleichzeitig als direkter Vorläufer des Impressionismus. Berühmt wurde Turner vor allem durch seine Landschaftsbilder und Meeresgemälde, auf denen immer wieder Stürme und Schiffbrüche zu sehen sind, die den Betrachter mit einer Art "reizvollem Grauen" überrollen. In The Fighting Temeraire verliert das Meer jedoch seine gewaltvolle Natur und es entsteht Raum für eine fast romantische Harmonie. Doch es ist eher Wehmut als Romantik, die der hier erzählten Geschichte anhängt: Turner stellt den "Tod" der Temeraire dar, einem heroischen Kriegsschiff der Royal Navy, das nach seinem ehrenhaften Dienst in der Schlacht von Trafalgar zu seinem letzten Ankerplatz geschleppt wird, um dann abgewrackt und von neuen Dampfern ersetzt zu werden. Mit seiner geschickten Verwendung von Licht und Farben huldigt der Künstler dem Lebensabend dieses Schiffes, das auf eine glorreiche Vergangenheit zurückblickt.

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5. Die große Welle vor Kanagawa

Dies ist wahrscheinlich das - zumindest in Europa - berühmteste japanische Gemälde. Der Künstler Hokusai schuf diesen Farbholzschnitt durch das Bearbeiten von Druckplatten aus Holz im Jahr 1830. Das Bild zeigt drei Fischerboote, die von den hohen Wellen des stürmischen Meeres umgeben sind. Im Hintergrund ist der mit Schnee bedeckte Gipfel des Berges Fuji zu sehen. Wasser, Mensch und Erde vermischen sich in einer harmonischen Komposition aus Weiß und Blau, dominiert von einer großen, gebogenen Welle im Vordergrund, die unumstritten der Hauptdarsteller dieses Werkes ist. Das Meer wird hier zum bevorzugten Naturthema, das mithilfe von einfachen und gleichzeitig eleganten Bildern einen unmittelbaren Kommunikationskanal eröffnet. An Ästhetik ist dieses Werk kaum zu übertreffen.

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10. Junges Mädchen, am Fenster stehend

**Salvador Dalì malte Junges Mädchen, am Fenster stehend in jungen Jahren, als er mit verschiedenen künstlerischen Herangehensweisen experimentierte, um seinen eigenen Stil zu finden. In diesem Fall ist nicht die Landschaft Herr über das Gemälde, sondern es entsteht ein Gleichgewicht durch die Komposition aus der blaugrauen Meeresfläche, die durch das Fenster zu erkennen ist, und dem Mädchen, das seinen Blick nach draußen richtet. Bei dem Mädchen handelt es sich um Aña Maria, der kleinen Schwester von Dalì. In seinen Zwanzigern malte er sie häufig, wobei dies wohl das berühmteste Portrait von ihr ist, auch wenn sie dem Betrachter hier den Rücken zukehrt. Das Meer stellt in diesem Fall die Wiege der menschlichen Besinnlichkeit und Meditation dar und wirkt im Zusammenspiel mit einer unbeschwerten Szene des häuslichen Lebens.**

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Mit freundlicher Genehmigung des Museo Maria Sofia

7. La Rotonda dei bagni Palmieri

Das Gemälde des toskanischen Malers Giovanni Fattori gilt als eines der größten Meisterwerke der Künstlergruppe Macchiaioli aus dem 19. Jahrhundert Fattori wählt als Gegenstand seiner Malerei eine Gruppe aus sieben Frauen, die es sich an der Strandpromenade von Livorno gemütlich gemacht haben; es handelt sich hierbei um eine Szene des alltäglichen Lebens, die sich, gemäß der Tradition der Macchiaioli, von den typischen Themen des Klassizismus abhebt. Im Stil der Macchiaioli werden die Farben fleckenartig nebeneinandergesetzt, mit wenigen Konturen und dennoch kontrastreich. Der mutigen Experimentierfreudigkeit dieser Malerbewegung ist wohl zu verdanken, dass in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Italien zum ersten Mal von der Geburt einer "modernen" Kunst gesprochen werden konnte.

