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14.12.2014

Mit einem blauen Hasen durch die Berliner Burlesque Szene

Burlesque und blau mit 'Scotty the Blue Bunny'

Scotty the Blue Bunny

Scotty the Blue Bunny

Was treibt einen New Yorker nach Berlin? Und vor allem: Was treibt einen New Yorker Performance Künstler, der sich seit 10 Jahren in ein blaues Hasenkostüm wirft, in die deutsche Hauptstadt? Mein Tag mit 'Scotty the Blue Bunny' soll mir Aufschluss geben über die internationale Faszination von Berlin.  Die Stadt, in der ich selbst wohne. Warum kommen so viele Leute - besonders Künstler- aus aller Welt nach Berlin, um dort zu leben und vor allem: sich auszuleben?

Scotty ist 47 Jahre alt, oder besser gesagt jung. Er steckt voller Energie und kann kaum einen Moment still halten. Scotty möchte stets alle Menschen um sich herum unterhalten, was ihm in meinem Fall den ganzen Tag lang ausnahmslos gelingt! „Warum bist du nach Deutschland gekommen?“ frage ich ihn. „Um Deutsch zu lernen.“ antwortet mir der Hase. „Und wo hast du Deutsch so gut gelernt?“ „Auf der Straße!“ Dabei schlendern wir durch sein Viertel im Wedding, in dem er schon seit einigen Jahren lebt.

Vor vier Jahren habe ich genau dasselbe Projekt wie Scotty bestritten, nur umgekehrt: Ich bin von Berlin nach New York gegangen um ein Vierteljahr Luft in der Stadt einzuatmen, die „niemals schläft“. Diese Mischung aus der Überwältigung von Größe und Erhabenheit New Yorks auf der einen, sowie die absolute Geborgenheit die man in den Schluchten der Stadt empfindet auf der anderen Seite, empfand ich schon immer als faszinierend. Müde von Berlin wollte ich mich 3 Monate lang wie eine New Yorkerin fühlen, hatte ein Zimmer im hippen Williamsburg, einen Job in einem Restaurant im East Village und ging nebenher auf die Schauspielschule.

„New York, concrete jungle where dreams are made of.“
(Empire State of Mind, Jay-Z)

Meine Anfangszeit in New York bestand viel aus „Kinn in den Nacken“ und Staunen, doch als die ersten faszinierenden Eindrücke zur Normalität wurden, begann mein Alltagskampf in der wohl berühmtesten Stadt der Welt. Allen voran das tagtägliche Ringen mit den Kosten: Essen war teuer, Miete war teuer, Weggehen war teuer, Shoppen: ausgeschlossen. Bei meinem Job im Restaurant musste ich mich vom ersten Tag an die amerikanische Mentalität anpassen. Egal in welcher Laune ich den Laden betrat, Dauergrinsen und ein „Hi, how are you? Nice to see you!“ war meine Pflicht. In der Schauspielschule wurde mir von Tag zu Tag bewusster, dass ich eine von etlichen war. Künstlerisch tätige Menschen aus aller Welt stellen sich Tag für Tag dem harten Konkurrenzkampf in New York, in der man schon Karrieren vom Tellerwäscher zum Millionär gesehen hat. Doch für viele bleibt ein solcher Erfolg nur ein Traum.

Ich kann verstehen, warum ein blauer Hase da das Weite sucht und sich über den großen Teich nach Berlin begibt, wo man als Künstler viel mehr Freiheiten besitzt. Zum einen ist man in einer Stadt wie Berlin weniger gejagt von finanziellen Sorgen. Das Leben ist viel günstiger im Vergleich zu den gängigen Weltmetropolen. Und man hat mehr Platz für Kreativität, weniger Druck.

Hasenliebe  <3

Hasenliebe <3

Die Berliner Burlesque Szene, in die mich Scotty entführt, empfinde ich als sehr familiär. Nicht zu vergleichen mit der teils spürbaren Ellenbogenmentalität in New York. Für eine Nacht werde ich Teil dieser bunten und stilvollen Burlesque Welt zwischen, pompösen Outfits, sinnlichen Tanz und (fast) nackten Brüsten!

Was ich da so als „Stage Kitten“ alles erlebe, erfährst du im Video.

CLAIRE OELKERS Verfasst vonCLAIRE OELKERS

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