Kaum war ich am Aeropuerto de Tenerife Norte gelandet, wo ich von den anderen 'modernen Weltentdeckern' Jenny, Antonio und Charlie freudig empfangen wurde, fuhren wir über kurvige Serpentinen direkt hinauf zum Pico del Teide. Ausgangspunkt für unseren Aufstieg zum Gipfel war der Parkplatz an der Landstraße TF-21 bei Km 40. Entgegen unserer Planung starteten wir allerdings erst recht spät gegen 19 Uhr unsere Wanderung auf dem Pfad 'Sendero 7', sodass wir uns beeilen mussten, vor Einbruch der Dunkelheit, die Bergstation Altavista zu erreichen, in der wir die Nacht verbringen wollten. Der erste Abschnitt dieses Pfades führt über die hellen Bimsstein-Felder der Montaña Blanca (ca. 2.680 m Höhe). Bims ist ein poröses und durch die vielen Gaseinschlüsse ein sehr leichtes und schwimmfähiges Gestein, das eine schwammartige Struktur aufweist. Es wird bei explosionsartigen Vulkanausbrüchen mit relativ niedriger Temperatur ausgeworfen.

Das Gehen auf den zerkleinerten Bimssteinen fühlt sich merkwürdig weich und ungewohnt an, als würde man auf Kohle laufen. So stiegen wir Schritt für Schritt, Meter um Meter hinauf und genossen eine fantastische Aussicht auf die steilen Ränder der ausgedehnten Caldera und auf die blauen Meeresbuchten mit ihrer miniaturhaften Besiedlung in weiter Ferne. Viel wächst nicht in dieser Halbwüste aus vulkanischem Gestein, eine Pflanze zog jedoch konnte sich meinen Augen nur schwer entziehen: die Blaue Tajinaste, die allein auf den Kanarischen Inseln wächst. Ihre blau-violetten länglichen Blütenstände setzen farbige Highlights in die felsige Vulkanlandschaft. Sie blüht nur ein einziges Mal im Frühsommer und stirbt danach ab... Weiterhin sahen wir bizarre Felsformationen und die Ausläufer erkalteter Lavaströme.

Der Aufstieg war jedoch aufgrund der dünnen Höhenluft nicht einfach. So erreichten wir erst gegen Mitternacht das Refugio Altavista. In den gemütlichen Schlafräumen bekamen wir dann unseren lang ersehnten Schlaf....Es ist ein herrliches Gefühl, morgens aufzustehen und mit einem warmen Kaffee in den Händen auf die Caldera und die sie umgebende Landschaft zu blicken, und die frische Bergluft einzuatmen. Man fühlt sich so lebendig!

Wir stiegen weiter bis auf 3550 Meter auf. Nach einer Wanderung von etwa einer Stunde nach Aufbruch in der Bergstation erreicht man die Seilbahn Teleférico del Teide, die eine Verbindung zur Basisstation und dem Parkplatz bildet. In nur 8 Minuten schafft die Seilbahn einen Höhenunterschied von über 1000 Höhenmetern. Sie bietet eine bequeme Alternative zu dem mühsamen Aufstieg, sodass auch Besucher, die weniger gut zu Fuß sind, in den Genuss des einmaligen Panorama-Ausblicks kommen können. Wer den Gipfel des Teide nach 9 Uhr morgens besteigen möchte, braucht ab diesem Punkt für die letzten 200 Höhenmeter ein Permit, welches im Voraus (online) beantragt werden muss. Die täglich zugelassene Besucherzahl ist zum Schutze des Naturparks limitiert.