Die Wüste ist für uns ein Mysterium. Sie birgt Geheimnisse, Wunder und trügerische Schönheit. Viele Religionsgründer und Philosophen haben irgendwann im Laufe ihres Lebens einige Zeit in der Wüste verbracht. Die Wüste hat ihnen dabei geholfen, die Dinge klarer zu sehen und sich auf das Wesentliche zu beschränken. Warum, ahnt man schon bei einer einzigen Nacht in ihr.

Im Süden Marokkos

Tourismus im Süden Marokkos bündelt sich einerseits bei den Oasen bei Erfoud, wo es prächtige Datteln zu kaufen gibt und andererseits rund um Merzouga. Die kleine Stadt liegt zu Füßen der Sanddünen von Erg Chebbi und ist von Hotels gekennzeichnet, manche sogar mit Pool. Diverse Anbieter, aber auch manche Hotels selbst bieten Ausflüge in die Wüste an. Für mehrere Stunden oder mit Übernachtung in einem der Wüstencamps.

Der Weg ist das Ziel

Wir werden mit dem Auto zum Ausgangsort am Rande der Sanddünen gebracht. Hier beginnt der circa einstündige Weg ins Wüstencamp. Vorbei an einem leeren Brunnen geht es Düne über Düne. Der Sand ist warm, die Temperaturen im Frühling sind trotz praller Sonne gnädig für die Wanderung. Unweigerlich versinkt man im Sand, es ist anstrengend den richtigen Weg zu finden. "Da, geh hier lang" rät der Wüstenführer Mohammed, der einen dicken Turban kunstvoll um seinen Kopf geschlungen hat. Er deutet auf die Kamelspur.

Karawane in der Wüste

Doch auch in den Fußstapfen der Kamele wird es nicht leichter, erst als ich entlang der Dünenkämme stapfe merke ich wie hart der Sand hier ist. Hier wo ich kaum einsinke komme ich schneller voran, dafür nehme ich mehr Steigung in Kauf. Es kommt ein stärkerer Wind auf, der den Sand in die Luft hebt. Nun wickle auch ich ein langes Tuch um meinen Kopf. Zuerst macht man einen Knoten ins untere Viertel, dann wirft man den längeren Teil über den Kopf, wobei der Knoten im Nacken bleibt. Jetzt rollt man das Tuch bei der Stirn zusammen und legt es über die Seite um den Kopf. Zum Schluss macht man den Knoten auf - entweder hat man nun einen Sonnenschutz für den Nacken oder man wickelt sich das Tuch vors Gesicht. So ist man selbst im Sandsturm geschützt.

Lost in Translation

In einem Loch zwischen Dünen versteckt steht das Wüstencamp. Es hat schwarz neun schwarze Zelte, eins dient als Gemeinschaftszelt fürs Abendessen. In der Mitte steht ein Feuerplatz, rundherum stehen einige kleine Hocker. Sie sehen eher so aus, wie als wären sie für Kinder gemacht, erweisen sich dann im Praxistest doch als recht praktisch.

Lagerfeuer im Wüstencamp

Wüstenkarawane bei Sonnenuntergang

Vor dem Abendessen geht es mit dem Kamel eine Runde durch die Wüste. Die Kamelführer können zur Abwechslung mal wirklich kaum eine andere Sprache, es sind Berber aus der Region. Sie führen die mürrischen Kamel durch die Dünen. Alles wackelt und wirklich bequem ist so ein Kamelsattel auch nicht. Auch wenn es schön ist, nicht selbst gehen zu müssen.

Wüsten Cuisine mit Trommeln

Abends gibt es eine Tajine mit Hackfleisch und Gemüse, dazu wird Fladenbrot gereicht, welches der Älteste am Tisch teilt und mit der rechten Hand verteilt. Besonders köstlich schmeckt die Soße, die man auf tunkt. Die linke Hand gilt als unrein, daher sollte man auch hier immer nur die rechte verwenden.

Danach trommeln die Jungs des Chefs eine Runde marokkanischer Lieder, bevor die Reisegruppe das Wort an sich reißt. Lagerfeuerromantik ist eben ein subjektiver Begriff.

Marrokanische Tajine

Nacht unter Sternen

Die Zelte sind Luxus Zelte, wurde uns versprochen. Wir haben neben drei Betten auch eine Art Dusche, ein Waschbecken mit Spiegel und ein Klo im Zelt. Im Zelt! Wer stellt sich denn gerne ein Klo ins Zelt? Da müssten doch selbst die Einheimischen den Kopf schütteln. Denn in die Toiletten darf kein Klopapier. Das soll in den Eimer daneben, der ein Plastikkorb ohne Deckel ist. Ich würde sagen ein besseres Beispiel für falsch verstandenen Luxus gibt es wohl nicht.

Also beziehe ich mein Bett im Freien. Dinge, die bei uns kompliziert sind, gehen in Marokko nämlich oft ganz einfach. Und so helfen mir die Trommeljungs dabei meinen Bettrahmen samt dicker Matratze und Decke nach draußen zu stellen. Jetzt muss nur die letzte sitzengebliebene Touristin sich austrommeln, dann wird es still. Die Wüste nimmt einen auch nachts voll und ganz ein. Und scheint dabei förmlich Wasser zu saugen. Denn als es gegen 3 Uhr früh frischer wird, habe ich einen unglaublichen Durst. Ich wickle mich in meine Daunenjacke und lege mich wieder unter die Decke. So schlafe ich bis ringsum die Wecker losgehen.

Kamelherde

Sonnenaufgang in der Wüste

6:15 heißt Aufstehen für den Sonnenaufgang. Der dauert zwar noch, aber wer gerne Sonnenaufgänge beobachtet weiß, dass die Minuten vor dem eigentlich Ereignis oft die schönsten sind. Da niemand sonst wach oder fit ist, gehe ich alleine auf die höchste Düne. Sie wirkt unglaublich weit entfernt und doch stehe ich in 20 Minuten schnaufend am Kamm.

Sanddünen bei Erg Chebbi

Unten herrscht mittlerweile reges Treiben, drei Geländewagen brummen mit Karacho in die Wüste, die erste Karawane schiebt sich hinter einem anderen Wüstencamp hervor. Und doch bleibe ich alleine hier oben. Nur ich und der Wind sind hier, als die Sonne sich hinter den Wolken blicken lässt.

Ihr möchtet Euch gerne auf das Abenteuer Wüstencamp in Marokko einlassen und unter freiem Himmel schlafen, dann findet Ihr hier ein Auswahl an Wüstencamps: Saharian Camp, Auberge Kasbah La Belle Etoile, Agafay Desert Luxury Camp. Wenn Ihr einfach einen Trip nach Marokko plant, dann findet Ihr hier günstige Hotels.