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8. Zwei laufende Frauen am Strand

In den Top 10 der Meeresgemälde darf Picasso natürlich nicht fehlen. In Zwei laufende Frauen am Strand sucht der Betrachter vergeblich nach den stürmischen Wellen eines Géricault oder den stimmungsvollen Lichtreflexen von Turner. Der Meister des Kubismus bringt mit schlichten, mediterranen Farben massive Formen auf die Leinwand, die überraschenderweise ihr eigenes Gewicht zu ignorieren scheinen: Die beiden Riesinnen wirbeln in einem Tanz voller Freiheit, Energie und Lebensfreude über den Strand, überwinden dabei alle physischen Barrieren und fügen sich in schwungvoller Harmonie in das Gesamtbild ein. Das Meer, der Himmel und die Erde werden in diesem Kontext zu einer wahren Errungenschaft des Menschen. Das Gemälde stammt aus den 1920er-Jahren, als Picasso die Sommer mit seiner Frau Olga und seinem Sohn Paulo in der Bretagne verbrachte. Für den Künstler war dies wohl eine besonders glückliche Zeit, zumindest erweckt dieses Werk den Eindruck.

9. Kreidefelsen auf Rügen

Die Malerei der Romantik widmet sich weitgehend Landschaftsthemen, insbesondere Meeresdarstellungen sind hier häufig anzutreffen. Kaum verwunderlich also, dass wir unserer Liste einen dritten Künstler dieser Epoche hinzufügen: Neben Géricault und Turner ist auch Caspar David Friedrich ein Held unter den "Meeresmalern", der, mehr noch als alle anderen, in seinen Werken das sogenannte "Gefühl des Erhabenen" zum Ausdruck bringt. Kreidefelsen auf Rügen ist eines der berühmtesten Werke des Malers. Die hohen, felsigen Bergwände, deren oberer Teil vom Laubwerk zweier Bäume im Vordergrund verdeckt wird, bilden einen kreisförmigen Rahmen, der den Blick auf das weite Meer freigibt. So manchem Betrachter mag bei diesem majestätischen Naturschauspiel Friedrichs vor Ehrfurcht fast der Atem stocken, so wie womöglich auch der im Gemälde dargestellten Person, die gedankenverloren in Richtung Horizont blickt. Nur durch das Betrachten der Natur kann der Mensch sich mit seinem Geist vereinen und Zugang zur Dimension des Erhabenen erhalten.

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10. La condition humaine II

Gemeinsam mit Dalì ist Magritte unumstritten der repräsentativste Künstler des Surrealismus. Sein Stil ist einzigartig: klare Formen, schlichte Farben, Gegenstände des alltäglichen Lebens, aus denen rätselhafte und unerwartete Bildkompositionen entstehen. Die Titel seiner Werke komplettieren den Überraschungseffekt der Gemälde, deren Interpretation eine Kunst für sich ist. In La condition humaine II widmet sich der belgische Maler dem Thema "Bild im Bild", das sich durch sein gesamtes künstlerisches Schaffen zieht. Der Gedanke dahinter ist mehr oder weniger der folgende: Das Bild ist nur ein Objekt, dass nicht so sehr die Realität, sondern viel eher die mentale Vorstellung des Künstlers von der Realität widerspiegelt. All das, was wir also als Teil der Außenwelt bezeichnen, ist eigentlich nichts anderes als eine Projektion unserer inneren Dimension. Das Meer ist hier das ausschlaggebende Element, um diese These zu belegen: Der Künstler "fixiert" es statisch und unbeweglich auf eine Leinwand. Wie kann dies dann aber als realistisch bezeichnet werden, wenn es doch keine Welle ohne Bewegung gibt? Das Meer Magrittes ist in seiner unwirklichen Unbeweglichkeit ein Sprachrohr für den menschlichen Zustand.