Deine größte Herausforderung während der Fashion Week in New York?

Isabelle Braun: Ganz banal: sich zurecht zu finden und von A nach B zu kommen. Denn bei diesem Verkehr kann man für eine Strecke zehn Minuten oder eine Stunde brauchen. Die größte Herausforderung war also für mich, alle geplanten Termine zu schaffen. Mein ultimativer Geheimtipp: die New York Offline Map als App aufs Smartphone laden, die später ohne Internet funktioniert. Auch wenn sie nicht zielgenau führt, zeigt sie immer die grobe Richtung - meine Rettung!

Tommy Hilfiger Presents Spring 2014 Women's Collection At Pier 94 - Runway
Tommy Hilfiger Show am Pier 94 in New York

Deine persönlichen Höhepunkte der Modewoche?

Isabelle Braun: Tommy Hilfiger bot die ausgefallenste und großartigste Location - aufgeschüttete Sanddünen mitten in der Stadt. Das urlaubsartige Setting direkt am Pier hat einem sofort das richtige Feeling für die Sommermode 2014 vermittelt. Bei Proenza Schouler gefiel mir besonders die stimmige Kollektion: trendige Hosenröcke und eine neue, verlängerte Silhouette, die äußerst elegant wirkt. Egal mit wem ich geredet habe, auf diese Show haben sich alle am meisten gefreut. Unglaublich, dass die beiden Designer, zwei sehr süße Jungs übrigens, innerhalb kürzester Zeit zum It-Label avanciert sind. Außerdem saßen Stars wie das ehemalige Supermodel Linda Evangelista in der Front Row, das verleiht einer Show natürlich Flair. Mein absolutes Highlight erlebte ich jedoch bei Victoria Beckham. Dort wurde ich von einer männlichen Security mit den Worten begrüßt: "Turn left please and nice Chloé Shoes by the way." Unglaublich, dass der Sicherheitsdienst mein Schuhlabel erkannt hat...

Befindet sich die Stadt während der Fashion Week im Ausnahmezustand?

Isabelle Braun: Das seit einigen Saisons existierende Streetstyle-Phänomen wird hier ad absurdum geführt. New York ist sowieso ein Ort, an dem sich Freaks wohl fühlen, weil sie ihre Exzentrik besser ausleben können als beispielsweise in Recklinghausen. Gerade am Lincoln Center, dem Dreh- und Angelpunkt der Fashion Week, bilden sich vor jeder skurril gekleideten Person riesige Menschentrauben. Das ist wie Studio 54 auf der Straße. Und es gibt inzwischen unglaubliche viele Fotografen, die alle dem perfekten Bild hinterher jagen. Doch neben dem sehr Exotischen sieht man auch viel Schönheit. Das zu Beobachten macht großen Spaß.

<figcaption>Legendär: das Soho House in New York</figcaption>
Legendär: das Soho House in New York

Falls dir noch Zeit bleibt: Welche Fashion Hotspots würdest du aufsuchen?

Isabelle Braun: Zum Shoppen geht's noch immer nach SoHo. Hier sind alle ganz verrückt nach Intermix, einem Laden der günstigere Looks und teure Designer mixt, die hier wiederum viel preiswerter sind. Bei dem Preis der Valentino Rockstud Sandalen dachte ich zuerst, es müsse eine Kopie sein. Gleich gegenüber befindet sich der J.Crew Shop, natürlich ein Muss. Und zum Outlet Shopping fahren viele ins Scoop NYC. Was Food angeht, ist hier der Cronut™-Hype ausgebrochen - das sind Donuts aus Croissant-Teig. Selbst Fashionistas schwärmen von der Dominique Ansel Bakery. Ich habe gehört, dass die Leute dafür stundenlang anstehen und nur zwei Stück pro Person verkauft werden. Für ein Dinner kann ich wärmstens das Restaurant The Beatrice Inn empfehlen. Tolle Location und sehr gutes Essen. Obwohl es etwas versteckt liegt, hat die Modeszene bereits hierher gefunden. Wer feiern möchte, hat im besten Fall eine Einladung für die Fashion Partys der Designer. Ansonsten ist die Dachterrasse im Soho House nach wie vor der Place to be.

Cronut Bakery
Dominique Ansel Bakery. Foto von Thomas Schauer

Isabelle Braun: Die großartige Maniküre und Pediküre ist ein Muss, die kleinen Läden gibt's an jeder Ecke. Und das nächste Mal möchte ich unbedingt einen Trip zum Rockaway Beach machen - das Underground Surfer Paradise von New York. Ich habe gehört, dass hier die coolsten Partys der Surfer Boys stattfinden. Wer weiß, wann diese Landzunge von den Massen entdeckt wird!

Worauf freust du dich am meisten in den folgenden Städten Mailand und Paris?

Isabelle Braun: In New York hat man das Gefühl, die haben das Business verstanden. Die wissen, dass Mode ein Geschäftszweig ist. In Mailand freue ich mich auf das Lebensgefühl. Die Italiener leben die Mode, denn sie ist Teil der Kultur. Dort sieht man selbst ältere Damen mit toll gemachten Haaren und Schmuck behängt auf dem Motorroller durch die Gegend fahren. In Italien herrscht immer und überall ein lässiger Umgang mit Mode. Sie wird als etwas Lebendiges gesehen, das einfach Spaß macht. Und in Paris zeigen natürlich die größten Designer und berühmtesten Labels ihre Kollektionen. Das mitzuerleben ist ein Geschenk.